Mir ist natürlich klar, dass es sich hier um ein sehr langfristiges und schwer zu finanzierendes Projekt handelt, deswegen Utopie. Dies soll eher eine Studie sein, wie eine 2. Verbindung in Wien aussehen könnte.
Eine zweite Stammstrecke für Wien, wozu? Es gibt doch schon eine, nun -
sort of. Die so bezeichnete Strecke, die zwischen Floridsdorf und ihrer Teilung an der Haltestelle Rennweg als S-Bahn Stammstrecke geführt wird, ist, anders als in bundesdeutschen Netzen, keine Exklusivverbindung der S-Bahn. Hier fahren auch reguläre Regionalbahnen und ab Mitte/Landstraße der CAT
(City Airport Train) zum Flughafen bei Schwechat, entsprechend voll gepackt geht es auf den Gleisen zu. Schon jetzt ist dies die am dichtesten befahrendste Strecke Österreichs, eine Taktverdichtung oder gar die Schaffung neuer Verbindungen ist eigentlich nicht möglich. Kein Wunder, dass die S-Bahnen kaum über einen müden 30/60-Takt herauskommen und eher als gemeinsam vermarktete RBs durchgehen.
Ziel des Konzeptes ist, durch eine zweite Stammstrecke den bestehenden Korridor zu entlasten und durch eine unten beschriebene Reform des Liniennetzes neue Kapazitäten zu schaffen, dass Netz insgesamt zu erweitern und einen S-Bahn würdigen Takt (mind. 20/40) zu ermöglichen. Dies sollte mit den Linien in der Stammstrecke 2 gut möglich sein, auf der alten Route entsteht durch die Aufteilung der bisherigen S3 (jetzt S3 und S4), der Kombination von S1 und S7 und der Umleitung der CAT-Züge Luft für einen dichteren Takt. Gleichzeitig rückt der Hauptbahnhof im Verkehrsnetz stärker ins Zentrum - als Spätgeborener hat er bisher nur eine Randlage, die Umsteigeknoten (Mitte, Karlsplatz, Schottentor etc.) sind woanders. Durch die Anbindung erwacht auch der Franz-Josef-Bahnhof wieder etwas aus seinem Dornröschenschlaf.
Streckenverlauf
Von Süden kommend fädelt die Strecke auf Höhe der Autozugverladerampe aus. Der Bahnhof auf der Südseite des HBF (
Hauptbahnhof Süd genannt) befindet sich auf der Ebene -2. Damit kann die U1 (-3) überquert, die alte Stammstrecke sowie der Tunnel der Ustrab unterquert werden. Den HBF direkt zu schneiden ist dabei nicht möglich, da er auf zwei Tiefebenen eine Passage besitzt. An den folgenden Haltestellen
Wieden und
Kettenbrückengasse werden U4, WLB sowie die Linien 1 und 62 passiert, damit besteht guter Anschluss zum Knoten
Karlsplatz. Die Unterquerung der Wientallinie U4 ist trotz des Wienflusses unproblematisch, da sich diese direkt unter Straßenniveau befindet.
Am
Volkstheater wird es zum ersten mal etwas schwierig. Hier wird man mindestens auf -3 gehen müssen, da man zwei Linien der U-Bahn unterqueren muss. Auf einen Bahnhofsbau kann man notfalls verzichten (Röhre ist eh Pflicht), doch die Umsteigemöglichkeiten wären zu gut, um nur durchzufahren. Am
Schottentor wird es wieder angenehmer, da U2 und Jonas-Reindl (die Wendeschleife der Tram) nicht sonderlich tief liegen. Eine Option zur Kostenersparnis wäre, am Rathausplatz zwischen Volkstheater und Schottentor anstelle dieser eine Station zu graben.
Kurz vor dem
Franz-Josefs-Bahnhof spaltet sich die Strecke auf, der Ast nach Norden ließe sich anstelle eines der Bahnsteige (der FJB ist eh unterbeschäftigt) in der Bahnhofshalle als Rampe bauen. Notfalls kann man erst auf Höhe der Rufgasse aufsteigen, den Grabungen am Bahnhof sind schwierig - er ist überbaut. Der dortige Halt wird zur besseren Unterscheidung
FJB (alt) genannt.
Update: Da eine Rampe im Bahnhof tatsächlich schwierig wäre, werden die Stationen als Verzweigebahnhof zusammengelegt. Die S40 hält im alten Bahnhof, Linien auf der Stammstrecke nutzen einen gemeinsamen Bahnhof (FJB tief) unter dem Spittelauer Platz. Erst hier teilt sich die Strecke, die Nordrampe endet an den Abstellgleisen an der Nordbergstraße. Damit wird die Einfädelung der Linen erleichtert - Richtungsbahnsteige sind denkbar, würden aber eine scharfe Kureve nach Norden bedeuten. Nach Süden möchte ich den Halt nicht verlegen, da dann die U4 zu weit entfernt wäre.
Die Linien auf der Stammstrecke bekommen unter dem Spittelauer Platz einen eigenen unterirdischen Haltepunkt
(FJB tief). Dieser wird direkt mit dem eigentlichen FJB und dem U4-Haltepunkt
Friedensbrücke verbunden. Der Kreuzungsbahnhof mit der U6
Brigittenau (Jägerstraße) ist fakultativ.
Der letzte Teil ist der haarigste. Die U6 muss in der Ebene -2 unterquert werden, die Bestandstrecke zum
Handelskai liegt aber schon leicht über Straßenniveau. Auf 1km Streckenlänge sollte die Rampe aber baubar sein, die Einfädelung in die Bestandstrecke an der Winarskystraße wird zwar nicht auf Anwohnerliebe stoßen, platztechnisch kann man sie aber wohl so halbwegs unterbringen.
Damit verbleibt der zweigleisige Abschnitt
Handelskai - Floridsdorf als Nadelöhr, ein viergleisige Ausbau wäre nur mit großen Schmerzen machbar. Hat hierzu jemand einen zündenden Vorschlag? Am einfachsten wäre hier sicherlich ein Tunnel bis Floridsdorf, entsprechend teuer wäre das aber auch.
Die Route ist zwar nicht der direkteste Weg, dafür ermögliche ich viele Anschlüsse. Für eine abgespeckte Version: Haltepunkte
Wieden und
Brigittenau entfallen,
Schottentor und
Volkstheater werden zu
Burgtheater am Rathausplatz zusammen gelegt, die Strecke zwischen
Wieden und
Burgtheater begradigt. Die Bestandslinien und enge Straßenführung in Wien benötigen in jedem Fall ein größtenteils im Schildvortrieb geführter Bau mit entsprechenden Stationen. Dass das aber auch mit S-Bahnen nicht verboten ist, zeigt Crossrail.
Der Bahnhof
Brigittenau trägt bewusst einen anderen Namen als die bestehende U-Bahn Station (Jägerstraße), da ich Stadtviertel als bessere Namen für die S-Bahn durch den größeren Einzugsbereich halte.
Liniennetz
Nur als Vorschlag zu verstehen, die Liniennummern sind eher arbiträr - es gilt ungerade Zahl für die alte, gerade Zahl für die neue Strecke. Zweistellige Liniennummern wie bisher für die Verbindungen, die keine der beiden Stammstrecken nutzen. Für das Netz wäre eine Ertüchtigung der Aspangbahn und Elektrifizierung der Stammersdorfer Lokalbahn samt Verbindungskurve in Obersdorf notwendig. Eine Version ohne Aspangbahn und Stammersdorf ist allerdings auch denkbar: in diesem Falle endet die S5 in Wolkersdorf, die Ringlinie S10 wird gestrichen, anstelle dessen wird die bestehende S60 von Bruck (Leitha) über den Matzleinsdorfer Platz auf die Pottendorfer Linie geführt.
Zudem wird die Strecke von Wolfsthal nach Bratislava Petržalka (Teilstück der
Pressburger Bahn) wiederaufgebaut sowie die Strecken nach Bad Pirawarth und die Verbindung
Mistelbach - Hohenau wieder in den Personenbetrieb genommen. Als Option stünde auch noch der Abzweig Götzendorf - Mannersdorf offen.
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S1 Bad Pirawarth - Prottes - Gänserndorf - Floridsdorf - Handelskai -
(Stammstrecke 1) - Mitte/Landstraße - St. Marx - Schwechat - Flughafen - Wolfsthal
(- Berg - Bratislava-Petržalka)
S2 Laa (Thaya) - Mistelbach ÖBB / Hohenau (March) - Neusiedl (Zaya) - Mistelbach Lokalbahnhof - Paasdorf - Obersdorf - Floridsdorf - Handelskai -
(Stammstrecke 2) - Hauptbahnhof (Süd) - Kledering - Götzendorf (Leitha) - Bruck (Leitha) -
Neusiedl am See
S3 Tullnerfeld - Tulln Stadt / Krems (Donau) - Fels am Wagram - Absdorf - Stockerau - Floridsdorf - Handelskai -
(Stammstrecke 1) - Belvedere - Hauptbahnhof (tief) - Meidling - Liesing - Mödling - Wiener Neustadt
S4 Retz - Hollabrunn - Stockerau - Korneuburg - Floridsdorf - Handelskai -
(Stammstrecke 2) - Hauptbahnhof (Süd) - Kledering - (Aspangbahn) - Traiskirchen -
Wiener Neustadt
S5 Gaweinsdorf - Bad Pirawarth - Auersthal - Obersdorf - Floridsdorf - Handelskai -
(Stammstrecke 1) - Belvedere - Hauptbahnhof (tief) - Meidling - Blumental - Pottendorf - Civitas Nova - Wiener Neustadt
S6 Tullnerfeld - Tulln Bahnhof - Heiligenstadt - FJB (tief) -
(Stammstrecke 2) - Hauptbahnhof (Süd) - Grillgasse - Schwechat - Flughafen
S8 Ernstbrunn - Mollmannsdorf - Stetten - Korneuburg - Floridsdorf - Handelskai -
(Stammstrecke 2) - Hauptbahnhof (Süd) - Arsenal - Simmering - Stadlau - Aspern Nord -
Siebenbrunn - Marchegg - Bratislava Lamac - Bratislava hlavna stanica
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CAT: nicht mehr ab Wien Mitte, sondern Westbahnhof - Hauptbahnhof - Flughafen.
S10/S11 Ringlinien: Praterkai
- (Donauuferbahn)
- Handelskai (tief) - Heiligenstadt - (Vorortelinie) - Penzing - Speising - Meidling - Hauptbahnhof - Arsenal - Simmering - (Praterkai)
S35 Mannersdorf (March) - Gänserndorf - Strasshof - Deutsch Wagram - Süßenbrunn - Stadlau - Simmering - Hauptbahnhof - Meidling - Liesing - Mödling -
Neudorf/Griesfeld - Laxenburg
S40 FJB (alt) - Heiligenstadt - Tulln Bahnhof - Tullnerfeld - Herzogenburg - St. Pölten -
Amstetten (wie bisher)
S45 Praterkai
- Handelskai (tief) - Heiligenstadt - (Vorortelinie) - Hütteldorf
S50 Westbahnhof - Penzing - Hütteldorf - Unterpurkersdorf - Neulengbach (wie bisher)
S85 Aspern Nord - Stadlau - Simmering - Hauptbahnhof - Meidling - Speising - Hütteldorf - Unterpurkersdorf
Erläuterungen
FJB: Franz-Josefs-Bahnhof
CAT: City Airport Train
Stammstrecke 1: Handelskai - Praterstern - Mitte/Landstraße - Rennweg - St. Marx bzw. Belvedere - HBF
Stammstrecke 2: Handelskai - FJB - Schottentor - Volkstheater - Hauptbahnhof