Problemstellung:
Die S-Bahn-Stammstrecke ist das Rückgrat des ÖPNV in Frankfurt. Gleichzeitig ist er aber auch das schlimmste Nadelöhr, denn die Tunnelkapazität ist bereits vollständig ausgeschöpft. Reserven existieren schon heute keine mehr. Eine Umrüstung der Zugsicherung auf ETCS könnte die Kapazität weiter von 24 Zügen pro Stunde und Richtung auf 28 erhöhen, was allein schon nötig ist um die sonst drohenden Taktausdünnungen (nordmainische S-Bahn führt zur Taktausdünnung zum Südbahnhof, Einführung der S7 anstelle der S9 in den Tunnel zur Taktausdünnung zum wichtigen Nordbereich des Flughafens) zu vermeiden und zumindest den Status quo zu erhalten und mal etwas stabiler abwickeln zu können.
Eine wirkliche Angebotsverbesserung auf den Außenästen ist so aber nicht möglich. Gerade auf den Strecken nach Stadion-Flughafen und Messe-Westbahnhof-Eschborn wären aber heute schon deutlich dichtere Takte zumindest in der HVZ nötig. Bei Messen oder Eintracht-Spielen kommt es sehr oft vor, dass ein großer Teil der Einsteiger am Hbf gar nicht mit in die Bahn passt und auf dem Bahnsteig zurückgelassen werden muss.
Ein zweiter Stammstreckentunnel wird zwar immer mal wieder in den Ring geworfen, ist auf absehbare Zeit aber ziemlich utopisch. Priorität hat erstmal der Fernbahntunnel. Trotzdem benötigt auch die S-Bahn bereits recht kurzfristig zusätzliche Kapazitäten. Mein Vorschlag soll zur Bereitstellung eben solcher dienen, unter Ausnutzung der ausgeprägten Westlastigkeit der Verkehre am Hauptbahnhof.
Maßnahmenumfang:
1.
Anpassung des Gleisvorfelds im Nordbereich des Hbf (eingezeichnet habe ich nur die oberirdischen S-Bahn-Gleise, die RV-Gleise müssten entsprechend etwas angepasst werden um Trassenkonflikte zu vermeiden). Es sollen Gleisverbindungen auch zwischen Galluswarte und dem oberirdischen Bahnsteig 20/21 geschaffen werden. Derzeit ist die Anfahrt der oberirdischen Bahnsteige nur für die S-Bahnen aus Höchst und Niederrad möglich. Zudem wird die Einfahrgeschwindigkeit für die S-Bahnen zu den Stumpfgleisen erhöht (aktuell nur 30-40km/h).
2. Verkürzung und Verschmälerung des zukünftig eh nicht mehr vom Fernverkehr genutzten Bahnsteigs 18/19 zu einem normalen RV-Bahnsteig von 300-350m Länge und etwas geringerer Breite als heute. Außerdem Wegfall der nicht mehr benötigten Gepäckbahnsteige in diesem Bereich. Dadurch erhält man Platz für
3.
Ausbau Bahnsteig 20/21. Dieser ist sowieso vorrangig für die S-Bahn vorgesehen. Er wird so weit wie möglich verbreitert und bekommt zusätzliche Zungenbahnsteige um auch neue Gleise 20a und evtl 21a außerhalb der Bahnsteighalle nutzen zu können, womit dann 3 oder gar 4 S-Bahnen gleichzeitig und unabhängig voneinander an eben diesem Bahnsteig abgefertigt werden können. Zur Nutzung durch Langzüge würde seine Gesamtlänge auf etwas über 400m erhöht werden müssen (also so lang wie derzeit 18/19). Da der Bahnsteig zukünftig ausschließlich von S-Bahnen genutzt werden soll, kann er zudem durchgängig auf die im S-Bahnnetz geltenden 96cm für stufenfreien Einstieg angehoben werden. Alternativ zu 20/21 kann stattdessen natürlich auch der
Bahnsteig 18/19 entsprechend hergerichtet (und angebunden) werden. Auf welchen der beiden Bahnsteige die Wahl letztlich fällt, hängt vor allem davon ab wie sich das Gleisvorfeld am leistungsfähigsten gestalten lässt, und wo man mehr Bahnsteigkanten für den Regionalverkehr benötigt.
4. Der
Quertunnel wird deutlich aufgewertet und verbreitert, erhält einen zusätzlichen Abgang vom westlichen Bereich des oberirdischen S-Bahnsteigs, und natürlich eine Anbindung an die Tiefbahnhöfe (S-Bahn und die zukünftige Fernverkehrsstation). Entsprechend deutliche Beschilderungen (und Anzeige der nächsten Fahrten) sehe ich als selbstverständlich an.
Die ohnehin schon angedachte
Reaktivierung von Gleis 25 dürfte eine Grundvorraussetzung sein, um für den Regionalverkehr genügend Kapazitäten vorhalten zu können (wegen der Auslastung und der Bahnsteighöhen wird er zukünftig nur noch in Ausnahmefällen am S-Bahnsteig abgefertigt werden können).
Nutzung:
Genutzt würde dieser erweiterte S-Bahnsteig durch Verstärkerlinien von den westlichen S-Bahnstrecken, die aber nicht nach Osten weitergeführt werden sondern im Hauptbahnhof oberirdisch wenden. Als realistischste Kandidaten sehe ich dabei (Liniennummer gegenüber den normalen Linien einfach um eine '0' erweitert):
- S10 nach Höchst
- S40 nach Kronberg
- S60 nach Bad Vilbel
- S70 nach Groß Gerau
- S80 nach Kelsterbach/Rüsselsheim
Entsprechende Fahrten auf der S8 gibt es bereits (aber noch recht selten) und auch für die S7 sind sie zumindest im RegNVP schon so vorgesehen. Nur gibt es bisher noch keine Bestrebungen die Infrastruktur im Hbf entsprechend auszurichten. Mittels dieser Verstärker lassen sich auf den Außenästen dichtere Takte als die derzeit geltenden 15- bzw teilweise sogar nur 30-Minutentakte herstellen. Wer die Verstärkerzüge nimmt, aber in die Innenstadt oder wohin auch immer weiter möchte kann hier dann endlich auf kurzem Wege zum Tiefbahnhof gehen, von wo aus die vorhandenen S-Bahn-Linien ja weiterhin im dichten Takt Richtung Innenstadt verkehren.
Nach einem ähnlichen Prinzip kann man in Offenbach unter
Nutzung des dortigen Hbf auch Taktverdichtungen auf den Ostästen von von S1, S2 und S8 erreichen.
Bin mir unschlüssig ob dieser Vorschlag besser als Infrastruktur einzustufen wäre. Da es sich aber um reine S-Bahn-Maßnahmen handelt, habe ich selbige ausgewählt. Kann ich falls gewünscht aber auch ändern.