Beschreibung des Vorschlags
Zuerst eine Formalität: 2016 wurde auf diesem Forum schon einmal ein ähnlicher Vorschlag veröffentlicht. Damals war die Weddeler Schleife allerdings noch eingleisig und der Vorschlag bezog sich hauptsächlich auf die Errichtung einer kreuzungsfreien Ausfädelung im Rahmen des Ausbaus der Weddeler Schleife.
Mein Vorschlag bezieht sich hauptsächlich auf dieses Projekt, das im Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf geführt wird. Zusammen mit meinem Vorschlag einer Regio-Linie von Helmstedt nach Wolfsburg, die in Weddel Kopf machen würde, würde der Bahnhof an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Zusammen mit dem sowieso geplanten 3. Gleis vom Abzweig Braunschweig-Buchhorst bis Weddel ergibt sich, solange seitens des Regionalverbandes der entsprechende Wille und die entsprechenden Mittel da sind (wären…), die einmalige Chance, den Bahnhof und Abzweig Weddel wirklich zukunftssicher auszubauen.
Deshalb hier nochmal ein tiefer ausgearbeiteter ähnlicher Vorschlag, der zusätzlich alle nötigen Infrastrukturausbauten für meine vorgeschlagene Regio Helmstedt – Wolfsburg bündelt.
Der Vorschlag
Der Vorschlag setzt den Bau des 3. Gleises von BS-Buchhorst nach Weddel als gegeben voraus und lässt sich mehr oder weniger in vier Projekte aufteilen, die größtenteils unabhängig voneinander realisierbar sind. Der Nutzen-Kosten-Vergleich hat für das erwähnte Projekt des BVWP einen Nutzen-Kosten-Faktor von 1,7 ergeben. Alle Projekte über 1 sind tendenziell förderfähig. Dementsprechend könnte man einige der genannten Maßnahmen, und zwar die, die hauptsächlich dem Fernverkehr dienen, noch in das Projekt mit aufnehmen, während der Bahnsteig in Weddel aller Voraussicht nach vom Land finanziert werden müsste.
I. Neuer Bahnsteig in Weddel
Hauptsächlich zielt der Vorschlag auf die Errichtung einer dritten, mindestens 140 Meter langen Bahnsteigkante in Weddel ab. Diese sollte südlich des derzeitigen Bahnhofs am neuen 3. Gleis aus Mitteln des Regionalverbandes errichtet werden. Die Erschließung gestaltet sich denkbar einfach durch eine Rampe und eine Treppe von der südlich gelegenen Bauernstraße, aus Richtung der Unterführung. Die Bauernstraße müsste, um Platz für den Bahnsteig zu schaffen, um wenige Meter verlegt werden, wofür vermutlich in geringem Maße Flächen angekauft werden müssten. In diesem Zuge könnte es sinnvoll sein, sich Erweiterungsflächen für ein eventuell irgendwann zu errichtendes 4. Gleis freizuhalten. Besonders bei einem Halbstundentakt Braunschweig – Helmstedt könnte dieses in fernerer Zukunft notwendig werden.
II. Kreuzungsfreier Abzweig und Bahnhofsvorfeld
Der zweite Teil des Vorschlags ist der hier bereits vorgeschlagene kreuzungsfreie Ausbau des Abzweiges Weddel. Dabei ist es wichtig, dass die Kurvenradien weiterhin eine eventuelle Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf der Weddeler Schleife auf 200km/h erlauben.
III. Anhebung der Höchstgeschwindigkeit
Der Abschnitt Weddel – Helmstedt ist der einzige Abschnitt der Strecke Braunschweig – Magdeburg, der statt für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 oder 160km/h nur für 120km/h ausgebaut ist. Eine Beschleunigung auf 160km/h würde auf der RB40 Magdeburg – Braunschweig und der neuen Regio eine Fahrtzeitverkürzung von ungefähr 2 Minuten bedeuten, auf den chronisch verspäteten IC-Linien 55 und 57, die den Abschnitt ohne Halt passieren, eine Beschleunigung von circa 4 Minuten, solange sie nicht hinter Güterzügen stecken bleiben. In jedem der drei Bahnhöfe auf der Strecke gibt es bereits ein drittes Gleis, was diesem Problem zumindest teilweise vorbeugen könnte. Trotzdem sollte der Nutzen dieser Maßnahme gründlich geprüft werden. Die Möglichkeit, sich 4 Minuten Verspätung wieder herauszufahren, sollte allerdings auch nicht unterschätzt werden.
Zusätzlich sollte man auf der gesamten Strecke, über die zukünftig deutlich mehr Züge rollen sollen, die konsequente Beseitigung aller Bahnübergänge anstreben, die dort noch zahlreich vorhanden sind, aber das ist ja sowieso ein Ziel der DB, wenn ich das richtig verstehe. Besonders prioritär sollte die Beseitigung der beiden Bahnübergänge im Braunschweiger Buchhorst angegangen werden, die in der Braunschweiger Bevölkerung mittlerweile den Ruf erlangt haben, sowieso nie offen zu sein. Dort wartet man gut und gerne mal 10 Minuten bis zur nächsten 90-sekündigen Öffnung.
Weiterhin sollte ein Ausbau aller drei Gleise und aller Weichen im Bereich des Bahnhofs Weddel und auch westlich davon bis zum Abzweig Buchhorst auf 160km/h geprüft werden, um den ICs und ICEs so flexibel wie möglich die Beschleunigung und Durchfahrt zu erlauben.
IV. Abzweig Buchhorst
Dieses Teilprojekt ist ein bisschen anders als die anderen drei, weil das Verkehrsaufkommen es vermutlich kaum rechtfertigt. Theoretisch könnte man den Abzweig Buchhorst für die größtmögliche Kapazitätssteigerung ebenfalls kreuzungsfrei ausführen. Ob das dritte Gleis an sich nicht schon reicht, kann ich nicht beurteilen, ich vermute es aber.
Sollte der Abzweig kreuzungsfrei ausgebaut werden, könnte man den Verkehr folgendermaßen aufteilen:
Nördliches Gleis: Güterverkehr in Richtung Buchhorst (120km/h) und Personenverkehr in Richtung Braunschweig Hbf (160km/h)
Mittleres Gleis: Personenverkehr in Richtung Wolfsburg bzw. Helmstedt (160km/h)
Südliches Gleis: Güterverkehr in Richtung Wolfsburg bzw. Helmstedt (120km/h)
bevor er dann im Bereich des Bahnhofs Weddel folgendermaßen umsortiert würde:
Weddel Gleis 1: Alle Verkehre Richtung Braunschweig
Weddel Gleis 2: Alle Verkehre in Richtung Helmstedt
Weddel Gleis 3: Alle Verkehre in Richtung Wolfsburg
Bei belegten Gleisen in Weddel wäre es für nachfolgende Züge immer möglich, in ein anderes angrenzendes Gleis zu wechseln. Die neue Regio würde nach ebendiesem Schema in die eine Richtung auf Gleis 3, in die andere auf Gleis 2 halten und wenden. Das am meisten belastete Gleis nach Braunschweig würde im Normalfall von ihr nicht berührt werden.
Fazit
Durch Umsetzung der ersten drei beziehungsweise aller vier Maßnahmen könnte man den Kapazitätsengpass Buchhorst – Weddel im Zuge der Maßnahmen relativ kostengünstig noch nachhaltiger entlasten als sowieso schon geplant. Auch die Umsetzung der Regio Helmstedt – Wolfsburg wäre damit möglich.

Ich finde deinen Vorschlag gut! Fehlende höhenfreie Überwerfungen sind ein großes Übel des deutschen Bahnverkehrs.
Ich würde allerdings den Abschnitt gleich 4gleisig ausbauen. Und dann wäre zu diskutieren, ob man die andere Überwerfung direkt am Abszweig Buchhorst oder auf der Strecke westlich von Weddel macht.
Da hast du vermutlich Recht. Hier ein viertes Gleis zu bauen wäre vermutlich irgendwann in Zukunft sinnvoll, vor allem, falls die geplante RB Helmstedt-Schöningen irgendwann nach Braunschweig durchgebunden wird. Der Regionalverband schrieb irgendwann einmal auf seiner Website, dass Überlegungen in die Richtung angestellt werden. Eine RB Helmstedt-Wolfsburg via Weddel und weitere Taktverdichtungen auf der Relation Braunschweig-Wolfsburg, Braunschweig-Magdeburg oder im Fernverkehr würden den Bereich noch weiter belasten und im Güterverkehr wird er auch gut benutzt.
Mit einem 4. Gleis könnte man dann auch auf eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 200km/h auf zwei Gleisen auf dem Abschnitt und der Weddeler Schleife nachdenken.
Nun ist es aber so, dass der Bundesverkehrswegeplan erstmal nur ein drittes Gleis im vordringlichen Bedarf vorsieht, und bei knappen Kassen wird es vermutlich nicht wirklich die allergrößte Rechtfertigung für ein 4. Gleis geben, schließlich läuft der Verkehr heute auch bei nur zwei Gleisen einigermaßen störungsfrei. Deshalb richtet sich dieser Vorschlag eher darauf, beim sowieso erfolgenden Ausbau einige weitere (relativ kleine) Maßnahmen gleich mit zu planen und zu bauen.