Stuttgart: Ausbau Zulauf Zuffenhausen

 

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Beschreibung des Vorschlags

Was ist das Problem?

Im Rahmen des Milliarden-Projekts Stuttgart 21 soll ja bekanntlich der Kopfbahnhof durch einen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Allerdings wird die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, da der neue Bahnhof 8 Gleise weniger (!!!) als der aktuelle haben soll (das ist die Hälfte). Dadurch wird der Tiefbahnhof zu einem Flaschenhals. Hinzu kommt, dass der gesamte Fernverkehr über eine teilweise nur zweigleisige Zulaufstrecke abgewickelt wird und werden soll, auf der zusätzlich eine Menge Nahverkehrszüge unterwegs sind. Das führt dazu, dass zB jeder zweite Zug des MEX17 (RB17) bereits in Bietigheim-Bissingen enden muss. Aber selbst wenn wider Erwarten das gesamte Angebot in der Region Stuttgart in einer passablen Betriebsqualität gefahren werden kann, wird übersehen, dass das Angebot bereits jetzt zu wenig ist, die Nahverkehrszüge sind — gerade zur HVZ — chronisch überlastet. Wenn man wirklich mehr Leute zum ÖPNV bewegen will, muss man auch ein attraktives Angebot haben. Verspätete, ausfallende und verstopfte Züge gehören da nicht wirklich dazu. Das Ziel sollte mE, sein auf allen MEX-Linien einen T15 und auf allen RE-Linien zumindest abschnittsweise einen T30 anzubieten. Dazu braucht man aber leistungsfähige Infrastruktur. 

Um den Verkehrskollaps zu verhindern sind also folgende Dinge wichtig:

  1. Deutliche Entlastung des Tiefbahnhofs
  2. Ausbau Zulaufstrecke im Bereich Zuffenhausen

1. Deutliche Entlastung des Tiefbahnhofs

Entlasten kann man einen Bahnhof grundsätzlich mit verschiedenen Maßnahmen:

  • Einzelne Züge den Bahnhof nicht anfahren lassen —> Entlastung durch Angebotsreduzierung
  • Ausbau des Bahnhofs (Gleise, Signaltechnik,…) —> Kapazitätssteigerung
  • Stärkung von Tangentiallinien —> Fahrgastverteilung
  • Neuer attraktiver Bahnhof vor dem überlasteten Bahnhof —> Fahrgastentzerrung

Einzelne Züge den Bahnhof nicht anfahren lassen
Dazu ist der Hauptbahnhof einfach zu bedeutend. Meiner Meinung nach indiskutabel.

Ausbau des Bahnhofs (Gleise, Signaltechnik,…)
Grundsätzlich eine gute Maßnahme, aufgrund beengter Platzverhältnisse und Tunnellage nicht möglich. Möglich wäre die sogenannte Ergänzungsstation, ein kleiner Tiefkopfbahnhof. Diese steht politisch immer wieder zur Debatte. Allerdings gibt es aufgrund der sehr hohen Kosten Streit in der Politik. Der Tiefbahnhof wird bereits mit ETCS2 ausgerüstet sein, viel besser geht es diesbezüglich also auch nicht.

Stärkung von Tangentiallinien

An sich eine gute Maßnahme. Allerdings für die Entlastung langlaufender Regionallinien nicht ausreichend. Tangentiale sind mE eher Aufgabe der S-Bahn

Neuer attraktiver Bahnhof vor dem überlasteten Bahnhof

Die einzige Maßnahme die hier wirklich sinnvoll sein könnte. Am naheliegendsten wäre natürlich Stuttgart-Zuffenhausen, aufgrund der bereits liegenden Bahnsteige. Bedienen sollten ihn alle Linien. Vielleicht könnte man nur die Super-ICE-Sprinter durchfahren lassen. Profitieren würden vorrangig:

  • Landkreis Ludwigsburg (543.000 Ew)
  • Stadtkreis Heilbronn (127.000 Ew)
  • Rems-Murr-Keis (426.000 Ew)
  • Stuttgarter Stadtbezirke 
    – Zuffenhausen (38.000 Ew)
    – Feuerbach (31.000 Ew)
    – Stammheim (12.000 Ew)
    – Mühlhausen (26.000 Ew)
    – Münster (7.000 Ew)
    – Weilimdorf (32.000 Ew)
    – Bad Cannstatt (72.000 Ew)
    – Botnang (14.000 Ew)

= 1.328.000 Einwohner

Darüber hinaus profitieren teilweise:

  • Landkeis Böblingen (393.000 Ew)
  • Landkreis Heilbronn (343.000 Ew)
  • Landkreis Calw (160.000 Ew)

= 896.000 Ew

Also würden 2.224.000 Einwohner von einem neuen Fernbahnhof Stuttgart-Zuffenhausen profitieren und den Hauptbahnhof entlasten. Von ca. 2,8 Mio Leuten, die in der Region Stuttgart leben, profitieren rechnerisch ca. 1,5 Mio von diesem Fernhalt. Da aber für viele Regionen der Bahnhof nur für Fahrten in Richtung Vaihingen(E) sinnvoll sein dürfte, dürften es realistisch betrachtet „nur“ etwa 1 Mio Leute sein.

Außerdem könnte neben Nah-/Fernverkehr und S-Bahn in Zuffenhausen ein großer ÖPNV-Knoten entstehen:

  • U7 Ostfildern-Mühlhausen
  • U16 Zuffenhausen-Fellbach
  • 52 Stammheim-Bad Cannstatt
  • 53 Zuffenhausen-Zazenhausen
  • 91 Zuffenhausen-Sindelfingen (Vorschlag folgt)
  • 99 Mönchfeld-Weilimdorf
  • 501 Feuerbach-Hemmingen
  • 502 Feuerbach-Riet
  • 503 Feuerbach-Vaihingen(E)
  • 508 Zuffenhausen-Ludwigsburg

Hinzu kommen P+R-Parkplätze (als Tiefgarage/Parkhaus erweiterbar) und ein potenzieller Fernbushalt

langemann schlug eine teurere Variante vor

2. Ausbau Zulaufstrecke im Bereich Zuffenhausen

Wie gesagt, die Zulaufstrecke wird wohl eines der schlimmsten Nadelöhre und wird jegliche Angebotserweiterungen verhindern. Die diskutierte P-Option wird helfen, ersetzt einen sechsgleisigen Ausbau Feuerbach-Schnellfahrstrecke aber nicht. Da der Platz recht begrenzt ist, muss man teilweise die Gleise komplett neu trassieren. Das Gleisschema von links nach rechts:

S-Bahn stadteinwärts
S-Bahn stadtauswärts
Fernbahn stadteinwärts
Regionalbahn stadteinwärts
Regionalbahn stadtauswärts
Fernbahn stadtauswärts

Im Bereich Bahnhof Zuffenhausen musste ich ein wenig tricksen. Um größere Umbauten zu vermeiden, möchte ich die S4 und S5 östlich des Bahnhof umleiten, mit Halt am S6-Bahnsteig, damit im westlichen Bahnhofsteil 4 Gleise für Nah- und Fernverkehr zur Verfügung stehen. Das Überwerfungsbauwerk der S6 müsste wohl neu gebaut werden.

Bei Feuerbach müsste man vielleicht ein Recyclingcenter minimal verkleinern.

Das Problem ist auch ganz oben angekommen, daher wird der Nordzulauf vorgeschlagen, ein 10 Kilometer langer Tunnel von der SFS zum Tiefbahnhof. Allerdings ist dieser — frei nach Schienenzeppelin — klassische Minutenfeilscherei für viele Millionen.

DerGalaktische schlug eine deutlich teurere Variante vor.

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4 Kommentare zu “Stuttgart: Ausbau Zulauf Zuffenhausen

  1. Allerdings wird die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, da der neue Bahnhof 8 Gleise weniger (!!!) als der aktuelle haben soll (das ist die Hälfte). Dadurch wird der Tiefbahnhof zu einem Flaschenhals. Hinzu kommt, dass der gesamte Fernverkehr über eine teilweise nur zweigleisige Zulaufstrecke abgewickelt wird und werden soll, auf der zusätzlich eine Menge Nahverkehrszüge unterwegs sind.
    Das wurde doch alles schon damals während der „Schlichtungen“ zu S21 erklärt und auch danach Xmal bestätigt.: Der Tiefbahnhof hat zwar weniger Gleise aber da es eben ein Durchgangsbahnhof und kein Kopfbahnhof ist, wird er ebenso leistungsfähig sein. Ich verstehe nicht, warum man diese Grundsatzdiskussion immer und immer wieder führen muss. Irgendwann muss es wirklich mal mit S21 gut sein.

    Also Fazit: Für die angedachten Zugzahlen reicht S21 anhand der Fakten dicke aus und hat sogar noch etwas Reserven, weshalb man solch eine Entlastung garnicht braucht.

    1. „Also Fazit: Für die angedachten Zugzahlen reicht S21 anhand der Fakten dicke aus und hat sogar noch etwas Reserven, weshalb man solch eine Entlastung garnicht braucht.“

      Woraus entnimmst du das? Jüngere Untersuchungen sagen eher etwas anderes und es gibt sogar schon offiziellen Studien über eine Ergänzungsstation.

  2. Dazu gab es doch praktisch unzählige Studien und Berechnungen von allen möglichen Seiten pro oder contra im Zuge der langen und ermüdenden Diskussion zu S21. Das hat schon fast religiöse Züge angenommen. Dazu ist in der Tat alles gesagt.

    Und zu dieser offiziellen Studie: In dieser wird einfach behauptet, dass S21 angeblich in der 30er Jahren an seine Grenzen stoßen würde – jedoch ohne Nennung von Quellen und Berechnung für diese Behauptung! Und das der Verkehrsminister von BaWü, Winfried Hermann, bekanntlich kein Freund von S21 ist, war schon klar, bevor er den Posten hatte. Es muss also sehrwohl eine gewisse Voreingenommenheit unterstellt werden.

    1. Ich hab da was gefunden. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-im-jahr-2030-bis-zu-180-doppelbelegungen-im-hauptbahnhof.5c0052c8-c3f0-4134-b81f-ee41647a6ba5.html 

      2030 werden im Tiefbahnhof am Tag bis zu 180 Doppelbelegungen nötig sein, um den Verkehr zu stemmen (mit halbstündlichem MEX-Verkehr, wobei ich viertelstündlich für gerechtfertigt halte. Aber das ist ein anderes Thema). Dabei sollen die Züge teilweise nur zwei Minuten halten. Bei dieser Haltezeit kann man doch kaum auf Anschlüsse abstimmen. Auch sehe ich hier nicht die von dir angesprochenen „Reserven“

      Nun sagst du aber, dass diese Kapazitäten soweit ausreichen. Das könnte ja sogar sein, aber soll man dann etwa ab 2030 mit dem Ausbau des ÖPNV aufhören? Ich hoffe nicht.

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