Beschreibung des Vorschlags
Das Thema neuer Zugverbindungen zwischen verschiedenen europäischen Großstädten und dem Vereinigten Königreich wird nun seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert.
Hauptprobleme scheinen dabei zu sein:
- (nach aktuellem Verfahren) Notwendigkeit von Grenzkontrollen am Bahnhof – der notwendige Platz für non-Schengen-Bahnsteige und die dazugehörige Infrastruktur ist an ausgelasteten Großstadtbahnhöfen i.d.R. nicht gegeben bzw. die Kosten dafür sind durch die mittelfristigen Fahrgastzahlen nicht gerechtfertigt
- Erhöhte Sicherheitsanforderungen an das Rollmaterial (wobei damit verbundene Probleme offenbar sowohl im Rahmen der ehemaligen Pläne der Deutschen Bahn für die Baureihe 406 (?) sowie dem zukünftigen Einsatz der ebenfalls 200 m langen Avelia Horizon gelöst werden konnten)
- Begrenzte Kapazitäten des Eurotunnels bei denen Eurostar laut einiger Vorwürfe aus der Presse aufgrund der Eigentümerstruktur im Vorteil ist
Diese Probleme lassen sich dabei potenziell mit einem Vorschlag angehen, der mich begleitet, seit ich mich mit dem Thema Lichtraumprofil beschäftige. Denn aufgrund der Anforderung des Autoshuttles, bis zu 4,2 m hohe Fahrzeuge zu transportieren, ohne Taschenwagen nutzen zu müssen, beträgt das Lichtraumprofil im Eurotunnel 5,6 m Höhe bei 4,1 m Breite.
Passagierzüge (unter Beachtung von 2)), die wie LeShuttle nur zwischen den Wendeschleifen in Calais bzw. Folkestone verkehren würden, hätten aufgrund:
- der Einsparung von Triebköpfen (=> Hochflurbauweise)
- regulären Gepäckfächern über den Sitzen
- 3-3 (2.Klasse) bzw. 1-2-1 (1.Klasse) Sitzplatzkonfiguration
bei 400 m Zuglänge ~2,5-fache Sitzplatzkapazität einer Avelia Horizon Doppeltraktion (grobe Schätzung anhand des ICE 4 unter Abzug möglicher Treppenbereiche). Bei entsprechender Nachfrage könnte man vermutlich sogar noch längere Züge nutzen, da nur an zwei Haltestellen die Bahnsteige entsprechend verlängert werden müssten.
Üblicherweise wäre eine solche Verbindung nicht sonderlich sinnvoll, da der größte Vorteil des Eurostar darin besteht, Point-Point-Verbindungen zwischen Großstädten anzubieten. Wenn jedoch aufgrund von 1) für die meisten Reisenden auf europäischer Seite sowieso mindestens ein Umstieg in Paris, Brüssel oder Amsterdam notwendig ist, könnte man diesen doch schließlich auch nach Calais verlegen. Selbstverständlich wäre hier entsprechende Koordinierung zwischen den Bahngesellschaften notwendig. Aber kann ein ICE aus Frankfurt ab Brüssel nicht noch ein Stück weiterfahren? Genauso müssten TGV aus Barcelona, Turin oder Genf nicht unbedingt in Paris enden. Die beiden Herausforderungen die sich hier ergeben, sind die Verfügbarkeit der entsprechenden Züge bei 2-3 h längeren Umläufen, sowie verfügbare Trassen. Wo ließe sich in diesem Bereich die aktuelle Auslastung recherchieren?
Ein großer Vorteil (bezüglich 3) wären dagegen deutlich niedrige Fahrpreise. Denn bei den französischen bzw. englischen Streckenabschnitten würde es auf den Anschlussverbindungen zu deutlich mehr Konkurrenz kommen, während sich die Trassenpreise im Tunnel auf mind. die 2,5-fache Zahl (siehe oben) an Fahrgästen aufteilen. Nicht zuletzt könnten die Anschlussverbindungen (über die entsprechen Altbaustrecken) sogar vom jeweiligen Regionalverkehr angebunden werden.
Bevor ich das Thema der Community zum Fraß vorwerfe noch ein letzter Nachtrag. Bezüglich der Bahnhöfe: Auf französischer Seite scheint um Calais-Fréthun genügend Platz für Erweiterungen zu sein, laut Google Earth müsste hinter Folkestone dagegen ein neuer Bahnhof gebaut werden. Daraus ergeben sich selbstverständlich ganz eigene Herausforderungen, jedoch sehe ich darin auch eine Chance. Denn die Funktion als stark frequentierter Umsteigebahnhof ohne Innenstadtlage erlaubt einerseits großzügig dimensionierte Sicherheitskontrollen, welche die notwendige Umstiegszeit reduzieren könnten sowie entsprechende Wartebereiche, Lounges (Flughäfen sind hier, was das Angebot angeht ein großes Vorbild) und Verpflegungsmöglichkeiten.
So, damit habe mein Plädoye gehalten. Jetzt gilt es die drei Duzend Punkte herauszuarbeiten, die ich dabei nicht bedacht habe 😉

Der Eurotunnel hat nicht das Problem, dass er kaum noch freie Kapazität hat, im Gegenteil: Der Betreiber des Eurotunnels sucht aktuell aktiv nach neuen Anbietern für Fahrten dort durch, weil der Tunnel noch viel zu wenig ausgelastet ist.
Das Problem sind die Kapazitäten der Grenz- und Einreisekontrollen insbesondere in London.
Aktuell kann Eurostar in Richtung London die Züge nicht komplett füllen, weil die Kapazität der Bürokratie in London nicht ausreicht.