Beschreibung des Vorschlags
Motivation
Es ist seit längerem geplant, in Offenbach wieder eine Straßenbahn zu betreiben [2]. Die Zielsetzungen bestehen dabei im Wesentlichen aus:
- dem Lückenschluss zwischen Fechenheim und Oberrad,
- der Anbindung des Offenbacher Hauptbahnhofs und
- der Anbindung an die Offenbacher Innenstadt, insbesondere an den Marktplatz.
Zusätzlich bindet dieser Vorschlag den neuen Innovationscampus [1] und Bürgel an und erlaubt eine Verlängerung der Straßenbahn nach Rumpenheim entlang der gut genutzten Buslinie 101.
Die grobe Linienführung sowie die Verknüpfung der Linie 11 in Fechenheim mit der Linie 16 stützt sich auf einen vorherigen Vorschlag von Intertrain [3].
Verlauf
Die Straßenbahn beginnt im Westen an der heutigen Haltestelle Offenbach Stadtgrenze. Von dort fährt sie um den Dreieichpark herum zur Bismarckstraße und bedient je 2 Haltestellen pro Richtung.
Im weiteren Verlauf folgt die Strecke der Bismarckstraße bis zum Hauptbahnhof, zweigt an der Waldstraße nach Norden ab und fährt bis zum Marktplatz.
Nördlich des Marktplatzes schwenkt die Strecke nach Osten auf die Berliner Straße und folgt dieser auf der Fahrbahn. Stellenweise sind Busspuren verfügbar, die auch durch die Straßenbahn genutzt werden können. Die Berliner Straße geht in die Mühlheimer Straße über. Dort soll das nördliche Straßenbahngleis auf der rechten Spur der Fahrbahn verlaufen; das südliche Gleis fährt innen, um die spätere Verschwenkung zu erleichtern. Die Haltestelle Alter Friedhof wird auf der Mittelinsel an einer bestehenden Querung für den Fußverkehr errichtet.
Auf Höhe der Unteren Grenzstraße verschwenkt die Strecke auf die nördliche Seite der Mühlheimer Straße und bindet dort den südlichen Teil des Innovationscampus an. Die Straßenbahn verbleibt auf eigenem Gleiskörper und umfährt den Innovationscampus entlang der Ketteler Straße. Die Haltestelle Ketteler Straße liegt auf Höhe der gleichnamigen Bushaltestelle, sodass dort zum Busverkehr Richtung Bürgel und in den Offenbacher Osten umgestiegen werden kann. Im nördlichen Bereich des Innovationscampus ist ein großer Parkplatz geplant; in dessen südlichem Bereich soll eine weitere Haltestelle entstehen, um dem ÖPNV die bestmögliche Erschließung einzuräumen.
An der Mainstraße trifft die Straßenbahntrasse auf die Buslinie 101 bis zur Bildstockstraße. Während die Linie 101 weiter Richtung Bürgel Mitte und Rumpenheim fährt, biegt die Straßenbahn in die Schöffenstraße ab und bleibt damit in Mainnähe. Dort befindet sie sich auf dem Bürgeler Damm, sodass sie auch bei Hochwasser weiter verkehren kann. Auf diesem verläuft sie (nebst einer kleinen Überführung) bis zur Station Am Maingarten, wohinter sie auf eine Brücke geführt wird. Diese Brücke überquert den Main und schließt am rechten Mainufer am Friedhof vorbei an die bestehende Trasse in Fechenheim an.
Erweiterte Betrachtung
Eingezeichnete Strecken und Haltestellen mit eingeklammertem Namen sind mögliche Erweiterungen dieses Vorschlags.
Anbindung an das südliche Gleis an der Offenbacher Stadtgrenze:
An der zweigleisigen Endhaltestelle Offenbach Stadtgrenze mit Mittelbahnsteig halten die Linien 15 und 16. Dabei hält die Linie 15 auf dem nördlichen Gleis, während die Linie 16 auf dem südlichen Gleis endet. Da in diesem Vorschlag lediglich die Linie 16 verlängert wird und die Eingleisigkeit keine Probleme verursacht, wird an der Stelle nur das südliche Gleis angeschlossen.
Im Rahmen weiterer Verlängerungen unter Einbezug der Linie 15 wäre noch ein zweiter Anschluss an das nördliche Gleis vorzusehen und ein durchgehender Richtungsbetrieb sinnvoll (d.h. Linie 15 und 16 halten in gleicher Richtung am gleichen Bahnsteig).
Kurve Dreieichring:
Aufgrund des benötigten Mindestradius muss die Kurve etwas in den Dreieichpark hinein trassiert werden. Dort verläuft sie neben dem Gehweg bis sich die Straße Dreieichring gen Osten wendet und die Straßenbahn wieder auf der Fahrbahn verlaufen kann. Entlang des Übergangs auf Höhe der Nummern 44 bis 36 verläuft die Straßenbahn separat vom MIV, idealerweise auf Rasengleis und verschwenkt vor der Erasmus-Schule auf die Fahrbahn, wo die erste Haltestelle verortet ist.
Offenbach Hauptbahnhof:
Der Vorplatz des Hauptbahnhofs wird derzeit umgestaltet [4], wobei auch die Straßenbahn berücksichtigt wird [5]. Daher wird es in absehbarer Zeit auch offizielle Planungen dazu geben.
In der hier gezeigten Variante liegt die Haltestelle Richtung Westen recht nah am nördlichen Ausgang des Hauptbahnhofs, während die Haltestelle nach Osten bei den Bussen liegt. Der Vorteil gegenüber dem heutigen Verlauf der Buslinien sind die wegfallenden Kreuzungen, da Busse Richtung Westen derzeit am Bussteig südlich (d.h. im Linksverkehr) halten. Durch die neue Lage verkürzen sich auch die Wege zum Hauptbahnhof.
Erschließung Innovationscampus:
Mit der hier dargelegten Führung wird der neue Innovationscampus von drei Seiten aus angebunden. Auf der Nordseite ist nach offizieller Planung ein Parkplatz vorgesehen, um den Innovationscampus anzubinden; auf dessen Südseite, die an den Innovationscampus angrenzt, ist eine Straßenbahnhaltestelle vorgesehen, um möglichst kurze Wege zu ermöglichen und den ÖPNV attraktiver zu machen (und wenn es nur 2 Minuten auf dem Parkplatz sind). Gegebenfalls wäre auch eine Nutzung als P+R Parkplatz denkbar.
Das EVO Pelletwerk im Westen des Innovationscampus wird mangels Nachfrage stillgelegt [10]. Das neu hinzukommende Gebiet kann über die Haltestelle Alter Friedhof erreicht werden.
Schöffenstraße:
Die Schöffenstraße liegt auf dem Bürgeler Damm auf Höhe der restlichen Siedlung. Dadurch sowie durch Parkplätze und einen Grünstreifen ist auf der Fahrbahn lediglich Platz für 1 Gleis. Die Parkplätze zu streichen bringt nur wenig Abhilfe, zumal der Bürgersteig an der Stelle ohnehin recht schmal ist, sodass der Grünstreifen mit einigen Bäumen weichen muss.
Am Maingarten – Schöffenstraße:
Etwa die Hälfte des Abschnitts verläuft auf dem Bürgeler Damm. Um von der Schöffenstraße zum Damm zu gelangen, müssen die Häuser, die auf dem Damm gebaut sind, umfahren werden. Dazu wird der Fuß- und Radweg am Main in eine Galerie umgebaut, sodass auf der entstehenden Überdachung die Straßenbahn verkehren kann. Zusätzlich bietet sie Schutz vor Regen und fügt sich – wenn entsprechend geplant – gut in das Stadtbild ein.
Teile des Maindamms sollen in den kommenden Jahren saniert werden [6]. Aus historischen Gründen ist die Verantwortung zwischen der Stadt Offenbach und dem Land Hessen aufgeteilt [7], wobei für den Bürgeler Damm das Land Hessen zuständig ist. Dieses hat den Abschnitt in Bürgel, der hier betroffen wäre, zuletzt 2006 ertüchtigt [8][9]. Daher ist der Bürgeler Damm von den Umbaumaßnahmen nicht betroffen.
Eingleisigkeit Schießhüttenstraße – Am Maingarten:
Der Abschnitt zwischen Schießhüttenstraße und Am Maingarten ist großteils eingleisig ausgelegt. Zum einen senkt das die Kosten, zum anderen ist auf Fechenheimer Seite nur wenig Platz für einen zweigleisigen Ausbau. Aufgrund des Abstands und der Taktfrequenz (siehe Fahrplan unten) reicht ein eingleisiger Abschnitt aus.
Fahrplan
Taktung:
Von Oberrad kommend (Linie 15, 16) besteht in der HVZ ein T5. Die Linie 11 zur Schießhüttenstraße fährt einen T7,5. Ein T15 würde sich anbieten, kommt jedoch in Konflikt mit den Linien, da jede dritte 15 und 16 abwechselnd verknüpft werden müssten.
Idealer ist ein T20, wobei jede zweite 16 mit einer 11 verknüpft wird. In der NVZ ist das recht einfach möglich, da dort die Linie 11 auf einen T10 ausgedünnt wird und die Linie 15 entfällt, sodass die Linie 16 weiterhin im T10 verkehrt. In der HVZ ergibt sich ein unsauberer Takt, da nur 3 von 8 Zügen der Linie 11 weitergeführt werden.
Fahrzeit:
Die Fahrzeit für die rund 6,4 km lange Strecke zwischen Offenbach Stadtgrenze und Schießhüttenstraße beträgt 27 Minuten (vgl. Matthias-Beltz-Platz -> Niederräder Landstraße, 14 Zwischenhalte).
Die Innenstadtstrecke in Frankfurt hat eine besonders niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit. Bei entsprechender Erhöhung in Offenbach wäre eine Fahrzeit von bis zu 20 Minuten denkbar. Dies ist jedoch für diesen Vorschlag nicht erforderlich.
Verknüpfung:
Eine 16, die um :07 an Offenbach Stadtgrenze losfährt, kommt um :34 an der Schießhüttenstraße an. Dort fährt die nächste 11 erst um :35, sodass 1 Minute Puffer bleibt.
In umgekehrter Richtung würde die direkte Verknüpfung (also die Straßenbahn, die um :32 ankommt und normalerweise um :35 wieder fahren würde) nicht mit der Verknüpfung an Offenbach Stadtgrenze passen. Daher muss an der Schießhüttenstraße eine überschlagene Wende durchgeführt werden. Diese erlaubt zusätzlich die Normalisierung der Abfahrtszeiten, sodass der Taktunterschied zwischen der Linie 11 und der Linie 16 ausgeglichen wird.
Gleisbelegung
Im Folgenden soll die Gleisbelegung an den verschiedenen Stationen tiefer betrachtet werden, da diese nicht ganz trivial ist.
Zur Verdeutlichung fährt die Linie 16A die Richtung Offenbach -> Fechenheim, die Linie 16B fährt in umgekehrter Richtung Fechenheim -> Offenbach. In der Praxis hätten beide die gleiche (anders lautende) Linienbezeichnung.
HVZ:
Für die Relation Offenbach Stadtgrenze -> Schießhüttenstraße sind die Ankunftszeit an Offenbach Stadtgrenze und die Abfahrtszeit an der Schießhüttenstraße durch den heutigen Fahrplan festgelegt:
| Linie | OF-SG An | OF-SG Ab | F-SHS An | F-SHS Ab |
|---|---|---|---|---|
| 16A | 16:07 | 16:07 | 16:34 | 16:35 |
| 16A | 16:27 | 16:27 | 16:54 | 16:57 |
| 16A | 16:47 | 16:47 | 17:14 | 17:20 |
Entsprechend sind für die umgekehrte Relation Schießhüttenstraße -> Offenbach Stadtgrenze die Ankunftszeit an der Schießhüttenstraße und die Abfahrtszeit an Offenbach Stadtgrenze durch den heutigen Fahrplan festgelegt:
| Linie | F-SHS An | F-SHS Ab | OF-SG An | OF-SG Ab |
|---|---|---|---|---|
| 16B | 16:02 | 16:04 | 16:31 | 16:35 |
| 16B | 16:24 | 16:24 | 16:51 | 16:55 |
| 16B | 16:39 | 16:44 | 17:11 | 17:15 |
In Fechenheim liegen zwischen der Ankunft der Straßenbahn aus Offenbach und der Abfahrt Richtung Offenbach stets 10 Minuten (beispielhaft fett markiert), sodass die Eingleisigkeit auf der Brücke kein Problem verursacht.
Gleichermaßen besteht an der Haltestelle Offenbach Stadtgrenze ein Puffer von etwa 4 Minuten zwischen Abfahrt der einen Straßenbahn nach Offenbach und der Ankunft der nächsten aus Offenbach (beispielhaft kursiv gedruckt).
Belegung an der Stadtgrenze:
Da die Strecke in die Offenbacher Innenstadt nur vom südlichen Gleis aus angeschlossen ist, wo die Linie 16 derzeit endet, muss hier nur die Belegung des südlichen Gleises betrachtet werden.
| Linie | Süd An | Süd Ab |
|---|---|---|
| 16A | 16:07 | 16:07 |
| 16B | 16:11 | 16:15 |
| 16 | 16:17 | 16:25 |
| 16A | 16:27 | 16:27 |
| 16B | 16:31 | 16:35 |
| 16 | 16:37 | 16:45 |
| 16A | 16:47 | 16:47 |
| 16B | 16:51 | 16:55 |
| 16 | 16:57 | 17:05 |
Belegung an der Schießhüttenstraße:
Anders als an Offenbach Stadtgrenze wechseln die Straßenbahnen der Linie 11 das Gleis zum Wenden. Dafür gibt es für den schnellen Wechsel eine Weiche direkt auf das andere Gleis. Alternativ fahren sie geradeaus bis zur eingleisigen Strecke, wenden und fahren dann auf das östliche Gleis, um den Bahnsteig in Gegenrichtung zu erreichen.
| Linie | West An | West Ab | Ost An | Ost Ab |
|---|---|---|---|---|
| 16B | 16:02 | 16:04 | – | – |
| 11 | 16:09 | – | – | 16:12 |
| 16A | – | – | 16:14 | 16:20 |
| 11 | 16:17 | <16:24 | >16:20 | 16:27 |
| 16B | 16:24 | 16:24 | – | – |
| 16A | – | – | 16:34 | 16:35 |
| 11 | 16:32 | <16:39 | >16:35 | 16:42 |
| 16B | 16:39 | 16:44 | – | – |
| 11 | 16:47 | – | – | 16:50 |
| 16A | – | – | 16:54 | 16:57 |
| 11 | 16:54 | <17:02 | >16:57 | 17:05 |
Aufgrund der Verknüpfung führen drei der an der Schießhüttenstraße wendenden Straßenbahnen eine überschlagene Wende durch. Der Gleiswechsel muss dann innerhalb eines vier- bis fünfminütigen Zeitfensters erfolgen. Tatsächlich kann der Zeitraum etwas länger ausfallen, da zwischen dem westlichen Bahnsteig und der eingleisigen Strecke rund 120m Platz ist und damit der Bahnsteig geräumt werden kann ohne anderen Straßenbahnen im Weg zu stehen. Das erlaubt nochmal bis zu 3 Minuten mehr Zeit.
NVZ:
Für die Relation Offenbach Stadtgrenze -> Schießhüttenstraße sind die Ankunftszeit an Offenbach Stadtgrenze und die Abfahrtszeit an der Schießhüttenstraße durch den heutigen Fahrplan festgelegt:
| Linie | OF-SG An | OF-SG Ab | F-SHS An | F-SHS Ab |
|---|---|---|---|---|
| 16A | 16:07 | 16:07 | 16:34 | 17:37 |
| 16A | 16:27 | 16:27 | 16:54 | 16:57 |
| 16A | 16:47 | 16:47 | 17:14 | 17:27 |
Entsprechend sind für die umgekehrte Relation Schießhüttenstraße -> Offenbach Stadtgrenze die Ankunftszeit an der Schießhüttenstraße und die Abfahrtszeit an Offenbach Stadtgrenze durch den heutigen Fahrplan festgelegt:
| Linie | F-SHS An | F-SHS Ab | OF-SG An | OF-SG Ab |
|---|---|---|---|---|
| 16A | 16:02 | 16:04 | 16:31 | 16:35 |
| 16A | 16:22 | 16:24 | 16:51 | 16:55 |
| 16A | 16:42 | 16:44 | 17:11 | 17:15 |
Durch die Ausdünnung der Linie 11 auf einen T10 löst sich das Problem des Wackeltaktes von selbst. Durch die unterschiedlichen Abfahrtszeiten ergibt sich für erstere Relation eine Fahrzeit von 30 Minuten (= 3 Minuten Puffer) und für die zweite eine Fahrzeit von 33 Minuten (= 6 Minuten Puffer). Eine Überarbeitung des Fahrplans könnte die Laufzeiten angleichen, das würde hier zu weit führen.
Belegung an der Stadtgrenze:
Da zur NVZ lediglich die Linie 15 entfällt und die Linie 16 (wie auch 16A) unverändert weiterfährt, sieht die Belegung genauso aus wie zur HVZ.
| Linie | Süd An | Süd Ab |
|---|---|---|
| 16A | 16:07 | 16:07 |
| 16A | 16:11 | 16:15 |
| 16 | 16:17 | 16:25 |
| 16A | 16:27 | 16:27 |
| 16A | 16:31 | 16:35 |
| 16 | 16:37 | 16:45 |
| 16A | 16:47 | 16:47 |
| 16A | 16:51 | 16:55 |
| 16 | 16:57 | 17:05 |
Belegung an der Schießhüttenstraße:
Zur NVZ wird die Frequenz von 8 Zügen pro Stunde auf 6 ausgedünnt und die Abfahrtszeiten werden leicht geändert.
| Linie | West An | West Ab | Ost An | Ost Ab |
|---|---|---|---|---|
| 16A | 16:02 | 16:04 | – | – |
| 16A | – | – | 16:14 | 16:17 |
| 11 | 16:12 | <16:22 | >16:17 | 16:27 |
| 16A | 16:22 | 16:24 | – | – |
| 16A | – | – | 16:34 | 16:37 |
| 11 | 16:32 | <16:42 | >16:37 | 16:47 |
| 16A | 16:42 | 16:44 | – | – |
| 16A | – | – | 16:54 | 16:57 |
| 11 | 16:52 | <17:02 | >16:57 | 17:07 |
Erweiterbarkeit
Ein T20 auf dieser Strecke bietet nur geringe Kapazität und lastet die Strecke nicht aus. Dazu kommt, dass bis auf den Abschnitt Hauptbahnhof – Marktplatz nur relativ geringe Nachfrage zwischen den Halten herrscht. Für Frankfurt liegt der Hauptgrund, diese Strecke zu bauen, darin, die beiden Straßenbahnnetze in Oberrad und Fechenheim zu verbinden. Für Offenbach muss das die Gelegenheit sein, einen Grundstein zu legen, um darauf aufbauend sein eigenes Netz zu gestalten.
Die Verbindung Hauptbahnhof – Marktplatz ist dazu auf jeden Fall zu berücksichtigen. Auch der Innovationscampus ist strategisch nicht zu vernachlässigen. Doch seine volle Wirkung erreicht dieser Vorschlag erst, wenn man die möglichen Erweiterungen betrachtet. Daher sollen im Folgenden einige Möglichkeiten skizziert werden:
- An der Bildstockstraße kann einfach nach Bürgel abgezweigt werden. Die Buslinie 101 nach Rumpenheim ist im Bereich Bürgel gut ausgelastet [13], sodass eine Erweiterung nach Bürgel sinnvoll ist. Dadurch wird auch die Nachfrage auf der Strecke Marktplatz – Bildstockstraße erhöht.
- An der Unteren Grenzstraße kann nach Offenbach Ost abgebogen werden, um von dort weiter nach Bieber zu fahren.
- Eine Verlängerung nach Mühlheim entlang der Mühlheimer Straße ist ebenso möglich.
- Eine zusätzliche Straßenbahntrasse über das Nordend ist nicht ausgeschlossen.
- Tangentiallinien wie Bürgel – Offenbach Ost – Theodor-Heuss-Schule sind unter Nutzung der Strecke am Innovationscampus denkbar und „im Berufsverkehr sehr stark besetzt“ [14].
- Auch eine Anbindung des Sana-Klinikums im Stile der Buslinie 104 (Hauptbahnhof – Tulpenhofstraße – Klinikum – Beethovenschule) ist unter Nutzung der hier vorgeschlagenen Strecke leicht machbar und würde die Nachfrage steigern. Der Abschnitt ist besonders nachfragestark [15].
Mit diesen und anderen Erweiterungen halte ich einen nahezu durchgängigen T5 auf dieser Hauptstrecke für möglich, der punktuell sogar auf einen T2,5 im Bereich des Innovationscampus verdichtet werden könnte. Insofern ist die hier vorgeschlagene Streckenführung trotz der begrenzten Taktung ausbaufähig und bildet eine gute Grundlage für ein zukünftiges Straßenbahnnetz.
Varianten und Alternativen
Zweigleisigkeit zwischen Schießhüttenstraße und Am Maingarten:
Im Bereich der Brücke bis zur Haltestelle Schießhüttenstraße ist die Strecke eingleisig konzipiert.
Die Eingleisigkeit bedingt sich primär aus der Enge am Rande des Friedhofs, wo auch ein Fuß- und Radweg verläuft, wodurch der Weg verbreitert und aufgeschüttet werden müsste. Außerdem müsste die Brücke dann breiter ausfallen, was ebenfalls Kosten verursacht.
Auf der anderen Seite ist die etwa ein- bis zweiminütige Kreuzungsstrecke kein Problem im Fahrplan, wodurch die Eingleisigkeit die Kosten und Komplexität senkt und die volle Flexibilität erhält.
Eingleisigkeit ab Bildstockstraße:
Mit dem 10-Minuten-Abstand zwischen den Zügen auf dem Abschnitt zwischen Schießhüttenstraße und Bildstockstraße ließe sich durch die Fahrzeit auf diesem Abschnitt von 5 Minuten dieser vollständig eingleisig planen. Dies würde z.B. die beengten Verhältnisse in der Schöffenstraße auflösen.
Andererseits würde dies eine Taktverdichtung quasi unmöglich machen. Dies wäre insbesondere dafür interessant, weitere Verlängerungen aus Fechenheim heraus zu schaffen, z.B. eine Verbindung Fechenheim <-> Mühlheim.
Umfahrung Innovationscampus:
Der Innovationscampus ist ein zentrales Projekt der Stadt Offenbach [25]. Die Anbindung stellt daher ein großes Nachfragepotenzial dar. Da die Fläche selbst voll beplant ist und keinen regelmäßigen Verkehr vorsieht, muss das Gelände umfahren werden.
Das Gelände kann westlich oder östlich umfahren werden. Die westliche Umfahrung durch die Friedhofstraße ist kürzer. Die nordwestliche Anbindung ist dabei recht eingeschränkt, große Teile des Campus sind nur über lange Wege erreichbar. Demgegenüber erlaubt die östliche Umfahrung eine Anbindung von drei Seiten (Süden, Osten, Norden), wodurch die Fußwege verkürzt werden können.
Der etwas längere Fahrweg wird durch gemeinsame Nutzung für mehrere Linien und bessere Anknüpfungsmöglichkeiten nicht zuletzt an der Ketteler Straße und nach Offenbach Ost hin ausgeglichen. Die Fahrzeitverlängerung ist kein Hindernis, da die Fahrzeit schon jetzt viele Puffer beinhaltet, und dürfte durch die höhere Auslastung dennoch wirtschaftlicher sein.
Führung durch die Frankfurter Straße:
Durch die Frankfurter Straße zu fahren, ist eine natürliche Wahl, da dort bereits Gleise liegen und lagen, bevor sie 1996 stillgelegt wurden und die Linie 16 auf ihr heutiges Ende an der Offenbacher Stadtgrenze eingekürzt wurde [18].
Seitdem ist die Frankfurter Straße zu einer wichtigen Radverkehrsverbindung geworden, die sukzessive ausgebaut wird [19], da sie die kürzeste Verbindung zwischen Oberrad und Marktplatz darstellt. Die Straßenbahn würde hier im Konflikt mit dem Radverkehr stehen.
Der Fahrweg und die Fahrzeit sind unter Anbindung des Hauptbahnhofs vergleichbar, während in der Bismarckstraße deutlich weniger Konflikte bestehen.
Ähnliche Vorschläge:
Verbesserte Anbindung Offenbachs – Vorschlag STR 11/15/16 von Intertrain [3]:
Die grobe Trassierung ist sehr ähnlich, was unter anderem daran liegt, dass ich mich an Intertrains Vorschlag orientiert habe. Dafür sind in den hiesigen Vorschlag einige Verbesserungen eingeflossen, die die Veränderungen der letzten 9 Jahre einbeziehen.
Im Westen sieht der Vorschlag eine zweigleisige Führung durch die Parkstraße östlich des Dreieichparks vor. Die beidseitig eingleisige Führung meines Vorschlags halte ich für einfacher machbar und schließt nebenbei die Erasmus-Schule an. Die 120 Meter zwischen den Richtungshalten durch den Dreieichpark sind m.E. vertretbar.
Weiter geht es dann südlich zum Sana-Klinikum, wo mein Vorschlag in der Bismarckstraße bleibt. In der Folge wird der Hauptbahnhof südlich des Bahndamms angebunden.
Während die direkte Anbindung des Klinikums und Teile der südlichen Stadtteile besser ist, bestehen kaum Umsteigerelationen bzw. sind diese besser über die Bismarckstraße umzusetzen. Dies betrifft insbesondere den Hauptbahnhof, bei dem Straßenbahn und Bus beide auf dem (nördlichen) Bahnhofsvorplatz halten. In der Marienstraße gibt es keinen regulären Busverkehr.
Die Führung durch die Waldstraße und am Marktplatz ist weitgehend identisch. Der Marktplatz als zentraler Umsteigepunkt wird in beiden Vorschlägen erkannt.
Östlich des Marktplatzes ist beiden Vorschlägen im Wesentlichen gemein, dass sie Bürgel (am Rande) erschließen und eine Brücke nach Fechenheim zur Verknüpfung mit der Linie 11 vorsehen.
Die Führung am Mainufer ist schon aufgrund der regelmäßigen Hochwasser nachteilhaft, der Deich wird nicht erwähnt, die sich daraus ergebende Eingleisigkeit schon. Hier steht die durchgängig zweigleisige Führung über die Mühlheimer Straße nicht nur betrieblich besser da, sondern schließt auch das (seit Erstellung des Vorschlags neu entstandene) Innovationscampus an und ermöglicht weitere Straßenbahnerweiterungen.
Die südlichere Brücke erlaubt eine kürzere Führung als Brücke, die wegen der Hochwassersituation nötig ist. Die Eingleisigkeit wird auf das Minimum begrenzt.
[OF/FFM] Verknüpfung Linie 16 und Linie 12 von ebanol [11]:
Dieser Vorschlag ist eine ältere Idee, die im Zusammenhang mit meinem Stadtbahnvorschlag [12] entstanden ist. In den Kommentaren wurde eigentlich schon alles gesagt, die komplizierte Streckenführung überschneidet sich zu sehr mit der Stadtbahntrasse und liegt in Parallellage mit der bestehenden Straßenbahn, weshalb eine derartige Führung der Straßenbahn teuer und unwirtschaftlich wäre oder, wenn man sie trotzdem baute, im schlimmsten Fall sämtliche Schienenwege in dem Gebiet kannibalisieren würde. Keine gute Kombination.
Die hier vorgestellte Alternative behebt diese Probleme, indem die bestehende Trasse in Fechenheim verlängert wird und der Fokus von der Nord-Süd-Achse (Marktplatz – Ernst-Heinkel-Straße) auf die Ost-West-Achse (Oberrad – Bürgel) verlegt wird. Außerdem ist die Trassierung rund um den Hauptbahnhof sehr viel einfacher, da die Verknüpfung mit der Stadtbahn an der Waldstraße wegfällt.
Verlängerung Straßenbahn Frankfurt nach Offenbach Linie 15 von LSP [16]:
Der Vorschlag bindet ebenfalls Hauptbahnhof und Marktplatz an, allerdings durch Verlängerung der 15. Das größere Erschwernis dürfte jedoch die Führung durch das Nordend sein, wodurch eine sehr verwundene Streckenführung entsteht. Als Basisstrecke ist sie daher ungeeignet. Die Anbindung des Nordends sollte besser unter primärer Anbindung des Marktplatzes umgesetzt werden.
Verlängerung Straßenbahn Frankfurt nach Offenbach Linie 16 von LSP [17]:
Auf dem Abschnitt bis zum Hauptbahnhof sieht dieser Vorschlag eine Führung durch die Frankfurter Straße vor. Dahinter ist keine Anbindung des Marktplatzes geplant, daher wird der Teil nicht weiter betrachtet.
Die Führung durch die Frankfurter Straße bringt die oben erwähnten Probleme mit sich. Hier ist die Bismarckstraße die bessere Wahl.
OF – F: OF-Zentrum – Fechenheim von Ulrich Conrad [20]:
Der Vorschlag ist recht ähnlich zu meinem vorherigen Vorschlag [11] und hat daher auch sehr ähnliche Probleme, insbesondere die Parallellage zur Straßenbahn im Fechenheimer Osten. Die komplizierte Strecke wurde vereinfacht, dafür werden deutlich weniger Siedlungsschwerpunkte erreicht, was den Nutzen stark mindert. Ebenso wird der Offenbacher Osten nicht angeschlossen, weshalb Strecken dorthin separat geführt werden müssten.
FFM: SL 15 nach Offenbach verlängern von fabi [21]:
Der wesentliche Anteil des Vorschlags sieht eine Trassierung durch die Frankfurter Straße bis zum Marktplatz vor, was der ehemaligen Streckenführung bis zur Stilllegung 1996 entspricht [18]. Neben der Umgehung des Hauptbahnhofs, der hier nicht angeschlossen wird, und der Problematiken in der Frankfurter Straße bis zur Kaiserstraße steht die Trasse durch die Fußgängerzone im Konflikt mit dem Fußverkehr. Zusätzlich wird der Aliceplatz bei größeren Veranstaltungen über die Frankfurter Straße bis zum Rathaus in Anspruch genommen, weshalb die Frankfurter Straße entsprechend abgesperrt wird. Eine Straßenbahn durch die Fußgängerzone halte ich für unrealistisch.
F/OF: Verlängerung der Linie 12 nach Offenbach von TramFreund94 [22]:
Die grundsätzliche Anbindung soll hier über die Linie 12 zustande kommen. Neben der mangelnden Anbindung Oberrads kommt ein teurer Brückenbau entlang der A661 dazu, der wesentlich teurer als die Brücke bei Bürgel sein dürfte. Ebenso ist eine direkte Verbindung nach Fechenheim so erstmal ausgeschlossen. Insofern ist eine Anbindung über Oberrad deutlich kostengünstiger und realistischer.
Auf Offenbacher Stadtgebiet sieht der Vorschlag zwei Alternativen vor. Die Alternative durch das Nordend sieht ähnlich zum obigen Vorschlag zur Linie 15 von LSP [16] aus. Siehe obige Bewertung. Die andere Alternative sieht eine Verknüpfung mit dem Vorschlag von fabi [21] vor, siehe entsprechende Bewertung.
In Kombination bildet sich eine theoretische Führung durch das Nordend zur Frankfurter Straße und von dort durch die Fußgängerzone. Allerdings dürfte hier eine Trassierung durch die Berliner Straße direkt zum Marktplatz deutlich einfacher zu gestalten und auch kürzer sein und vermeidet die Konflikte in der Fußgängerzone.
Offenbach/M: Straßenbahn Teil 2 von MindFlayer [23]:
Der Vorschlag fokussiert sich auf eine Verbindung aus dem Offenbacher Südwesten über Hauptbahnhof und Marktplatz nach Bürgel. Im gemeinsamen Abschnitt verlaufen dieser und der hiesige Vorschlag recht ähnlich, mit der Ausnahme, dass der Innovationscampus statt östlich entlang der Ketteler Straße westlich durch die Friedhofstraße umfahren wird. Dadurch wird der Innovationscampus schlechter angeschlossen und der mögliche Nutzen für andere Strecken begrenzt.
Der Verlauf über die Bildstockstraße hinaus ist wiederum kompatibel mit meinem Vorschlag und könnte als Erweiterung der Straßenbahn nach Bürgel umgesetzt werden.
Offenbach/M: Straßenbahn Teil 5 von MindFlayer [24]:
Die wesentliche Trassierung durch die Frankfurter Straße umfährt die Fußgängerzone nördlich über die Berliner Straße. Dieser Weg ist zwar deutlich direkter als der Umweg über den Hauptbahnhof, bindet diesen dafür nicht an und behält den Konflikt mit dem Radverkehr auf der Frankfurter Straße.
Referenzen
[1] Bau der öffentlichen Flächen am Innovationscampus Offenbach kommt in Bewegung
[3] Verbesserte Anbindung Offenbachs – Vorschlag STR 11/15/16
[5] Was im Bahnhofsumfeld passiert
[6] Planfeststellung für Maindeich-Sanierung jetzt rechtskräftig
[7] Der Main im 19. Jahrhundert: Ein Segen oder Fluch für Offenbach?
[8] Informationen zum Abschied Portefellerdamm
[9] Hintergrundinformationen zur Sanierung des Maindamms
[10] EVO schließt Pelletwerk: 38.000 Quadratmeter werden frei
[11] [OF/FFM] Verknüpfung Linie 16 und Linie 12
[12] Fechenheim nach Offenbach (U4/U7)
[13] Nahverkehrsplan Offenbach 2023-2027, Seite 145
[14] Nahverkehrsplan Offenbach 2023-2027, Seite 142
[15] Nahverkehrsplan Offenbach 2023-2027, Seite 141
[16] Verlängerung Straßenbahn Frankfurt nach Offenbach Linie 15
[17] Verlängerung Straßenbahn Frankfurt nach Offenbach Linie 16
[18] 1906: Linie 16 nimmt Fahrt auf
[19] Einroll-Fest zur Einweihung der Fahrradschutzstreifen auf der Frankfurter Straße
[20] OF – F: OF-Zentrum – Fechenheim
[21] FFM: SL 15 nach Offenbach verlängern
[22] F/OF: Verlängerung der Linie 12 nach Offenbach
[23] Offenbach/M: Straßenbahn Teil 2
[24] Offenbach/M: Straßenbahn Teil 5
[25] Innovationscampus Offenbach
Änderungshistorie
15.08.2026: Formatierung korrigiert

Der Vorschlag erscheint mir sinnvoll, und übrigens sehr sehr gut ausgearbeitet!
Danke sehr 🙂
Gefällt mir (logischerweise) sehr gut. Daher auch nur ein paar Kleinigkeiten, die man vielleicht noch anpassen könnte:
1. Aus welchem Grund soll die Linie 15 weiter an der Stadtgrenze enden? Das Linienende dort hat heute rein verwaltungstechnische Gründe (der Name „Stadtgrenze“ sagt schon alles) und daher sollte die Linie mindestens bis zum nächsten Verknüpfungspunkt am Hbf weitergeführt werden. Oder gleich bis zum Innovationscampus, wenn dort eine erwartet hohe Nachfrage besteht. Müsste man mal gucken, wo Platz für eine kleine Wendeanlage bestände. Oder vielleicht sogar auch (teilweise) bis zur Linie 11 durchbinden, da ergäben sich dann nochmal neue Möglichkeiten für ein Betriebskonzept, wo du ja schon sehr viele Gedanken hinein investiert hast.
2. Die Haltestellendichte: Habe ich in deinem ersten Vorschlag noch den großen Haltestellenabstand kritisiert, ist er mir hier schon etwas eng. So hast du im ersten Vorschlag zwischen OF-Stadtgrenze und Hbf einen Zwischenhalt, jetzt sind es drei. Ich denke zwei wären optimal. Und östlich des Marktplatzes käme man gut mit drei statt vier Haltestellen aus, möglich wären auch 4 statt 6 bis Innovationscampus Nord.
3. Führung im Straßenraum: Manchmal geht es vielleicht nicht anders, aber ich möchte zumindest zu bedenken geben, dass manche Straßenabschnitte unter einer starken Auslastung leiden dürften, wo eine gewisse Staugefahr besteht. Dazu gehört insbesondere die Bismarck- und Waldstraße sowie der Bereich an der Mathildenschule. Einfache Lösungen fallen mir für die Bereiche auch nicht ein, aber ich denke da braucht es gute Gesamtkonzepte für die Verkehrsführung (Verlagerung MIV).
Danke für das Feedback.
1 und 3 hab ich auf jeden Fall auf dem Schirm. Meiner Einschätzung nach hätte das hier zu weit geführt – Die Verlängerung andere Linien ist besser in einem eigenen Vorschlag, die Umleitung des MIV passt nicht so zu Linieplus.
Trotzdem: Jede zweite Bahn der Linien 15 und 16 soll bis zur Bildstockstraße fahren und dort Richtung Bürgel/Rumpenheim abzweigen. Da dort neue Gleise notwendig sind, wird das ein separater Vorschlag. Bei der 15 ist der Wegfall während der NVZ eine besondere Einschränkung.
MIV: Langfristig würde ich mir wünschen, dass die Bereiche um den Hauptbahnhof und Marktplatz autoarm bzw. vorrangig dem ÖPNV eingeräumt werden. Wie du auch sagst, da braucht es Gesamtkonzepte und diese Trassierung gibt eine Grundlage dafür, was damit erreicht werden soll.
Bei den Haltestellen sehe ich grundsätzlich alle recht sinnvoll an, wobei die Karlstraße (oben eingeklammert) vermutlich die geringsten Chancen auf Umsetzung hat. Daher ist sie auch in der Fahrzeitberechnung nicht enthalten.
Wenn ich noch 2 Haltestellen streichen müsste, wären das Dreieichring/Schillstraße und Innovationscampus Nord. Die beiden haben die geringsten Erschließungseffekte und sind auch für Verknüpfungen/Umstiege nicht besonders wertvoll. Die Trassierung ändert sich dadurch nicht, es wäre gewissermaßen ein Nice-To-Have, wenn man dort eh vorbeifährt.
Richtig was bringen tut die Einsparung nur, wenn man dadurch eine Bahn früher verknüpfen könnte. Meine Vergleichsstrecke hat 14 Zwischenstationen bei gleicher Länge für 27 Minuten Fahrzeit; ein schnellerer Vergleich wäre Frankensteiner Platz -> Gravensteiner-Platz mit 23 Minuten bei 12 Haltestellen. In Fechenheim bekäme man eine Bahn früher verknüpft, an der Stadtgrenze würden die Bahnen 4 Minuten länger stehen.
Ich werd es mir im Rahmen der Verlängerung nach Bürgel nochmal genauer anschauen, wie es dann fahrplantechnisch am Besten passt. Da mir gute Modelle für die Fahrzeitberechnung fehlen, bin ich an der Stelle lieber zu pessimistisch als zu optimistisch. Trotzdem danke für die Anregung.
Korrektur: Zwischen Frankensteiner Platz und Gravensteiner-Platz gibt es 13 Zwischenstationen, nicht 12.
Vorweg: Ich glaube, wir haben da eine grundsätzlich etwas andere Herangehensweise. Während mir hier primär die Ausgestaltung der Infrastruktur (mit Lage der Haltestellen, Anpassung der MIV-Verkehrsströme,…) wichtig ist, scheinst du den künftige Betrieb mit den genauen Fahrzeiten mehr im Fokus zu haben (wie deine umfangreichen Fahrzeittabellen zeigen), was ich jetzt erstmal nicht als so wichtig erachte, da sich bis zu einer Inbetriebnahme der vorgeschlagenen Strecke die genauen Fahrpläne nochmal ändern können. Andererseits sollte sich die Infrastruktur natürlich auch an einem potenziellen Zielfahrplan richten. Aber das nur am Rande, weswegen wir vielleicht etwas aneinander vorbeigeredet haben.
Konkret zu den zwei Punkten nochmal:
Zu 1: Auf die Verlängerung der Linie 15 habe ich auch nur genau hingewiesen, weil du mit deiner Eingleisigkeit an der Haltestelle OF-Stadtrand ja explizit einen Endpunkt dort berücksichtigst und sogar eine weitere Durchbindung erschwerst. Und das halte ich für keine gute Idee, da die Stadtgrenze in keiner Weise ein verkehrlich/nachfragetechnisch logischer Endpunkt ist, da gibt es andere, bessere Optionen.
Zu 2: Ein einfaches Streichen der ein oder anderen Haltestelle wäre ungünstig, da es dann zu einer räumlich ungleichen Verteilung käme. Wenn beispielsweise Karlstraße gestrichen würde, müsste Mathildenstraße nach Westen (zum namengebenden Platz) verschoben werden usw. Im Bereich des Innovationscampus würde ich zwei Haltestellen jeweils im Bereich der „Ecken“ vorsehen, das hat auch Vorteile für das Geschwindigkeitsprofil (Halte vorzugsweise vor/nach Kurven und Kreuzungen mit Ampelschaltungen). Insgesamt halte ich so als Faustregel einen Haltestellenabstand von ca. 400-500 m für optimal.