Beschreibung des Vorschlags
Einleitung:
Auf Linie Plus wurden mehrere Tangentialverbindungen vorgeschlagen, die sowohl den Kölner Hauptbahnhof als auch das rechtsrheinische Pendant (Köln Messe/Deutz) verfehlen und stattdessen den Westring befahren:
- Kölner Südtangente von mir
- RB41 Geldern – Krefeld – Neuss – Köln – Troisdorf von R23
- RE9 über Südbrücke von Spixi
- Ost-West-Tangente über Südbrücke (OWT, als S-Bahn) von mir
- Linksrheinische Nord-Süd-Tangente (LNST, als S-Bahn) von mir
Das Auslassen beider Fernbahnhöfe soll als Entlastung dienen (bei allen sowohl im Fahrgastaufkommen als auch im Wegfall vieler Trassenlagen). Es bedeutet aber auch, dass die Innenstadt sowie der Dom als Wahrzeichen schlechter angebunden werden, da so ein Umsteigezwang zur Stadtbahn geschaffen wird. Durch die zahlreichen Umsteigemöglichkeiten ist dies wie folgt machbar:
- Weiden West (nur OWT): 1 (T10 zum Neumarkt)
- Ehrenfeld (nur OWT, RE9 und Südtangente): 3+4 (T5 zum Neumarkt)
- Köln West (nur OWT, LNST, RB41 (?) und Südtangente): 3, 4+5 (T5 zum Neumarkt, T10 zum Hbf)
- Aachener Straße (nur OWT und LNST): 1, 7+9 Ost-West-Achse (T2 zum Neu- und Heumarkt)
- Köln Süd (alle): 9, 18+19 (T2,5-3,3 zum Neumarkt, T5-10 zum Heumarkt, T5 zum Hbf)
- Bonner Wall (nur OWT und RB41): 5, 16 ,17 Nord-Süd-Stadtbahn (T3,33 zum Heumarkt + Hbf)
- Poll (nur OWT, RB41 und Südtangente): 7 (T10 zum Neumarkt)
-> Somit hätte die OWT am häufigsten Anschluss an die Stadtbahn (7x), während der RE9 die wenigsten Anschlüsse hat. Allen Tangenten gemeinsam ist der Halt in Köln Süd, während Ehrenfeld, Köln West und Poll am zweithäufigsten bedient werden.
Dennoch dürfte der Umstieg wegen der Auslastung der Stadtbahn eher unbequem werden:
- Die 1 ist einer der am stärksten nachgefragten Linien und eine wichtige Ost-West-Verbindung. In der HVZ fährt sie im T5 zwischen Junkersdorf und Refrath, auf den anderen Abschnitten im T10.
- Die 3 bildet mit der 4 einen ganztägigen T5, sodass beide Linien entsprechend stark ausgelastet ist.
- Die 5 gilt als die am schwächsten nachgefragte Linie des Stadtbahnnetzes und fährt im T10. Dessen Bedeutung könnte aber mit der Fertigstellung der Nord-Süd-Stadtbahn (kurz: NSS) und der späteren Durchbindung bis Meschenich deutlich zunehmen.
- Die 9 wird in der HVZ zu einem T5 verdichtet, der im Westen an der Universität endet.
- Die 16 soll künftig über die Nord-Süd-Stadtbahn geführt werden. Der jetzige T10 soll durch die 17 zu einem T5 verdichtet werden.
- Die 18 fährt derzeit im T5, künftig soll sie diesen mit der 19 anbieten und näher in Köln Süd halten.
Da die 5 mit der Fertigstellung der NSS und der späteren Durchbindung nach Meschenich an Bedeutung gewinnen wird und die Stadtbahn an vielen Stationen Anschluss zu den Tangentiallinien hätte, würde das Stadtbahnnetz durch das zusätzliche Fahrgastaufkommen noch weiter belastet werden. Außerdem gewinnt auch die 4 durch die Strecke nach Niederaußem an Bedeutung, wobei der T10 nur bis Widdersdorf gefahren wird.
Um die Umsteiger von/zu den Tangenten zumindest an den Stationen Ehrenfeld, Köln West und Bonner Wall besser abzufangen und so die Stadtbahn (hier v.a. die 3, 4 und 5) zu entlasten, schlage ich eine Linie zwischen Rochusplatz (heute teilweise Endpunkt der 4) und Marktstraße vor. Bei den beiden Endpunkten handelt es sich von Ehrenfeld bzw. Bonner Wall aus um die nächstgelegenen Stationen mit Wendegleisen, sodass diese Linie sich voll auf ihre Rolle als Verstärkerlinie v.a. für Umsteiger aus/zu den Tangentiallinien konzentrieren kann.
Fahrplan:
Warum gerade dieser Verlauf?
Der Streckenverlauf ist aus gleich mehreren Gründen für diese Linie sehr prädestiniert:
- Die Infrastruktur ist bereits zu weiten Teilen vorhanden (Ehrenfelder Tunnel, Innenstadttunnel, Teile der Nord-Süd-Stadtbahn) bzw. wird noch gebaut / geplant / geprüft (Stadtbahn nach Niederaußem, Nord-Süd-Stadtbahn und Stadtbahn Süd).
- Außerdem wird nicht der überlastete Innenstadttunnel mit höhengleichen Kreuzungen befahren, sondern die höhenfreie Verbindung zwischen Friesenplatz und Dom/Hbf, wodurch ein zuverlässigerer Betrieb möglich ist.
- Die einzige höhengleiche (und zugleich auch kritischste) Kreuzung liegt am Gleisdreieck mit der NSS. Wenn man die Fahrpläne einhalten kann, sind auch dort keine Betriebsabweichungen zu befürchten.
- Es werden mehrere Umsteigeknoten angefahren: Venloer Straße/Gürtel (Bf. Ehrenfeld), Hans-Böckler-Platz/Bf. West, Friesenplatz, Appellhofplatz (Zeughaus) (wobei diese Station für den Umstieg weniger wichtig wäre), Dom/Hbf, Heumarkt, Severinstraße, Chlodwigplatz und Bonner Wall. Dadurch können viele Umsteiger aufgenommen werden.
- Im Berufsverkehr werden zusätzlich mehrere Arbeitsstellen wie z.B. die beiden WDR-Studios in Köln (Bocklemünd und Breite Straße), die Feuerwache in Ehrenfeld oder das Rathaus am Martinsviertel erreicht.
- Außerdem werden im Freizeitverkehr mehrere Einkaufsstraßen (Venloer Straße, Heumarkt, Schildergasse) sowie Clubs bzw. Kneipen- und Ausgehviertel (Ehrenfeld, Friesenviertel, Altstadt, Südstadt) bedient.
- Die Linie würde auf ganzer Linie einen eigenen Gleiskörper haben (laut Gleisplanweb) und somit immer Vorrang haben. Zwischen Rochusplatz und Bonner Wall fährt die Linie sogar komplett unabhängig, sodass sie größtenteils automatisch fahren könnte – lediglich das weitere Stück bis zur Marktstraße hätte dann noch eine Kreuzung mit dem Fußgängerverkehr.
-> Die Linie hätte somit ein hohes Nachfragepotenzial (durch Umsteiger, Berufspendler, Nachtschwärmer, Schichtarbeiter und sonstige Anwohner entlang der Stadtbahn).
Hinweis: Der Verlauf zwischen Widdersdorf und Bocklemünd entspricht weitestgehend dem aus der Vorstudie, welcher in den Planfällen A1-A3 identisch ist. Der Verlauf zwischen Arnoldshöhe und Meschenich entspricht weitestgehend der Linienführung, die vom Rat Köln am 23. März 2023 beschlossen wurde (hier und hier).
Die Linie soll überwiegend parallel zu anderen Linien verkehren: Zwischen Rochusplatz und Friesenplatz folgt sie der 3+4 (3 erst ab Bocklemünd), zwischen Friesenplatz und Marktstraße dagegen der 5. Dabei soll sie werktags im T10 fahren, an Sonn- und Feiertagen im T15. In den Abenden wird der T15 angewendet, während an Wochenendnächten der T30 gefahren wird.
In Kombination mit den anderen Linien ergäbe sich somit folgendes Angebot:
- Zwischen Rochusplatz und Hans-Böckler-Platz/Bf. West bestünde in Kombination mit der 3+4 ein T3,33 an Werktagen bzw. ein T5 an Sonntagen. An Wochenendnächten wird ein T10 gefahren (wenn die 4 auch nachts bis Niederaußem geführt wird).
- Zwischen Hans-Böckler-Platz/Bf. West und Friesenplatz wird zusammen mit der 3+4 und der 5 ein T2,5 gefahren (So: T3,75; nachts: T7,5).
- Zwischen Friesenplatz und Meschenich würde mit der 5 ein T5 angeboten werden (So: T7,5; nachts: T15).
- Auf der Nord-Süd-Stadtbahn zwischen Hbf und Bonner Wall ergäbe sich zusätzlich mit der 5 und der 16+17 ein T2,5 (So: T3,75; nachts: T7,5). Weiter bis zur Marktstraße ein T5 mit der 5 (So: T7,5, nachts: T15).
Vorläufige Endpunkte (vor der Fertigstellung der NSS):
Da die NSS erst Ende der 2020er-Jahre fertiggestellt wird, wäre als vorläufiger Endpunkt der Reichenspergerplatz mit Zwischenhalten am Breslauer Platz und Ebertplatz (nicht eingezeichnet) denkbar, sollte die Nachfrage dafür schon heute vorhanden sein – die Tangentiallinien lassen sich (mit Ausnahme der S-Bahn-Tangenten) frühzeitig einrichten.
Da die Liniennummern der Kölner Stadtbahn nicht durchgehend vergeben sind (diese sind ein- bis zweistellig) und die 19 bereits für die Stadtbahn nach Hürth Mitte reserviert ist, könnte diese Linie eine dieser Nummern tragen: 2, 6, 8, 10, 11 oder 14.
Vor- und Nachteile:
Diese Linie hat mehrere Vorteile:
- Sie bindet mehrere Umsteigeknoten an, davon kann an 4 von ihnen in die S-Bahn umgestiegen werden.
- Zudem werden mehrere Arbeitsstellen, Einkaufsstraßen und Clubs bzw. Kneipen- und Ausgehviertel angeschlossen, sodass sich auch für diese Linie der Nachtverkehr rechnet. Dadurch hat diese Linie eine breite Zielgruppe und somit ein hohes Nachfragepotenzial.
- Die Linien 3+4, 5 und 16+17 sowie die Umsteiger von den o.g. Tangenten werden abschnittsweise entlastet, da diese Linie als zusätzliches Angebot eingerichtet und so die Takte verdichtet werden.
- Es werden kaum kritische, höhengleiche Kreuzungen befahren – lediglich am Gleisdreieck mit der NSS wäre diese vorhanden. Dadurch wird ein zuverlässigerer Betrieb möglich.
- Ehrenfeld wird besser an die Innenstadt angeschlossen, hier jedoch mit alternativem Linienweg über den Hauptbahnhof und den Heumarkt. Es muss keine der bestehenden Verbindung dafür gekappt werden.
- Der Umstieg von den Tangenten in die Stadtbahn (und umgekehrt) wird dadurch bequemer.
Es gibt jedoch einige Nachteile:
- Auf dem südlichen Ast hängt die Linie stark von der Fertigstellung der NSS ab. Als vorläufiger Endpunkt könnte jedoch der o.g. Reichenspergerplatz gewählt werden, zumal die NSS erst gegen 2030 fertig wird.
- Durch die höhengleiche Kreuzung am Gleisdreieck mit der NSS könnten Verspätungen auf das gesamte Stadtbahnnetz übertragen werden, sodass ein neues Nadelöhr geschaffen werden würde. Jedoch würden alle „Ecken“ jeweils nur im T2,5 bedient werden, sodass alle „Kanten“ nur im T5 bedient werden.
- Diese Linie kann nicht alle Stationen entlang der Tangenten mitnehmen: Die Aachener Straße und Köln Süd werden verfehlt. Diese werden jedoch von anderen Linien bedient, die durch die hier vorgeschlagene Linie wiederum indirekt entlastet werden.
- Zudem verursacht sie hohe Betriebskosten: Durch den dichten Takt werden Verschleiß und somit auch Wartungs- und Reparaturkosten erhöht, was wegen des Personalmangels eher kontraproduktiv wäre.
EDIT: Aussage zu den Gleiskörpern entlang der Strecke wurde korrigiert.
EDIT 8.10.: Linienverlauf wurde auf Rochusplatz – Marktstraße eingekürzt und die Beschreibung entsprechend überarbeitet.

Ein wenig Mitdenken erwarte ich schon: die Verlängerung nach Meschenich ist auf Gleisplanweb nicht eingezeichnet, du zeichnest sie wie von der Stadt geplant auf der zweispurigen Straße mitten durch den Ort ein. Ich glaube da wird es eher schwer einen eigenen Gleiskörper zu haben.
Vielen Dank für deine Berichtigung, es tut mir an dieser Stelle leid für diese (Falsch-)Aussage:
Wenn ich alles nochmal mit Google Maps überfliege, dann ist die Brühler Landstraße im Ortskern doch sehr schmal (da überwiegend nur zweispurig + Parkflächen/Bürgersteige an den Straßenseiten).
Ein eigener Gleiskörper wäre somit unmöglich, wobei man sich da auch fragen müsste, wie man dort die Hochbahnsteige (v.a. An der Freiheit) integriert bekommt.
Mit der ebenfalls offiziell vorgesehenen Ortsumgehung und der folglichen Entlastung der Ortsdurchfahrt dürfte sich die Frage zur Notwendigkeit des eigenen Gleiskörpers beantwortet haben.
Verstehe ich die Begründung so richtig, dass du ausgehend von der Idee von Tangentiallinien im Regional-/S-Bahn-Bereich schaust, wie diese Passagiere in die Innenstadt kommen sollen?
Falls ja: Wieso muss diese Linie dann bis Meschenich und Widdersdorf fahren? Einen T5 braucht es dort nicht.
Eine Verstärkerlinie, die für den Mehrverkehr durch die Eisenbahn gedacht ist, müsste nördlich des Bf. Ehrenfeld und südlich des Bf. Bonner Wall lediglich zur nächsten (sinnvollen) Wendeanlage verkehren.
Vielen Dank für deinen Kommentar.
Genau, die Idee lässt sich gut mit den geplanten Tangentiallinien im Regional- und S-Bahn-Bereich verknüpfen. Auch wenn diese die Stammstrecke und Fernbahnhöfe entlasten sollen, wird es immer Fahrgäste geben, die in den „falschen“ Zug steigen oder wegen überfüllter Züge ausweichen müssen. Die neue Stadtbahnlinie würde diese Fahrgäste auffangen, zusätzliche Umsteiger an den Knoten entlasten und zugleich als Backup bei S-Bahn-Störungen dienen.
Was die Endpunkte betrifft, hast du recht: Meschenich und Widdersdorf wären eher „nice-to-have“, hätten aber jeweils einen verkehrlichen Nutzen:
Natürlich hätte Widdersdorf ohne diese Linie keine Direktverbindung zum Hbf, aber in einer Millionenstadt wie Köln kann man das eben nicht für jeden Außenast gewährleisten. Die Verknüpfung mit dem Haltepunkt Bocklemünd halte ich für nicht so wichtig, da ja auch am Bahnhof Ehrenfeld eine Umsteigemöglichkeit besteht.
Menschenich bekommt mit der 5 bereits eine direkte Verbindung zum Hbf. Diese Linie hier wäre eine reine Taktverdichtung ohne große neue Ziele zu erreichen, die ich hier nur bis Marktstraße oder wenn dort eine Wende möglich ist Arnoldshöhe für sinnvoll erachte.