Beschreibung des Vorschlags
Burak hat die Frage gestellt, warum die Bahnsteiggleise 1 und 2 im Hauptbahnhof Wanne-Eickel nicht benutzt werden. Eine Reaktivierung der beiden Gleise würde ich auf jeden Fall antreben, da man auf diese Weise durchaus die Kapazitäten im Hauptbahnhof Herne-Wanne-Eickel erheblich erhöhen könnte.
Der Hauptbahnhof von Wanne-Eickel ist ein großer Eisenbahnknotenpunkt im nordöstlichen Ruhrgebiet. Hier kreuzen sich die Köln-Mindener-Bahn und die Fernbahnstrecke Essen – Münster – Hamburg; letztere beginnt in Wanne-Eickel als Fernbahnstrecke Wanne-Eickel – Hamburg. Durch Wanne-Eickel müssen nicht nur die Züge der Linien RE3 und RB32 von Duisburg und Oberhausen im Westen nach Herne, Castrop-Rauxel und Dortmund im Osten durch, sondern auch sämtliche Regional- und Fernzüge von Düsseldorf und Essen ins Münsterland, Emsland und nach Bremen und Hamburg. Zwischen Gelsenkirchen Hbf und Wanne-Eickel Hbf fahren die viele Regional- und Fernverkehrszüge parallel auf derselben dreigleisigen Strecke. Die Parallel-Linienführung ist zweigleisig (ein Gleis je Richtung) und das dritte Gleis wird eingleisig von der Linie RB46 (Gelsenkirchen – Bochum) befahren. In Gelsenkirchen Hbf verzweigen sich die beiden Hauptgleise zu mindestens vier Gleisen mit vier Bahnsteigkanten, ebenso in Wanne-Eickel. Der Unterschied ist aber der, dass in Gelsenkirchen Hbf die Züge von und in Richtung Essen Hbf höhenfrei die Köln-Mindener-Bahn kreuzen; in Wanne-Eickel ist dagegen eine Zugkreuzung höhengleich: Züge in FR: Münster kreuzen höhengleich Züge von Herne Bf kommend; das wirkt sich natürlich negativ auf die Kapazität der hochbelasteten Strecke aus.
Ich möchte vorschlagen, die Bahnstrecke Wanne-Eickel – Hamburg vollständig höhenfrei aus der Köln-Mindener-Bahn auszufädeln. So wird die Pünktlichkeit im Nahverkehr verbessert, da RE3, RB32 und S2 Richtung jetzt nicht mehr warten müssen und Verspätungen aufbauen, wenn ihnen ein (verspäteter) Zug der Linien RE2, RE42 oder Fernzug Richtung Münster entgegen kommt, und umgekehrt. Die neuzubauende Brücke habe ich mit einem Rechteckskasten gekennzeichnet. Aufgrund einem Höhenunterschied von mindestens 7,00 m (= 5,50 m Oberleitungshöhe über SO + 1,50 m Mindestsicherheitsabstand zur Oberleitung) beim Überqueren und max. 4 % Neigung auf Hauptbahnen, sind die Rampen bis zu 800 m lang.
Wie bereits erwähnt, hat Wanne-Eickel Hbf mit den Gleisen 1 und 2 und deren Mittelbahnsteig einen ungenutzen Bahnsteig mit Gleispaar. Dieser soll modernisiert und in Betrieb genommen werden. So können insgesamt 8 Bahnsteiggleise mehr Zweigleisigkeit und Kapazität für alle Züge im Knoten Wanne-Eickel schaffen; nicht nur für Köln-Mindener-Bahn und Regional- und Fernverkehr Essen – Münster, sondern auch für RB43 und RB46, die sich das Bahnsteigpaar 7 & 8 teilen, und es beide eingleisig befahren. Ich habe schon vor längerer Zeit vorgeschlagen, die RB43 zwischen Gelsenkirchen Zoo und Wanne-Eickel Hbf zweigleisig auszubauen, um ihren ITF (Zugkreuzung) näher an Wanne-Eickel zu legen, um einen weiteren wichtigen Anschluss herzustellen. Eine Verschiebung des ITFs in den Hauptbahnhof Wanne-Eickel ist aber nicht ohne größeren Umbau möglich, da die Linie RB43 FR: Dorsten stets vor der Linie RB46 FR: Gelsenkirchen Wanne-Eickel erreicht, aber stets erst nach der Linie RB46 FR: Gelsenkirchen Wanne-Eickel verlässt und somit können beide nur eingleisig an Bahnsteig 7 & 8 halten; für den Gegenzug der Linie RB43 Richtung Dortmund fehlt ein Bahnsteig mit Gleis. Die Reaktivierung der Gleise 1 und 2 behebt das, denn dann können die Regional- und Fernzüge Gleis 1 – 4 halten und RB43 und RB46 Gleis 5 – 8 halten; beides im Richtungsbetrieb.
Um die das Nadelöhr Gelsenkirchen Hbf – Wanne-Eickel Hbf weiter zu entzerren, ist ein viergleisiger Ausbau der Hauptbahn anzuraten. Dabei bedienen die meisten Züge diese Strecke entweder auf dem Korridor Essen – Münster oder Oberhausen – Herne – Dortmund; entsprechend Gleise führen und belegen, sodass wenige Gleiswechsel auch bei Zügen in derselben Richtung notwendig sind und sich Züge in derselben Richtung ebenfalls nicht zwischen Gelsenkirchen und Wanne-Eickel höhengleich kreuzen müssen. Die Linie RB46 benötigt dann entweder ein fünftes Gleis oder fährt über Herne-Röhlinghausen. Wichtig ist, um die Option des viergleisigen Ausbaus nicht zu verbauen, dass die Züge in Wanne-Eickel an derselben Stelle fahren wie in Gelsenkirchen, d. h. Köln-Mindener-Bahn (RE3, RB32) innen und Essen – Münster (RE2, RE42 + Fernverkehr) außen. Entsprechend sind die Weichenanlagen im westlichen Teil von Wanne-Eickel Hbf umzubauen, aber auch die höhenfreie Ausfädelung Wanne-Eickel -> Münster östlich von Wanne-Eickel Hbf auszuführen. Zudem ist die Bahnstrecke Gelsenkirchen – Wanne-Eickel als Teil der Köln-Mindener-Bahn westlich von Wanne-Eickel zwischen Wanne-Eickel Hbf und der EÜ Wakefieldstraße schon heute fünfgleisig bzw. dreigleisig + zwei ungenützte Gleise. Diese möchte ich bereits zur Fünfgleisigkeit ausbauen und schlage die Weichen und Gleisverbindungen westlich von Wanne-Eickel entsprechend vor. Die RB46 fädelt dabei aufs südliche Gleis raus und wird bei der Einmündung der RB43 zusammen mit dieser zweigleisig im Richtungsbetrieb. Die zweigleisige Hauptstrecke Gelsenkirchen – Wanne-Eickel wird auf den nördlichen Nachbargleisen der viergleisig, wobei wie in Gelsenkirchen Züge nach Herne innen und Züge nach Münster außen verkehren.
Zwischen Gelsenkirchen Hbf und Wanne-Eickel Hbf kann die Hauptstrecke höchstens viergleisig ausgebaut werden. Dabei soll das neugebaute RB46-Gleis in Wanne-Eickel Hbf bis Gelsenkirchen verlängert werden und zum Richtungsgleis Gelsenkirchen –> Münster werden; das bestehende RB46-Gleis wird zum Richtungsgleis Gelsenkirchen –> Herne. In der Fünfgleisigkeit ist die Gleisbelegung oben aber leicht anders vorgeschlagen, sodass Gleiswechsel vorgeschlagen werden, die sich aus Gründen der Gleisgeometrie erst im Bereich der Kurve im Bahnhofsvorfeld befindet. Die RB46 soll ebenso wie die S-Bahnen dann über die RB43-Gleise ausgefädelt werden und über Herne-Röhlinghausen nach Gelsenkirchen Hbf fahren.

Die Idee ist nicht verkehrt. Allerdings ist so eine lange Brücke baulich schwierig und zweitens schwierig durchzusetzen. Gibt es da keine bessere Lösung?
Außerdem verstehe ich nicht ganz die Anbindung der Gleise 5-8 im Osten: Bei der bisherigen Führung ist ja dann die Rampe im Weg, wie sollen die Verkehre dann abgewickelt werden?
Tatsächlich wurde das Bahnsteig mit den Gleisen 1+2 bei der Modernisierung des Hauptbahnhofs Herne WE mit umgebaut und modernisiert, und auch mit den modernen Zugzielzeigern ausgestattet. Ich meine es fehlt nur der Aufzug. Das minimiert den Aufwand natürlich erheblich.
Ich habe den Vorschlag übrigens noch um die im Vorschlag angesprochene Viergleisigkeit zwischen Gelsenkirchen und Wanne-Eickel ausgebaut.
Insgesamt ist das schon sehr empfehlenswert, da ich oft erlebt habe, dass RE3/RB32-Züge in Gelsenkirchen warten mussten und einen verspäteten RE2 vorfahren lassen mussten. Zwei hochbelastete Hauptstrecken auf einigen Kilometern gebündelt statt parallel zu führen, ist wirklich betrieblicher Schwachsinn und gehört defintiv in die Kategorie: Engpassbeseitigung.
So gut die Idee auch sein mag, habe ich einen Einwand:
4% Neigung für das Brückenbauwerg anzustreben ist völlig utopisch. Das ist eine Achse, die viel vom Güterverkehr genutzt wird und wo nicht alle Züge mit 40 durch den Rangierbahnhof kriechen können. Ich bon dort selber schon Güterzüge gefahren und kann daher sagen, dass eine wesentlich flachere Neigung anzustreben sein muss. Selbst der RE2 mit seiner Lokbespannung wird dort Probleme haben, auch wenn das nur ein kurzes Stück ist.
Generell wird das Thema Neigung oft viel zu Stiefmütterlich behandelt. Man darf das nicht unterschätzen, selbst 1% Neigung bringt auch leichtere Güterzüge echt schon zum Kämpfen, und bei 2% wirds auch für die meisten Personenzüge schwierig. Ja sie schaffen das, aber man darf auch nicht vergessen, dass Antriebe auch mal ausfallen können und dann wirds sehr schnell extrem schwierig, das überhaupt noch da hoch zu schaffen, selbst wenn es „nur“ 2% sind. Von 4% wollen wir da lieber garnicht erst sprechen, das ist absolut utopisch. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.