Schienenverkehr im Muldental & Anbindung Rochlitz

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Beschreibung des Vorschlags

Grundidee des Vorschlags:

Reaktivierung der ehemaligen Muldentalbahn zwischen Glauchau und Großbothen zur Erschließung der Klein- und Mittelstädte im Muldental, sowie der Bahnstrecke Penig – Narsdorf – Rochlitz zur Verknüpfung mit dem schnellen Regionalverkehr nach Leipzig und Chemnitz

 

Entwicklung der Region Mittelsachsen/Muldental und warum eine Reaktivierung gerade jetzt sinnvoll sein konnte, trotz schrumpfender Orte und jahrzehntelangem Niedergang

 

Als der Landkreis Mittelsachsen durch die sächsische Kreisreform 2008 erschaffen wurde, lebten dort rund 335000 Menschen, zuletzt waren es nur noch 297000 Menschen, nach dem Stand von Ende 2023. Der Landkreis Zwickau ist in derselben Zeit von 348000 Einwohnern auf 309000 Einwohner geschrumpft.

Solche Trends sind in Sachsen verbreitet in fast allen Landkreisen und vielen Gemeinden zu beobachten. Und nicht nur in Sachsen, sondern in großen Teilen Ostdeutschlands, vielleicht mit Ausnahme des erweiterten Berliner Umlands. 

Der Landkreis Mittelsachsen zählt Deutschlandweit zu den Landkreisen mit den schlechtesten Zukunftsaussichten. Diese werden im Zukunftsatlas erfasst, wo Mittelsachsen zuletzt Platz 327 von 400 belegte, während der benachbarte Landkreis Zwickau auf Platz 312 liegt. Besonders schwierig ist die demografische Entwicklung, dabei liegt Mittelsachsen auf Platz 366 und Zwickau auf Platz 378.

Deutlich wird der Niedergang der ländlichen Regionen Ostdeutschlands auch an den Kleinstädten und Gemeinden im Muldental. Sie sind besonders stark vom Bevölkerungsrückgang betroffen, die Infrastruktur verkommt zunehmend.

Direkt nach der Wende lebten rund 8500 Menschen im Stadtgebiet Rochlitz, Rochlitz war noch Kreisstadt, Verwaltungssitz und Bahnknotenpunkt mit Zugverbindungen in alle Richtungen. Neben der Muldentalbahn nach Glauchau im Süden und Großbothen im Norden gab es die Verbindung Richtung Westen nach Narsdorf und in entgegengesetzte Richtung eine Strecke nach Waldheim. Außerdem zweigte südlich Rochlitz von der Muldentalbahn eine weitere Strecke ins Chemnitztal ab, die auf direktem Weg in die nächstgelegene Großstadt Chemnitz führte. 

Wenig später verlor Rochlitz erstmals den Verwaltungssitz und wurde im Zuge der ersten Kreisreform 1994 dem neuen vergrößerten Landkreis Mittweida zugeordnet. 1997 wurde dann die Schienenverbindung nach Waldheim endgültig stillgelegt, ein Jahr später folgte die direkte Verbindung nach Chemnitz durchs Chemnitztal. Dann wurde 1999 die Verbindung durchs Muldental nach Großbothen stillgelegt, 2000 folgte die Anbindung nach Narsdorf und 2001 die letzte verbleibende Schienenverbindung Richtung Süden, durchs Muldental nach Glauchau.

Die Eingliederung in den Landkreis Mittelsachsen erfolgte wie bereits erwähnt bei der zweiten Kreisreform 2008. Der Verwaltungssitz wanderte damit in das über 40 Kilometer entfernte Freiberg. Statt ursprünglich 8500 Einwohnern sind es heute nur noch knapp 5500 Einwohner, also mehr als ein Drittel weniger.

Ähnlich geht es den anderen Städten und Gemeinden im Muldental. Die Stadt Penig hat heute knapp 8200 Einwohner, 2005 waren es noch 10500 Einwohner. Waldenburg hat zurzeit noch 3900 Einwohner, in den 90er-Jahren waren es 4900 Einwohner. Glauchau ist von rund 30000 Einwohnern in den 80er-Jahren auf mittlerweile nur noch 21000 Einwohner geschrumpft und das sind nur ein paar Beispiele.

Im Landkreis Mittelsachsen gibt es insgesamt 7 Städte mit dem Titel der Großen Kreisstadt. Rochlitz ist neben Brand-Erbisdorf die einzige der 7 Städte ohne Schienenanbindung. Mittlerweile sind es 24 Jahre seit die letzte Strecke stillgelegt wurde. Eine Reaktivierung des Bahnverkehrs würde sich zweifelsfrei lohnen, neben den 5500 Einwohnern auf dem Stadtgebiet leben noch einmal ähnlich viele im näheren Umfeld der Stadt. Auf dem gesamten Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Rochlitz (inklusive der Stadt) sind es fast 10000 Menschen. Dazu kommen die erwähnten 8200 Einwohner von Penig und insgesamt 6600 Einwohner der Verwaltungsgemeinschaft Waldenburg. 

Auch wenn die Strecke anfangs wahrscheinlich an der Grenze der Wirtschaftlichkeit liegen würde, ist es zweifelsfrei ein wichtiger Schritt, um dem Trend entgegenzuwirken und hier etwas positiv zu verändern. Mit der Reaktivierung der Muldentalbahn verbindet man die Städte nicht nur untereinander, sondern schafft auch attraktive Verbindungen in die nächstgelegenen Großstädte oder im Falle von Zwickau ehemaligen Großstädte. Das wäre ein wichtiger Schritt um die strukturschwache Region attraktiver zu machen und den Orten wieder ein wenig Leben einzuhauchen.

 

Grundlagen des vorgeschlagenen Angebots:

 

Verlängerung der S-Bahn Mitteldeutschland

Leipzig – Grimma (offziell vorgesehen als Ende des Halbstundentakts)

– Großbothen – Leisnig – Döbeln – Döbeln Zentrum (unverändert stündlich)

– Großbothen – Colditz – Rochlitz – Rochlitz Zentrum (neu ebenfalls stündlich als Verlängerung von Grimma)

Regionalbahn Zwickau/Mittelsachsen

Rochlitz – Narsdorf – Penig – Waldenburg – Glauchau

Durchbindung nach Zwickau nicht sinnvoll umsetzbar aufgrund der Überschneidung der Fahrplanlage mit RB30

Stündliches Angebot mit möglichst kurzen Anschlüssen

… zur S-Bahn nach Grimma und Leipzig in Rochlitz (bahnsteiggleich)

… zum Regionalexpress nach Chemnitz und Leipzig in Narsdorf (bahnsteiggleich nach Umbau)

… zur Regionalbahn nach Zwickau und dem Regionalexpress nach Plauen und Hof in Glauchau (nicht bahnsteiggleich)

 

Fahrplanvorschlag S-Bahn gemäß Deutschlandtakt

 

Leipzig Hbf

Abfahrt 06:38 Uhr

Grimma oberer Bahnhof

Ankunft/Abfahrt 07:21 Uhr

Großbothen Nordseite

Ankunft/Abfahrt 07:28 Uhr

Rochlitz Bahnhof

Ankunft 07:43 Uhr

Abfahrt RB nach Glauchau um 07:47 Uhr

Abfahrt 07:45 Uhr

Rochlitz Zentrum

Ankunft 07:47 Uhr

Abfahrt 08:13 Uhr

Rochlitz Bahnhof

Ankunft 08:15 Uhr

Ankunft RB von Glauchau um 08:13 Uhr

Abfahrt 08:17 Uhr

Großbothen Nordseite

Ankunft/Abfahrt 08:32 Uhr

Grimma oberer Bahnhof

Ankunft/Abfahrt 08:38 Uhr

Leipzig Hbf

Abfahrt 09:22 Uhr

 

Fahrplanvorschlag Regionalbahn gemäß Deutschlandtakt

 

Ankunft RE3 von Hof um 06:10 Uhr

Ankunft RB30 von Zwickau um 06:24 Uhr

Glauchau (Sachsen)

Abfahrt 06:32 Uhr 

Narsdorf 

Ankunft 06:57 Uhr

Abfahrt RE6 nach Leipzig um 07:01 Uhr (Verschiebung Fahrplanlage Narsdorf – Leipzig um 2-3 Minuten später)

Abfahrt RE6 nach Chemnitz um 07:03 Uhr (unveränderte Fahrplanlage Narsdorf – Chemnitz)

Ankunft RE6 von Chemnitz um 06:58 Uhr (unveränderte Fahrplanlage Chemnitz – Narsdorf)

Ankunft RE6 von Leipzig um 06:59 Uhr (Verschiebung Fahrplanlage Leipzig – Narsdorf um 3-4 Minuten früher)

Abfahrt 07:05 Uhr

Rochlitz Bahnhof

Ankunft 07:13 Uhr

Abfahrt S11 nach Leipzig-Grünau um 07:17

Ankunft S11 von Leipzig-Grünau um 07:43

Abfahrt 07:47 Uhr

Narsdorf

Ankunft 07:55 Uhr

(Anschlüsse RE6 wie oben, eine Stunde später)

Abfahrt 08:03 Uhr

Glauchau (Sachsen)

Ankunft 08:28 Uhr

Abfahrt RB30 nach Zwickau um 08:34 Uhr

Abfahrt RE3 nach Hof um 08:48 Uhr

 

Neugestaltung Bahnhof Narsdorf

 

Der ehemals mehrgleisige Bahnhof Narsdorf (zeitweise 14 Gleise) besteht heute nur noch aus einem einzelnen Seitenbahnsteig an der dort eingleisigen Strecke. Mit der Reaktivierung der Muldentalstrecke würde hier wieder ein Bahnknotenpunkt entstehen, was einen teilweisen Wiederaufbau der brachliegenden Anlagen erfordern würde.

Zur Umsetzung des Fahrplankonzepts mit Anschlüssen in alle Richtungen ist es notwendig mindestens 4 Bahnsteige oder Bahnsteigteile zur Verfügung zu haben, um eine gleichzeitige Zugbegegnung von RE6 und der neuen Regionalbahn zu ermöglichen. Zugleich sollten optimalerweise bahnsteiggleiche Umstiege geschaffen werden, um die Übergangszeiten so kurz wie realistisch möglich zu halten.

Zusätzlich zum offiziell vorgesehenen, abschnitssweise zweigleisigen Ausbaus der Bahnstrecke Leipzig – Chemnitz, unter anderem zwischen Narsdorf und Burgstädt, sollte der Abschnitt direkt südlich von Narsdorf dreigleisig ausgebaut werden, um gleichzeitige Ein- und Ausfahrten vom und zum Bahnhof Narsdorf zu ermöglichen.

 

Verlängerung der Citybahn Chemnitz

 

Das gesamte Konzept wird außerdem darauf ausgelegt, dass zukünftig eine Verlängerung der Citybahn von Burgstädt nach Narsdorf, Geithain oder Rochlitz/Colditz ohne weitere Fahrplankonflikte umsetzbar wäre. Dabei sehe ich grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten und Umsetzungsstufen, die aufeinander aufbauen könnten. 

Die Grundlage wäre im erste Schritt eine Verlängerung von Burgstädt nach Narsdorf, wo die Züge am Stumpfgleis an Bahnsteig 1 enden würden. Damit kann der Bahnhof Cossen wieder regulär bedient werden oder sogar weitere zusätzliche Halte eingerichtet werden, was durch den vorgesehenen zweigleisigen Ausbau kein Problem mehr wäre.

Bei einer positiven Entwicklung der Nachfrage wäre auch eine weitere Verlängerung der Citybahn bis Rochlitz oder Colditz problemlos machbar und würde dann einen dichteren Halbstundentakt herstellen, sowie direkte Verbindungen ins Chemnitzer Stadtzentrum anbieten, was besonder für Colditz eine weitere deutliche Verbesserung wäre.

 

Andere Vorschläge zur Anbindung Rochlitz/Muldental

 

Zur Verlängerung der Citybahn Chemnitz gibt es bereits verschiedene Vorschläge, die ich allerdings für ungünstig halte. Ein Vorschlag sieht eine Verbindung der Bahnstrecken auf Höhe des Göhrener Viadukts vor, was durch die zu überwindende Steigung (rund 60 Meter Höhenunterschied) unnötig aufwändig und teuer wäre.

Ein anderer möchte dafür die ehemalige Bahnstrecke im Chemnitztal reaktivieren, was vermutlich noch teurer wäre, nicht nur durch den Bauaufwand, sondern auch durch den Parallelverkehr zur bestehenden Strecke.

Auch die komplette Neutrassierung aller Bahnstrecken im Gebiet rund um das Muldental halte ich für unverhältnismäßig aufwändig und teuer, wodurch man in einen Bereich gelangt, der nicht mehr realistisch umsetzbar ist. Quasi jede der dort vorgeschlagenen Umtrassierungen erfordert umfangreiche Erdarbeiten für dass Errichten von neuen Tunneln, Einschnitten und Bahndämmen, denn die Steigungen werden eine vollkommen ebenerdige Trassierung nicht zulassen.

Einen Vorschlag zur vollständigen Reaktivierung der Muldentalbahn gab es auch schonmal, das Konzept passt aber nicht zu dem, was dort gebraucht wird, nämlich eine möglichst schnelle Verbindung nach Chemnitz, welches eben die nächstgelegene Großstadt ist. Mit der traditionellen Führung über Wechselburg und Lunzenau wird das aber unmöglich gemacht, weil zum einen kein Umsteigepunkt zum RE6 entsteht und auch eine Anbindung an die Citybahn wegen der Steigungen nur mit unverhältnismßigem Aufwand möglich wäre.

Metadaten zu diesem Vorschlag

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Ein Kommentar zu “Schienenverkehr im Muldental & Anbindung Rochlitz

  1. Ein sehr vernünftiger und gut beschriebener Vorschlag. Nach dem zweigleisigen Ausbau wäre meines Erachtens eine Führung der Citybahn im Stundentakt bis Rochlitz sinnvoll, aus Leipzig kann die S-Bahn wie von dir vorgeschlagen bis Grimma halbstündlich und bis Rochlitz bzw. Döbeln stündlich fahren. Auch die RB nach Glauchau erscheint mir sinnvoll.

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