Beschreibung des Vorschlags
Zu allererst: In diesem Forum gibt es hier und hier schon Vorschläge für eine S-Bahn in Braunschweig. Warum schlage ich das ganze noch einmal vor?
Die beiden angeführten Vorschläge sind von 2018, also mittlerweile acht Jahre alt und unterstellen viele zusätzliche Halte (beispielsweise mehrere zwischen BS-Gliesmarode und Kralenriede) und eine Neubaustrecke am Flughafen vorbei an Wolfsburg (im Tunnel!). Wenn man sieht, wie umständlich diese Bauprojekte zu realisieren sind, ist das meiner Meinung nach völlig unrealistisch. Da mein Vorschlag außer den sowieso geplanten keine Neubauten vorsieht, ist er, denke ich, eine völlig andere Idee.
Zusätzlich sind die Haltestellen nicht benannt und der Entwurf enthält noch die Strecke nach Wittmar, die auf längere Zeit wohl erstmal aus der Reaktivierung ausgeschieden ist. Außerdem habe ich mich aus aktuellem Anlass (siehe unten) noch einmal detaillierter mit der Machbarkeit des Konzepts S-Bahn Braunschweig beschäftigt und hätte gerne eure Meinung zur Umsetzbarkeit meiner Ideen.
Der aktuelle Anlass
Die Ortsgruppe Braunschweig des VCD war letzten Oktober mit einem Stand beim Tag der Schiene vertreten und hat dort ihr Konzept „S-Bahn Braunschweig“ vorgeschlagen. Dazu hier eine Pressemitteilung in der auch noch einige weitere Vorteile und Fahrzeiteinsparungen aufgelistet sind. Der VCD schlägt vor, fünf Regionalbahnlinien nach Umsetzung einiger bereits von offizieller Seite angekündigter Baumaßnahmen in „S-Bahn Braunschweig“ umzubenennen, größtenteils um die Unterstützung in der Bevölkerung für die rasche Umsetzung der Baumaßnahmen zu erhöhen, nehme ich an. Ich möchte darauf aufbauend einige Überlegungen anstellen.
Was ist eine S-Bahn?
Mein (persönliches) Verständnis einer S-Bahn an dem ich mich orientiere:
– Eine S-Bahn wickelt hauptsächlich den Pendelverkehr von Vororten zum Stadtzentrum ab.
– Eine S-Bahn verkehrt (teil-)elektrisch.
– Eine S-Bahn verkehrt in der HVZ mindestens im 30-Minuten-Takt.
– Eine S-Bahn hält an jedem Haltepunkt auf der Strecke.
– Eine S-Bahn ist im Gefühl des Nutzenden vom Regionalverkehr verschieden.
Deshalb habe ich die im Stundentakt verkehrende S4 Braunschweig – Schöningen und S5 Braunschweig – Goslar aus dem Konzept des VCD aus meinem Konzept erst einmal ausgenommen. Die beiden Züge würden weiterhin als RBs verkehren.
Was ist mein Konzept?
Mein Konzept basiert auf vom Regionalverbund Region Braunschweig bereits angekündigten Neubauten und Reaktivierungen im Schienennetz in Braunschweig und ist hauptsächlich eine Umbenennung der Regionalbahnlinien in S-Bahn-Linien. Insgesamt erhoffe ich mir davon, dass dem Ausbau der Schieneninfrastruktur der Region eine gewisse Richtung gegeben wird. (Damit meine ich besonders Elektrifizierung, einheitlicher 30-Minuten-Takt und Reaktivierung von Haltestellen.)
Außerdem sollten Umstiege der S-Bahn aufeinander abgestimmt werden, um das Zugfahren in der Region komfortabler zu machen. Ein letzter Vorteil ist die Signalwirkung nach außerhalb, und ich glaube, in Braunschweig kann man schon mit dem Argument: „Hannover hat eine S-Bahn, Magdeburg hat eine S-Bahn, also brauchen wir auch eine S-Bahn“ ordentlich Unterstützer gewinnen. 😉
Stufe 1 (2030)
In der ersten Stufe schließt das Konzept folgende Projekte ein, die wie erwähnt vom RVB schon geplant werden:
1. Herstellung eines reinen 30-Minuten-Taktes zwischen Braunschweig und SZ-Lebenstedt
2. Verlängerung der RB48 nach Braunschweig-Gliesmarode
3. Herstellung eines 30-Minuten-Taktes zwischen Braunschweig und Schöppenstedt inkl. Neubau des Kreuzungsbahnhofs WF-Wendessen
Zusätzlich dazu müsste auf der Strecke der RB42/43 Braunschweig – Goslar/Bad Harzburg ein 30-Minuten-Takt eingeführt werden. Das sollte aber wegen der zweigleisigen Strecke kein größeres Problem sein.
Daraufhin würden die RB-Linien 42/43, 44 und 45 umbenannt in S1, S2 und S3. Ich habe diesen Netzplan hier einmal aufgezeichnet.
Stufe 2 (2040)
Nach den Projekten:
1. Halbstundentakt Braunschweig – Gifhorn Stadt inkl. neuer Verkehrsstationen BS-Kralenriede, BS-Bienrode und Isenbüttel
2. Bahnhof BS-Leiferde
3. Reaktivierung SZ-Lebenstedt – SZ-Fredenberg
4. Reaktivierung BS-Gliesmarode – Harvesse (Spargelexpress)
ergibt sich dieser Netzplan.
Diesen Stand habe ich hier auf der Karte von LiniePlus eingezeichnet. Die Streckenäste nördlich vom Braunschweiger Hbf können prinzipiell beliebig mit denen südlich davon kombiniert werden.
Stufe 3 (2040+)
Danach ist beim Ausbau des Netzes der Fantasie freier Lauf gelassen. (Wie genau der erfolgen soll, ist, um die Diskussion ein wenig einzugrenzen, nicht Teil meines Vorschlags!) Beispielsweise hier einfach mal eine Karte, wie ich mir ein mittelfristig ausgebautes Netz vorstelle um das Potenzial einer S-Bahn im Braunschweiger Land zu verdeutlichen. Das Ganze basiert allerdings auf keiner dichten Faktenlage oder sowas und sollte mehr als Gedankenexperiment verstanden werden. Folgende Projekte (die derzeit nicht in Planung sind) könnte man umsetzen:
1. Neue Haltepunkte: BS-Ebertallee, BS-Nordcampus, BS-Rüningen, BS-Wendebrück, Wipshausen, Hedwigsburg usw…
2. Nutzung der Hafenbahn Braunschweig inkl. neuem Hp. Braunschweig-Veltenhof
3. Neue Linie: Braunschweig – SZ-Bad/Seesen/Kreiensen
4. Neue Linie Braunschweig – Wolfsburg/Oebisfelde
5. Neue Linie Hämelerwald – Peine – Braunschweig – Helmstedt/Schöningen
Die Linie S1
Gifhorn Stadt – Goslar und Braunschweig Hbf – Bad Harzburg.
Sie umfasst prinzipiell vorerst den Laufweg der heutigen RB42/43 ohne Flügelung in Vienenburg. Stattdessen wird bis dort ein 30-Minuten-Takt gefahren. Die Hälfte der Züge verkehren bis Goslar, die andere Hälfte bis Bad Harzburg.
Bis der Bahnhof Kralenriede gebaut wurde, endet die Linie im Braunschweiger Hbf, danach verkehren die Züge von Goslar stündlich weiter bis Gifhorn Stadt und überlagern sich dabei mit der RB47 zu einem Halbstundentakt.
Perspektivisch können an der Linie unter anderem die Halte BS-Bienrode (bereits in Planung), BS-Wendebrück (am Bhf. Wenden-Bechtsbüttel) und Hedwigsburg (in der SG Ohrum-Kissenbrück) eingerichtet werden.
Teile der Strecke sollen bereits jetzt elektrifiziert werden. Bis auf weiteres müssten aber batterieelektrische Züge verkehren.
Die Linie S2
Schöppenstedt – Harvesse
Diese Linie ist die umbenannte geplante RB45 Schöppenstedt – Harvesse. Sie soll im Halbstundentakt auf den Resten der Strecken Braunschweig – Jerxheim und Braunschweig – Celle zwischen Harvesse und Schöppenstedt verkehren.
Die Platzierung des Haltes/der Halte in Watenbüttel ist noch offen. Perspektivisch kann die Linie im Norden bis nach Wipshausen und im Süden bis nach Jerxheim, Oschersleben (Bode) oder Schöningen verlängert werden.
Auf der Strecke ist keine Elektrifizierung geplant. Sie müsste bis auf weiteres in Dieseltraktion verkehren. Eventuell reicht der elektrifizierte Abschnitt von Braunschweig-Leiferde nach Gliesmarode aus, um batterieelektrische Züge einzusetzen.
Die Linie S3
Salzgitter-Fredenberg – Braunschweig-Gliesmarode
Diese Linie ist die umbenannte heutige RB44/48 bzw. geplanten RB48 (Salzgitter-Fredenberg) – Salzgitter-Lebenstedt – Braunschweig-Gliesmarode. Sie verkehrt auf der reaktivierten Strecke Fredenberg – Lebenstedt und von da aus weiter nach Braunschweig-Gliesmarode.
Die Elektrifizierung der Strecke ist in Planung. Sie kann also mit vollelektrischen Zügen gefahren werden.
Benennung
Wie in den Kommentaren von Intertrain angemerkt, sind bei der Benennung des Netzes durchaus Spielräume offen. Möglich wären auch die Namen Regio-S-Bahn, Stadt-Express, Braunschweigische Landesbahn, Braunschweiger Stadt- oder Staatsbahn (für die Abkürzung „BS“, auch wenn das abgesehen davon ein wenig überheblich klingt, finde ich), Vorharz-Bahn oder ähnliches. Besonders das Konzept der RS-Bahn sagt mir zu. Am Ende könnte ein Name und eine Markenidentität mit Identifikationswert auch in Zusammenarbeit mit den Einwohnern der Region gefunden werden.
Die Regio-Stadt-Bahnen Donau-Iller und Ortenau sind übrigens zwei Projekte, die vom Prinzip her meinem Vorschlag sehr ähnlich sind. Die zentralen Städte Ulm bzw. Offenburg sind mit knapp 130.000 und 62.000 Einwohner beide allerdings signifikant kleiner als Braunschweig.
Auch die geplante Regio-S-Bahn im 160.000 Einwohner zählendem Regensburg ist ein Modell, nach dem sich eine Regio-S-Bahn Braunschweig richten könnte. Sie geht mit allerlei Aus- und Neubauten einher und wird, sollte es denn so passieren wie geplant, ein wirklich beeindruckend vorbildliches Projekt für das Voranbringen der Verkehrswende in einer Mittelstadt sein.
Zu guter Letzt (und ein bisschen aus der emotionalen Perspektive): Die Umbenennung wäre ein wirklich schönes Geschenk von Regionalverband, DB und Land Niedersachsen an die Stadt zu ihrem 1000. Stadtjübiläum im Jahr 2036. Außerdem ist ein Umsetzungszeitraum von 10 Jahren relativ realistisch und der symbolträchtige Zeitpunkt würde als kleiner Extra-Ansporn für die beteiligten Planer und Planerinnen funktionieren. 😉

Joa, also wie du schon selbst sagst, enthält dieser Vorschlag an sich wenig neue Ideen (falls doch, bitte nochmal genau hervorheben). Daher kann man hier neben der Namensgebung vor allem über die Unterschiede zwischen den offiziellen Planungen/Ideen und Zeithorizonten diskutieren.
Zur Namensgebung erstmal ein Gedanke: Warum hast du dich auf die (aktuellen) Diesellinien um Braunschweig fokussiert? Mindestens die RB-Linien nach Wolfsburg und Hildesheim, ggf. auch Magdeburg wären genauso Kandidaten.
Der Regionalverband Braunschweig ist ja recht aktiv was diverse Ideen und Planungen/Wünsche in seinem Verbundgebiet angeht (wie realistisch das alles ist, sei mal dahingestellt), wie z.B. die Ringelheimer Kurve, die einen 30 min-Takt nach SZ-Bad und für Goslar bietet (hier auch ein Vorschlag dazu). Vielleicht kannst du da nochmal abgleichen, ob es da konkurrierende Ideen gibt.
Da hast du Recht. Ich werde die Beschreibung nochmal etwas umformulieren.
Die in meinem Vorschlag größte Abweichung von dem, was bisher geplant ist, ist es, die Linie nach Goslar/Bad Harzburg mit dem Verstärkerzug nach Gifhorn zu verknüpfen und halbstündlich verkehren zu lassen.
Außerdem sollte das Netz, wenn möglich, von einem einzigen Verkehrsunternehmen oder zumindest mit identischen Fahrzeugen bedient werden, um einen einheitlichen Standard herzustellen.
Wo und wie es bereits Pläne zur Elektrifizierung gibt, werde ich auch noch einmal herausfinden.
Wie du sagst, wäre die RE50 Wolfsburg – Hildesheim ist ebenfalls ein Kandidat für die Umbenennung zur S-Bahn. Allerdings hält die nur ein einziges Mal in Braunschweig, hat abgesehen davon wenig Potenzial für neue oder reaktivierte Haltepunkte, ist mit 160km/h schneller als eine normale S-Bahn und wird tendenziell (vermute ich) öfter von (Fern-)Reisenden benutzt als die RB-Linien.
Die RB40 sollte schon einmal in das Netz der S-Bahn Mittelelbe aufgenommen werden. Jetzt ist das wohl nicht mehr so, aber sie legt einfach einen sehr langen Weg für eine S-Bahn zurück. Zusätzlich dazu soll sie bald auch nur noch bis Magdeburg Hbf verkehren, wofür die Kategorie des RB besser passt. Wie gesagt basiere ich die Einstufung als S-Bahn hauptsächlich darauf, wie sich die Linien für den Nutzenden anfühlen.
Außerdem ergäbe sich bei Umbenennung der beiden Linien das Problem, dass sowohl die Braunschweiger als auch die Hannoveraner bzw. Magdeburger S-Bahn sich in Hildesheim bzw. Magdeburg treffen. Natürlich ist das nicht unlösbar, man könnte der Braunschweiger Linie beispielsweise die Nummer S10 geben, um Verwechselungen vorzubeugen oder die Netze zusammenlegen. (Vielleicht mit dem Namen „S-Bahn Ostfalen“, wo man den Begriff in der Region schon wiederzubeleben versucht.) Trotzdem soll sich mein Konzept zumindest vorerst auf den Pendelverkehr nach und aus Braunschweig konzentrieren. Deshalb habe ich die beiden Linien erstmal außen vor gelassen.
Dazu: Die RB48 Braunschweig-Goslar soll meines Wissens nach weder in Thiede, noch in BS-Leiferde halten. Es ist also für die Verständlichkeit etwas besser, diese „unwichtigeren“ Haltepunkte zu reinen S-Bahn-Halten zu machen. Stehe ich dann in Braunschweig Hbf und möchte nach Leiferde, muss ich nicht erst herausfinden, welche RBs dort halten und welche nicht, sondern weiß, dass es alle S-Bahnen tun und keine RBs.
Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen. Die Aussagen kann ich allesamt so nachvollziehen.
Zum Begriff S-Bahn vielleicht noch kurz: Ich kann auch da die Begründungen verstehen, wenngleich ich eher kein Freund davon bin, alles als „S-Bahn“ zu bezeichnen, was im 30-60 min-Takt im Stadt-Umland-Verkehr von mittelgroßen Großstädten fährt. Zumal ja die Änderungen gegenüber dem bestehenden RB-System eher überschaubar sind. Nichtsdestotrotz sollte man die Außenwahrnehmung nicht unterschätzen, was die Verkehrsmittelwahl angeht, weswegen man schon eine einheitliche Vermarktung (Netz, Fahrzeuglackierung usw.) überlegen könnte. Muss ja nicht unbedingt S-Bahn heißen, irgendwas regionales wie „Braunschweig-Shuttle (BS)“ oder „Oker-Express“ oder so ginge ja auch. Vielleicht hat da jemand noch ne bessere Idee.
Da bin ich mit dir einer Meinung. Für mich ist beispielsweise die S-Bahn Mittelelbe mehr eine glorifizierte RB-Linie als eine S-Bahn, wobei ich die Geschichte (und dass der Begriff in der ehemaligen DDR etwas anders verwendet wurde) durchaus verstehen kann. Außerdem soll ja der Teil nördlich Zielitz, wenn ich das richtig verstanden habe, irgendwann wieder zur RB werden. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass eine Benennung als S-Bahn bei so einem Bauprojekt wie dem Haltepunkt Stendal Hochschule einen zwar nicht ausschlaggebenden, aber doch merklichen Effekt auf die Akzeptanz in der Bevölkerung gehabt hat.
Genau aus diesem Gedanken heraus fände ich es auch wichtig, dass die RB40 und RE50 eben ihre Namen behalten. Für jemanden, der mit der Bahn zur Schule oder Arbeit fährt, sich aber nicht weiter damit beschäftigt, fühlen die beiden sich eben mehr nach Regionalbahnen als nach S-Bahnen an.
Die Länder Bayern und Baden-Württemberg haben diese Webseite über ihr Konzept der Regio-S-Bahn (RS), wie sie aus Bremen ebenfalls bekannt ist, online gestellt. Die zählt übrigens sehr ansehnlich nochmal die Vorteile auf, die ich mir von der Umbenennung in Braunschweig erhoffen würde. In dieses Konzept würden die „S-Bahnen“ in Braunschweig auch reinpassen. In manchen Städten gab es früher auch mal den Stadt-Express mit der Bezeichnung „SE“.
Genau so könnte man eine Benennung als „BLE“ in Betracht ziehen, um an die mittlerweile schon lange nicht mehr existente Braunschweigische Landes-Eisenbahn-Gesellschaft zu erinnern oder das System mit „BS“ abkürzen, angelehnt an die Herzoglich Braunschweigische Staatsbahn, auf deren Strecke Braunschweig – Bad Harzburg eine meiner Linien verkehrt. Das würde sogar mit deiner Idee „Braunschweig-Shuttle“, dem Kfz-Kennzeichen unserer Stadt und der Konnotation einer „S-Bahn“ zusammenpassen! Ein bisschen gemeinsame industriehistorische Identifikation in der Region kann ja nicht schaden.
Naja, in Magdeburg, Rostock, Halle und Leipzig nehmen Streckenabschnitte durchaus die Aufgaben einer klassischen S-Bahn wahr. Da tust du den DDR-S-Bahnern Unrecht. Die wahren S-Bahn-Panscher saßen ganz woanders. (Mannheim, Hannover, Offenburg usw)
Auch in Mannheim und Hannover, aber auch Dresden oder Bremen haben innerstädtische, rein durch die S-Bahn-Linien befahrene Strecken(-abschnitte), sodass der Begriff S-Bahn da nicht komplett falsch ist. „Problem“ ist halt, dass es in den o.g. (west- wie auch ostdeutschen) Beispielen immer nur einzelne Linien und/oder Abschnitte betrifft, da die Städte zu klein für ein größeres S-Bahn-Netz sind. Somit wurden zu die Linien in das Umland verlängert oder weitere Linien hinzugefügt, die aber eigentlich nur reine Regionalbahnen sind.
Die S-Bahn Mannheim hatte ich gar nicht auf dem Schirm, aber ich sehe gerade, dass deren Linie S1 200km lang ist. Ähnlich ist das mit der Hannoveraner S5, die eventuell unter anderem so benannt ist, um zugunsten Hannover-Langenhagens dem Flughafen Paderborn-Lippstadt die Fluggäste abzugraben.
Da habe ich den S-Bahnen Rostock, Magdeburg und Dresden wie es aussieht ein Unrecht getan. Die sind tendenziell deutlich mehr S-Bahn als die beiden anderen Beispiele.
Es ist halt beides. In Leipzig beispielsweise haben die Stammstrecke/CityTunnel und die S1 nach Miltitzer Allee eindeutig S-Bahn-Charakter, die langlaufenden Linien nach Falkenberg (ex Hoyerswerda), Zwickau oder Eisleben aber eher nicht. Und auch auf Hannover oder Dresden trifft das zu.
Insgesamt kann man halt festhalten, dass je kleiner die Stadt/Metropolregion, desto mehr nimmt ein (potenzielles) S-Bahn-Netz Regionalverkehrsaufgaben wahr. Und da wäre Braunschweig sicher am untersten Rand mit viel (aber nicht nur) Regionalverkehrsaufgaben.
Ich sollte das vielleicht genauer ausdrücken: Ich meine gar nicht, dass die DDR-S-Bahnen keine S-Bahnen waren, sondern, dass vor allem die in Magdeburg so verlängert wurde, dass sie eben zurzeit eher einer Regionalbahn gleicht.
Der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt plant aber auch das ab 2028 wieder zu ändern, was ich durchaus lobenswert finde. Ab dann soll es zwei S-Bahn-Linien Schönebeck-Burg und MD-Zielitz geben, die — finde ich — auch S-Bahn-Charakter haben.
Der vorangegangene Kommentar war aber auch meiner Meinung nach richtig, dass eine reine Umbenennung der RBs im Raum Braunschweig eher zur Verwässerung des Konzepts S-Bahn führen würde, als dazu, dass die Linien als S-Bahn wahrgenommen werden würden.
Deshalb werde ich, wenn ich die Zeit habe, die Beschreibung auch nochmal ein wenig anpassen.
Gute Idee! Ich denke, da kann man sicher auch ein Marketing-Wettbewerb und vielleicht eine Abstimmung in der Bevölkerung machen. Geht ja auch sehr um eine Identifikation der Menschen vor Ort mit „ihrem“ Verkehrsmittel.
Finde deinen Ansatz super und es könnte dem Harz/Braunschweig/Wolfsburg sehr zugute kommen.
Ich finde diesen Vorschlag grundsätzlich gut, aber ich denke nicht dass die S2 einen T30 benötigt. Hier bräcuht es keine S-Bahn, da eigentlich wenige Menschen erschlossen werden. Anders sehe ich das bei der S3. Ich glaube dass hier zur HVZ sogar ein T20 gefahren werden könnte.
Bei der S1 würde ich statt einen T60 nach Bad Harzburg und Goslar (wenn möglich) eine Flügelung befürworten, denn ich glaube dass ein T60 für 2050-Maßstäbe unattraktiv wäre. Auch nach Gifhorn wäre ein T30 komplett gerechtfertigt.
Ich würde stattdessen auch eine S2 ab Schwarzer Berg bis Salzgitter-Bad im T30 führen.
Alles unter ein T30 wäre keine S-Bahn Wert. Aber auf diesen Achsen kann man definitiv täglich (außer Sonntag vielleicht) einen T30 fahren.
Die Idee des Halbstundentakts nach Schöppenstedt (auf der S2) kommt tatsächlich nicht von mir, sondern soll so schon umgesetzt werden. Dafür soll auch der Kreuzungsbahnhof in Wendessen neugebaut werden. Nach Wendeburg/Harvesse soll dann ebenfalls ein 30-Minuten-Takt gefahren werden.
Generell eignen sich alle drei Linien denke ich langfristig eventuell für einen 20- oder sogar 15-Minuten-Takt. Tendenziell lässt sich ein 15-Minuten-Takt besser auf halbstündlich verkehrende Anschlüsse und Zubringerbusse anpassen. Da für Taktverdichtungen auf den eingleisigen Strecken allerdings umfangreichere Ausbauten an der Infrastruktur und viele neue Fahrzeuge sowie das zugehörige Personal nötig wären, sollen sie erstmal nicht Bestandteil meines Vorschlags sein.
Wenn man betrachtet, welche Reaktivierungen in den letzten Jahren so diskutiert wurden, könnte man bei Wiederinbetriebnahme der Strecke Wendessen – Wittmar und der Strecke Börßum – Salzgitter-Bad die S1 und S2 auf einen Halbstundentakt verdichten und dann immer abwechselnd nach Schöppenstedt bzw. Wittmar oder Goslar/Bad Harzburg bzw. SZ-Bad führen, während die S3 auf ganzer Länge im 15-Minuten-Takt verkehren würde.
Da in der echten Welt aber selbst ein Vorhaben wie der Neubau der Station Bienrode derzeit extrem viel Zeit und Ressourcen in Anspruch nimmt, sehe ich für so ein Konzept in der näheren Zukunft keine Möglichkeit zur Umsetzung.
Zur S1: Die sollte in meinem Vorschlag (zumindest zwischen Braunschweig und Vienenburg) schon alle halbe Stunde fahren. Zusammen mit der RB47 nach Uelzen und der geplanten RB48 über die Ringelheimer Kurve ergibt sich dann von allen Bahnhöfen außer Oker und Bad Harzburg ein 30-Minuten-Takt nach Braunschweig. Die Standzeit für die Flügelung in Vienenburg entfällt und macht die Verbindung schneller und zuverlässiger als heute. Das Geld für das zusätzliche Fahrzeug und Personal, was man bei einem T30 mit Flügelung ausgeben würde, ist deutlich besser in einer Verlängerung der RB48 über Oker nach Bad Harzburg (wie im oben verlinkten Vorschlag eingezeichnet) aufgehoben. So überlagert sich die S1 mit den Regios an jedem Halt zu einem (in Oker und Bad Harzburg etwas unreinen) 30-Minuten-Takt nach Braunschweig.