Beschreibung des Vorschlags
Die Strecke der Linie 5 durch Neuehrenfeld ist ein Fremdkörper im Kölner Hochflur-Stadtbahnnetz: Sie ist die einzige, die auf Dauer nicht vollständig vom anderen Verkehr getrennt werden kann (Fußnote 1). Außerdem ist die Strecke verhältnismäßig langsam: Die Fahrt von der Haltestelle IKEA am Butzweilerhof zum Bahnhof West dauert 19 Minuten, von der Haltestelle Bocklemünd zum Bahnhof West dauert es bei gleicher Distanz (Luftlinie) nur 11 Minuten. Besonders unattraktiv würde sich diese lange Fahrzeit auswirken, sollte man die Linie wie in der Politik oder in diesem Vorschlag angedacht nach Pesch oder Esch/Auweiler verlängern.
Ich habe drei Vorschläge von anderen Usern gefunden, die das Problem bereits angehen: Hier und hier soll die Bestandstrasse nahezu 1:1 in einen Tunnel verlegt werden, was allerdings im Verhältnis zu den Fahrgastzahlen sehr teuer wäre. Hier soll deutlich weniger Tunnel gebaut werden, es werden aber mehrere Parkanlagen zerschnitten.
Ich schlage daher vor, Butzweilerhof über eine neue Abzweigstrecke an den Tunnel der Linien 3 und 4 anzubinden. Die neue Strecke verlässt hinter der Tunnelhaltestelle Akazienweg (wenn möglich höhenfrei) die Bestandsstrecke und wird dann westlich entlang der HGK-Strecke oberirdisch zum Butzweilerhof geführt. Im Bereich der Tunnelrampe müssen 3-4 der HGK-Gleise entfallen, das sollte angesichts des geringen Güterverkehrs und des deutlich größeren Güterbahnhofs südlich der Venloer Straße kein Problem sein. Auf eine Mitbenutzung der HGK-Gleise wird verzichtet, da ein Wechsel von BOStrab zu EBO und wieder zurück zu BOStrab für eine Strecke etwas mehr als 1km wahrscheinlich mehr Probleme macht als es Kosten sparen würde. Vor dem Bahnübergang mit dem Mühlenweg entsteht eine neue Haltestelle. Im Bereich der geplanten Haltestelle steht ein kleines Technikgebäude, was verlegt werden muss. Südlich der Hugo-Eckener-Straße wird eine Verbindungskurve mit höhengleicher Anbindung an die Bestandsstrecke gebaut.
Die vom Akazienweg kommenden Bahnen fahren weiter über die bestehende Strecke nach Sparkasse am Butzweilerhof. Ab dort kann die Strecke weiter in Richtung Pesch und Esch/Auweiler verlängert werden. Die Bestandsstrecke aus Neuehrenfeld bleibt erhalten. Hinter der Haltestelle Alter Flughafen Butzweilerhof entsteht ein Abzweig zu einer neuen Haltestelle Butzweilerhof West. Dort kann am Bahnsteig gewendet werden.
Bedienkonzept:
- Die Linie 5 beginnt weiterhin an der Haltestelle Sparkasse am Butzweilerhof und wird ab Alter Flughafen Butzweilerhof auf die neue Strecke verlegt. Sie hat damit in Zukunft keine straßenbündigen Abschnitte mehr, was den Einsatz von längeren Zügen möglich machen würde. Außerdem verstärkt die Linie 5 den nachfragestarken Abschnitt der Linien 3 und 4 auf der Venloer Straße. Butzweilerhof wird ca. 6-7 Minuten schneller erreicht (Fußnote 2).
- Die Bestandsstrecke über Neuehrenfeld wird von der neuen Haltestelle Butzweilerhof West aus bedient. Zunächst wird sie weiter durch eine neue Hochflur-Linie 6 im 10-Minuten-Takt bedient, die an der Marktstraße endet. Auf Dauer soll die Strecke Teil des Niederflur-Netzes werden, in dem es auch andere längere straßenbündige Abschnitte gibt, z.B. nach Sülz und Zollstock. Dazu habe ich hier und hier Vorschläge veröffentlicht.
Kosten:
Die neue Tunnelausfahrt könnte etwas komplexer sein, abgesehen davon sollte die insgesamt ca. 2km lange oberirdische Neubaustrecke inklusive 2 neuen Haltestellen relativ kosteneffektiv sein. Vielleicht könnte man auch die Unternehmen im Gewerbegebiet Butzweilerhof überzeugen, sich an der Finanzierung zu beteiligen, so wie das beim initialen Bau der Strecke zwischen Ossendorf und Butzweilerhof bereits geklappt hat.
Limitationen:
Berechtigte Kritik wäre, dass von diesem Vorschlag nur Butzweilerhof und perspektivisch Pesch/Esch/Auweiler profitieren, Neuehrenfeld und Ossendorf aber nicht. Dort wird aber zumindest der Status Quo erhalten und die längeren Fahrzeiten fallen aufgrund der kürzeren Gesamtfahrzeit nicht so stark ins Gewicht.
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Fußnote 1: Die anderen straßenbündigen Abschnitte im Hochflur-Netz:
- Linie 3 in der Karlsruher/Heidelberger Straße, Linien 3/4 im Gotenring, Linie 13 im südlichen Gürtel:
Könnten relativ einfach durch Bordsteine vom KFZ-Verkehr getrennt werden könnten, da die Straßen breit genug sind (Vorschlag zur Linie 13). - Linie 3 in der Heidelberger Str., Linien 3/4 in der Deutz-Mülheimer-Str. (bereits im Umbau), Linie 4 am Pfälzischen Ring, Linie 13 am Bahnhof Ehrenfeld:
Kurze Abschnitte, die durch die Breiten von Eisenbahnbrücken begrenzt sind, die durch die Aufweitung jener Brücken beseitigt werden könnten. - Linie 4 Berliner Str.:
Könnte oberirdisch neu trassiert werden. - Linie 18 Bf Süd:
Kurzer Abschnitt (knapp 300m), der gemeinsam mit dem Barbarossaplatz einen Tunnel verlegt werden könnte (diverse Vorschläge hier auf LiniePlus) oder die Straße könnte neu trassiert werden
Fußnote 2: Bf. West -> Akazienweg dauert heute 6-8 Minuten mit den Linien 3/4. Für Akazienweg -> Alter Flughafen Butzweilerhof setze ich 4 Minuten an, also 10-12 Minuten insgesamt. Bf West -> Alter Flughafen Butzweilerhof dauert heute 17-18 Minuten mit der Linie 5.

Eine sehr interessante Idee um Linie 5 von der Straße zu trennen, dieser Vorschlag hängt aber maßgeblich davon ab, wie diese neue Linie 6 dann langfristig funktionieren soll. Für eine Niederflurlinie müssten nicht nur alle Bahnsteige entlang der Strecke umgebaut, sowie am Gürtel neue gebaut werden, es müsste auch in der Innenstadt eine gute Streckenführung gefunden werden, für die auf jeden Fall auch neue Tunnelstrecken nötig werden, da sowohl die Ringe als auch bald die Ost-West-Achse wahrscheinlich untertunnelt sein werden. Erst südlich beim Zülpicher Platz oder nördlich ab der Mollwitzstraße gibt es wieder oberirdische NF-Strecken. Oder soll eine ganz neue oberirdische Strecke durch die Innenstadt gebaut werden? Das alles sind ebenfalls keine günstigen Optionen.
Die entfallenden HGK-Gleise dürften kein Problem sein, der Güterverkehr auf der Strecke wird immer weniger, und selbst wenn man die Strecke langfristig für eine anderweitige ÖPNV-Nutzung benutzen möchte braucht man an dieser Stelle nur zwei Gleise, und nicht sechs. Selbst wenn es weiterhin einen Güterbahnhof braucht ist dafür der südliche Teil wichtiger als die sechs Gleise hier.
Spannender wird eher der Bau der höhenfreien Ausfädelung. Der Bestandstunnel liegt hier nicht sehr tief, die Ausfädelung müsste also unter diesem liegen, danach aber schnell an Höhe gewinnen, um auf den Bahndamm der HGK-Gleise zu kommen. Bis zum Mühlenweg ist hierfür definitiv genug Platz, der Tunnel würde aber erst deutlich später aufhören als hier eingezeichnet.
Die von dir sogenannte „Kölnstraße“ heißt übrigens eigentlich Köhlstraße. Um hier, selbst mit Einbahnstraßenregelung, eine eigene Trasse zu bauen müssten sehr wahrscheinlich Teile der Privatgrundstücke auf mindestens einer Seite der Straße aufgekauft werden. Da halte ich es für einfacher der HGK-Trasse bis zur jetzigen Brücke über diese zu folgen, und dort eine Kurve (r≈110m) zur Bestandsstrecke zu machen. Die HF-Haltestelle würde unverändert bleiben, die perspektivisch nötige NF-Haltestelle könnte auf der anderen Seite der Kreuzung mit der Köhlstraße liegen, die NF-Linie 6 ließe sich außerdem um eine Haltestelle bis zur von-Hünefeld-Straße oder sogar bis zum Ollenhauerring verlängern, auch hier komplett in Seitenlage, wobei eventuell teilweise die Straße ein Stück nach Norden verlegt werden muss und einige Grundstückszufahrten neu geordnet werden sollten, um die Anzahl der Kreuzungen mit der Strecke zu verringern.
Ob der Status Quo erhalten wird hängt von der (teuren) Anbindung der NF-Linie an die Innenstadt ab. Derzeit sind diese Stadtteile direkt mit dem Hauptbahnhof sowie der Ost-West-Achse verbunden, das wäre mit der langfristigen Linienführung wohl anders, hier muss eine mindestens gleichwertige Anbindung geschaffen werden. Die Strecke als HF-Linie zu belassen geht aber natürlich auch gegen das Ziel dieses Vorschlags, weil so das HF-Netz nicht konsequent vom Straßenraum getrennt wird, wodurch weiter Verspätungen auf das ganze Netz übertragen werden.
Ganz so einfach ist es ja doch leider nicht. Für Linie 18 braucht es schon etwas mehr, wenn an dieser Stelle Stadtbahn, MIV und Radverkehr jeweils eine Spur pro Richtung kriegen sollen (was für den Rest der Luxemburger Straße hoffentlich bald gegeben sein wird, der verlinkte Änderungsantrag wurde vom Verkehrsausschuss ungeändert beschlossen).
Bei Linie 13 zwischen Zülpicher Straße und Gleueler Straße kann man etwas anders umbauen, sodass noch nicht einmal Fahrspuren des MIV wegfallen müssten, dies wäre erst zwischen der Gleueler Straße und der Dürener Straße wirklich notwendig, wo ebenfalls die vielen Kreuzungen entfallen und (außer für Fußgänger) durch Einmündungen ersetzt werden sollten.
Linie 3 in der Karlsruher/Heidelberger Straße ist so ein Thema wo ich echt nicht verstehe, warum man hier nicht wirklich einfach jetzt direkt einen Bordstein einbaut. Bei der Haltestelle Waldecker Straße in der Mitte muss die Zahl der Spuren eh auf nur eine reduziert werden, sodass diese Kreuzung so oder so das Bottleneck für den MIV ist. Mehr Spuren davor oder danach bringen rein gar nichts (außer das eine mal in der Woche wo die Müllabfuhr leert).
Vielen lieben Dank für das ausführliche Feedback 🙂
Danke für die Info, das macht die Planung deutlich einfacher. Ich habe die Tunnelrampe jetzt in die Mitte gelegt, sodass die beiden äußeren Gleise auf jeden Fall erhalten bleiben können. So braucht der Vorschlag auch keine weiteren Grundstücke westlich der HGK-Trasse und ich brauche mir keine Gedanken mehr um das kleine Technikgebäude am Mühlenweg machen.
Ich habe hier mal ein „wenn möglich“ ergänzt. Höhenfrei wäre natürlich wünschenswert, mit dem vorgeschlagenen Linienkonzept gibt es aber nur 18 Züge pro Stunde und Richtung und ich kann mir angesichts der Kapazität der Anschlussstrecken in der Innenstadt kaum vorstellen, dass es mal mehr als 24 werden. Das wäre im Zweifel auch mit einer höhengleichen Abzweigung fahrbar.
Haha ich habe mir die Karte bestimmt 2 Stunden lang angeguckt, aber irgendwie hat mein Gehirn da die ganze Zeit „Kölnstraße“ draus gemacht 😄
Da hast du vollkommen Recht, dein Vorschlag ist deutlich günstiger und einfacher zu realisieren. Habe ich übernommen!
Ich habe für die Bestandsstrecke erstmal nur eine weitere Haltestelle hinter der Mathias-Brüggen-Straße ergänzt, da die Bestandsstrecke damit ihre erforderliche Wendemöglichkeit hätte und das Gewerbegebiet damit insgesamt sehr gut erschlossen wäre. Die Weiterführung in Richtung Ollenhauerring sollte man definitiv frei halten, ich habe sie aber nicht eingezeichnet, da es in diesem Vorschlag primär um die andere Linie gehen soll.
Sehr interessante Hintergrundinfos, besonders die Flächenfreihaltung! Ich habe das mal verlinkt.
Volle Zustimmung, wahrscheinlich stört es niemanden bei der KVB oder bei der Stadt genug dass etwas passieren würde…
So würde ich es jetzt auch nicht unbedingt machen. Da höhengleiche Kreuzungen zwischen EBO und BOStrab verboten (und ehrlich gesagt auch einfach nicht sinnvoll) sind, würde diese Variante bedeuten, dass später eine höhenfreie Ausfädelung gebaut werden muss. Indem man einfach in Seitenlage, aber innerhalb des jetzigen Gleisbereichs, aus dem Tunnel kommt, kann man sich das Problemlos sparen.
Stimmt – ich habe die Strecke wieder in Seitenlage verlegt. Die Mitbenutzung der HGK-Strecke hat sich für mich zuerst gut angehört, in der Umsetzung macht es für den kurzen Abschnitt von ca. 1km aber wahrscheinlich mehr Probleme von BOStrab zu EBO und wieder zurück zu wechseln, als wenn man die neue Strecke einfach unabhängig als BOStrab neben die HGK-Gleise baut.