Köln Hbf: Eurostar statt Postbahnsteige

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Beschreibung des Vorschlags

Motivation

Alle paar Jahre wieder kommt der Wunsch nach einer durchgängigen Fernverkehrsverbindung zwischen Köln(/Frankfurt) durch den Eurotunnel nach London auf (zuletzt im Juni 2025 zum Beispiel hier). Der internationale Fernverkehr boomt und eine Direktverbindung zwischen Köln und London wäre mit einer Fahrzeit von knapp unter 4 Stunden auch im Vergleich zum Flugzeug wettbewerbsfähig. Das große Passierpotenzial auf dieser Strecke wird auch deutlich, wenn man sich die Anzahl Flüge anschaut: Von Köln/Bonn gibt es täglich ca. 8 Flüge nach London, von Düsseldorf nochmal ca. 10 Flüge. Auch hier auf der Plattform wurde das Potential von einigen Usern erkannt (siehe hier, hier, hier, hier, hier, und hier)

Der große Haken ist allerdings die Grenzkontrolle, da Großbritannien nicht zum Schengenraum gehört. Beim Eurostar kommt dazu das Prinzip der Juxtaposed Controls zum Einsatz: Im Gegensatz zu Flügen wird nicht bei Ankunft im Einreiseland kontrolliert, sondern noch vor der Abfahrt im Ausreiseland. Sofern man dieses Prinzip nicht aufweichen kann, müsste in Köln daher ein Bahnsteig geschaffen werden, der sich für die Dauer der Abfertigung eines Eurostars in Richtung London sperren lässt. 

Mit der bestehenden Infrastruktur ist das nicht möglich: Köln Hbf ist bereits überlastet, ein Doppelbahnsteig lässt sich betrieblich definitiv nicht komplett sperren und für eine Trennung in Längsrichtung sind die Bahnsteige nicht breit genug. Für die Nutzung von Gleis 1 müsste der Eurostar zweimal quer über das ganze Gleisvorfeld fahren und auch die Kapazitäten von diesem Gleis werden eigentlich anders benötigt. In Köln Messe/Deutz gibt es oben ebenfalls keine Möglichkeit zur temporären Sperrung und der untere Bahnhofsteil kann auf der Relation Frankfurt <-> Köln <-> Aachen nicht genutzt werden. Ein ganz anderer Bahnhof wäre ebenfalls nicht wünschenswert, dort gäbe es keine Umsteigemöglichkeiten zu anderen Fernverkehrszügen und der Charme einer Fernzugverbindung ist ja gerade, dass man im Gegensatz zum Flughafen direkt in der Innenstadt ankommt.

 

Dieser Vorschlag

Mein Lösungsvorschlag ist es, den aktuell kaum genutzten Platz der ehemaligen Postbahnsteige zu nutzen, um ein zusätzliches Gleis und einen zusätzlichen Seitenbahnsteig in den Hauptbahnhof einzuziehen. Dieser Bahnsteig würde primär vom Eurostar genutzt, außerhalb der Sperrzeiten könnten aber auch andere Züge dort halten, was die Kapazität des Hauptbahnhofs insgesamt leicht erhöhen würde.

Neben dem neuen Gleis und dem neuen Bahnsteig müssen auch drei bestehende Gleise und zwei bestehende Bahnsteige verschoben werden. Durch die Bauform des Hauptbahnhofs, bei dem die Gleise quasi lange Brücken sind, wäre das zwar sehr aufwendig, ich schätze aber auch den Nutzen als sehr hoch ein. Man müsste mit der Verschiebung von Gleis 4 anfangen und sich dann schrittweise bis zum neuen Seitenbahnsteig vorarbeiten. Insgesamt wären vier Bauphasen nötig, in denen jeweils eins der heutigen Gleise 4 bis 7 gesperrt wird.

Das Eurostar-Terminal für Kontrollen und mit einem Wartebereich soll auf der Nordost-Seite des Bahnhofs in einer neuen Querpassage ähnlich zu Jan_Lukas‘ Vorschlag entstehen. Die Ausgänge in die anderen Querpassagen werden für die Abfertigung eines Eurostars gesperrt.

 

Neue Raumaufteilung

Ich habe die Gleisabstände und Bahnsteigbreiten wahrscheinlich nicht perfekt gezeichnet. Folgende grobe Rechnung veranschaulicht die neue Raumaufteilung:

Ich nehme an, dass die Postbahnsteige jeweils ca. 5 Meter breit sind. Drei Postbahnsteige fallen weg, also haben wir ca. 15 Meter Breite, die neu aufgeteilt werden kann. Das zusätzliche Gleis nimmt 4 Meter in Anspruch, der zusätzliche Seitenbahnsteig ist mit ungefähr 7 Metern geplant. Das ist für einen Seitenbahnsteig recht großzügig, man muss aber auch berücksichtigen dass einiges an Platz auf dem neuen Bahnsteig wegen der Träger der Bahnsteighalle nicht genutzt werden kann. 4 Meter Puffer bleiben übrig, damit könnten idealerweise die beiden verlegten Bahnsteige jeweils ca. 2 Meter breiter als heute gebaut werden.

 

Verwandte Vorschläge

  • Dieser Vorschlag zu einem Eurostar-Terminal in Köln Messe/Deutz hat den gleichen Nachteil wie die Nutzung von Gleis 1 in Köln Hbf: Das Eurostar-Gleis wäre auf der falschen Seite des Bahnhofs.
    • In den Kommentaren zu diesem Vorschlag wurde die Nutzung der Postbahnsteige durch amadeo angeregt und durch axp konkretisiert, aber noch nicht in Form eines Vorschlags ausgearbeitet. (Die Dachträger der Bahnsteighalle wurden nicht berücksichtigt, außerdem kommt mein Vorschlag mit weniger Gleisverlegungen aus.)
  • Baum hat hier vorgeschlagen, die Postbahnsteige für Überholgleise zu verwenden. Das ist aufgrund der Dachträger der Bahnsteighalle aber nur bei 2/4 Postbahnsteigen umsetzbar.
  • Jan_Lukas hat hier vorgeschlagen, die Breite der Postbahnsteige für eine Verbreiterung der Bestandsbahnsteige zu nutzen. S-Bahnfahrer plädiert für eine Spanische Lösung.

Metadaten zu diesem Vorschlag

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7 Kommentare zu “Köln Hbf: Eurostar statt Postbahnsteige

  1. Der Vorschlag übersieht drei Probleme:

    • Die Züge dürften nur Passagiere nach London aufnehmen. Ein Ausstieg an Zwischenhalten wie Aachen oder Brüssel muss verhindert werden.
      D.h. das geht nur für zusätzliche Non-Stop-Züge Köln-London oder die Züge müssten halbleer (und ohne Zwischenhalt) bis Brüssel fahren. Dort bräuchte man dann zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die verhindern, dass jemand aussteigt.
    • Eine Nutzung des Sicherheitsbereichs für die London-Züge durch andere Züge ist praktisch ausgeschlossen. Man müsste bei einem Wechsel der Nutzung immer den kompletten Bereich räumen und absuchen.
    • Die Gleise in Köln Hbf verschieben, ist nicht so einfach. Man müsste wohl die Gleis- und Verteilerebene weitgehend neu bauen. Siehe diesen Kommentar. Wenn das mit vertretbarem Aufwand möglich wäre, hätte man das ob der notorischen Kapazitätsprobleme in Köln Hbf schon längst gemacht, um ein zusätzliches Gleis zu bekommen oder auch nur die viel zu engen Personenbahnsteige zu verbreitern.
      • Eine Nutzung des Sicherheitsbereichs für die London-Züge durch andere Züge ist praktisch ausgeschlossen. Man müsste bei einem Wechsel der Nutzung immer den kompletten Bereich räumen und absuchen.

      In Amsterdam Centraal wird das genau so praktiziert. Die Eurostars nach London halten an Gleis 15 und dieses Gleis wird auch von anderen Zügen genutzt. Das Eurostar-Terminal dort hat einen Wartebereich hinter der Pass- und Sicherheitskontrolle. Vor der Nutzung des Bahnsteigs durch den Eurostar wird er durch Sicherheitspersonal geräumt, die regulären Ausgänge werden geschlossen und die Passagiere nach London können den Bahnsteig vom Eurostar-Terminal aus betreten.

      • Die Züge dürften nur Passagiere nach London aufnehmen. Ein Ausstieg an Zwischenhalten wie Aachen oder Brüssel muss verhindert werden.
        D.h. das geht nur für zusätzliche Non-Stop-Züge Köln-London oder die Züge müssten halbleer (und ohne Zwischenhalt) bis Brüssel fahren. Dort bräuchte man dann zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die verhindern, dass jemand aussteigt.

      Auch hier verweise ich auf das Beispiel Amsterdam. Bei den durchgehenden Zügen nach London sind die Zwischenhalte Rotterdam, Brüssel und Lille tatsächlich als „nur Einstieg“ gekennzeichnet. Der Zug ist wohl trotzdem wirtschaftlich.

      Früher hat man auch Tickets auf der Relation Brüssel <-> Lille verkauft, das hat man über einen eigenen Wagen für Passagiere auf dieser Relation gelöst (siehe hier). Aktuell gibt es diese Möglichkeit scheinbar nicht mehr, wahrscheinlich hat das etwas mit dem Brexit zu tun. Vielleicht findet man dafür in Zukunft wieder eine Lösung – es wäre ja schade wenn für jeden Passagier Brüssel <-> London ein Platz zwischen Köln und Brüssel leer bleiben müsste. Aber wirtschaftlich sollte es wie gesagt trotzdem sein.

      Ich Aachen würde ich erstmal ohne Halt durchfahren, dort verbleiben die in Brüssel endenden ICE und die Züge nach Paris. Der nächste Kandidat für ein Eurostar-Terminal wäre dann erstmal Frankfurt Hbf (oben).

      • Die Gleise in Köln Hbf verschieben, ist nicht so einfach. Man müsste wohl die Gleis- und Verteilerebene weitgehend neu bauen. Siehe diesen Kommentar. Wenn das mit vertretbarem Aufwand möglich wäre, hätte man das ob der notorischen Kapazitätsprobleme in Köln Hbf schon längst gemacht, um ein zusätzliches Gleis zu bekommen oder auch nur die viel zu engen Personenbahnsteige zu verbreitern.

      Dass die Verschiebung sehr aufwendig ist, habe ich ja geschrieben. Ich habe versucht, den Aufwand gering zu halten, indem nur 4 Gleise verschoben werden, plus das eine zusätzliche Gleis. Für eine reine Verbreiterung der bestehenden Bahnsteige wird sich der Aufwand nicht lohnen. Ich hoffe, dass das zusätzliche Eurostar-Gleis den Nutzen liefert, der den Aufwand rechtfertigt. Einen besseren Vorschlag für einen Standort für ein Eurostar-Terminal in der Kölner Innenstadt kenne ich bisher nicht.

  2. Ansich ist das was du eingezeichnet hast klausibel. Aber wie wirst du die Stützen des Daches verschieben, du hast ja dort wo die Postbahnsteige mit Stützen sind, Gleise oder Bahnsteige. Dort an den Bahnsteigen sind die Stützen nicht unbedingt mittig was auch zu Problemen führen kann.

    1. Hallo! Danke für Deinen Kommentar.

      Die Stützen sind tatsächlich wichtiger Faktor. Die Stützen der denkmalgeschützten Bahnsteighalle sollen in meinem Vorschlag alle an ihrer jetzigen Position erhalten werden. Hier kann man die Lage der Stützen ganz gut sehen.

      • Auf dem Postbahnsteig zwischen den heutigen Gleisen 7 und 8 stehen einige Stützen. Diese sollen in den neuen Eurostar-Bahnsteigs integriert werden. Dieser Bahnsteig wird ein Seitenbahnsteig, die Stützen stehen dann auf der „Rückseite“. Hinter den Säulen würde man dann einen Zaun setzen, sodass klar ist, dass hier kein Einstieg zum heutigen Gleis 8 erfolgt.
      • Die beiden Postbahnsteige zwischen den heutigen Gleisen 5 und 6 sowie 3 und 4 haben keine Stützen im Bereich der Bahnsteighalle, sie sollten also flexibel mit Gleisen oder Bahnsteigen überbaut werden können. (Nur ein Pfeiler steht dort ganz am Ende der Bahnsteighalle, der sollte aber nicht Teil der historischen Dachkonstruktion sein.)
      • Der Postbahnsteig zwischen den heutigen Gleisen 1 und 2 (mit vielen Stützen) bleibt unverändert.

      Problematischer werden die Stützen des niedrigen Glas-Vordachs in Richtung Hohenzollernbrücke. Hier ist gut zu erkennen, dass dort Stützen auf den regulären Bahnsteigen stehen (nicht auf den Postbahnsteigen). Dieses Vordach müsste tatsächlich umgebaut werden. Es wurde allerdings erst 1990 errichtet, also ist es wohl nicht denkmalgeschützt.

  3. Insteressanter Vorschlag … und sei es nur um zu sehen, wie wahnsinnig schwer sowas einzupassen ist. Warum planst du eigentlich für den Eurostar nicht nur einen eigenen Bahnsteig sondern auch ein eigenes Gleis? Die Fahrgäste nach London können doch auch an einem spanischen Gleis 7 rechts einsteigen, während andere Fahrgäste die übrigen Züge auf Gleis 7 von links erreichen. Klar, der Eurostar wird das Gleis recht lang belegt halten, aber man hätte ein Gleis in der Breite gespart.

    1. Das wäre definitiv eine interessante „Sparvariante“! Der Bahnsteig 4/5 könnte dann unverändert bleiben und man müsste nur noch den Bahnsteig 6/7 verrücken und den neuen „spanischen“ Bahnsteig an Gleis 7 bauen. Es wären also  nur noch 2 Gleise und Bahnsteig zu verlegen plus einen neuen Bahnsteig, statt 3 Gleise und zwei Bahnsteige zu verlegen plus ein neues Gleis und ein neuer Bahnsteig.

      Nachteile wären:

      • Keine Kapazitätserweiterung am Hbf.
      • Das zusätzliche Gleis kann man nachträglich nicht mehr einfach einziehen, dafür müsste man erneut Gleis 6 und den Bahnsteig verlegen.
      • Zusätzliche Züge in Richtung London müssten zulasten anderer Linien am Hbf gehen, da der Hbf bereits zu 100% ausgelastet ist. Das wäre aber möglich, indem man weitere FV-Züge nach Köln Messe/Deutz (tief) verlegt.

      Das sollte man als Variante in der Machbarkeitsstudie untersuchen.

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