Beschreibung des Vorschlags
Zur Problematik:
Lage des Hbf.
Der Hanauer Hauptbahnhof liegt in einem Industrie- und Gewerbegebiet 2,0 km (Fußweg) vom Marktplatz entfernt.
Das Luftbild zeigt, dass im Bahnhofsareal fast keine Wohnbeabuung ist. Auch das Industrie-/ Gewerbegebiet zieht nicht viele Fahrgäste an.
Warum diese Problematik zustande kommt, zeigt erklärt der Wikipedia-Artikel zum Hbf. sehr schön:
Die Lage von Hanau Hauptbahnhof ergab sich durch die Kreuzung der Bebra–Hanauer Eisenbahn mit der bereits bestehenden Bahnstrecke Frankfurt–Aschaffenburg und der anschließenden Weiterführung über die Steinheimer Mainbrücke, die den Fluss rechtwinklig queren musste. Der so gesetzte Zwangspunkt führte zu einer Lage des Bahnhofs weitab vom Hanauer Stadtzentrum. Noch heute ergibt sich daraus ein Problem für die Linienführung des ÖPNV in Hanau, der so zwei Zentren bedienen muss: Den Hauptbahnhof und den innerstädtischen Busknoten Freiheitsplatz.
Werfen wir nun einen Blick in den Liniennetzplan. Hier ergeben sich folgende Probleme:
Die Linien Linie 4, 10, 12 halten nicht am Hauptbahnhof, aber am Westbahnhof und im Zentrum
Die Linien 6, 9 halten weder am Hbf. noch am Westbahnhof, aber Im Zentrum
Die Linien 8, 11 und 20 halten zwar am Hbf, aber nicht im Zentrum
Doch warum ist eine SPNV Verknüpfung so wichtig?
- Hanau ist Teil des Ballungsraumes Rhein-Main. Die Zahlen der Einpendler (33.000) und die der Auspendler (27.000) übertreffen die der Binnenpendler (13.000) deutlich. Folgt man den Zahlen des Pendleratlases, so verlassen über 80% der Pendler die Stadt und das (für ÖPNV Pendler) häufiger mit dem Zug als mit dem Bus. Daher ist gerade in Hanau eine Verknüpfung wichtig.
- Hanau ist eine Eisenbahnstadt. Es gibt Verbindungen in alle Richtungen. Das Busnetz sollte daher auf den SPNV ausgerichtet sein.
Veralterte Infrastruktur
Der Bahnhof und das Bahnhofsumfeld sind veraltert. Eine Modernisierung ist daher geplant. Zudem steht eine Veränderung im Gleisbild durch die Nordmainische S-Bahn an. Die Stadt plant sogar das gesamte Bahnhofsareal umzugestalten (Zum Artikel).
Zur Lösung:
An der Kreuzung der Südmainischen mit der Nordmainischen Strecke ist genügend Platz vorhanden. In Annahme, dass die Nordmainische S-Bahn gebaut ist, muss nur etwa 800 Meter Gleis neu gebaut werden. Die restlichen Gleise bestehen bereits. Zudem ist eine verbreiterung der Brücken notwendig.
Gleis 1: Südmainische S-Bahn
Gleis 2: Südmainische S-Bahn, Fern- oder Regionalverkehr
Gleis 3 + 4 Fernzüge, oder endender Regionalverkehr (Doppelbelegung möglich)
Gleis 5+6 Regionalverkehr über Südmainische Strecke
Gleise 7+8 Regionalverkehr über Nordmainische Strecke
Gleise 9+10 Nordmainische S-Bahn.
Kosten: Ich gehe von etwa 100-150 Millionen aus. Die Ergänzung von Seitenbahnsteigen an bestehende Gleise dürfte recht günstig sein.
Was wird dadurch erreicht:
- Kürzere Wege ins Zentrum
- Schnellere Fahrzeiten für etwa 80% der Hanauer zum SPNV (die restlichen 20% sind schneller am alten Hauptbahnhof)
- Schnellerer Umstieg durch mehr Verbindungswege
- Städtebaulich „schöneres“ Bahnhofsumfeld -> kein Industriegebiet
- Moderne Bahnsteige
- Neue Flächen am alten Hbf. werden frei und können (für Wohnen, Gewerbe, Parks, … ) genutzt werden
- kein multizentrisches Busnetz -> Weniger Umstiege -> geringere Fahrzeiten -> Besseres Angebot
- Einsparungen im Busnetz durch zentralere Lage (Linienwege werden verkürzt), aber trotzdem besseres Angebot
- Fast keine Gleise müssen verlegt werden -> Nur kurze Streckensperrungen
Über Kommentare freue ich mich!

1. Für Über-Eck-Verbindungen wie Großkrotzenburg-Friedberg oder Berlin – Odenwaldbahn sind die Umsteigezeiten öfters knapp bemessen. Dabei sind diese auch für Verbindungen wie Berlin – Darmstadt teilweise von Belang. Über-Eck-Verbindungen in die andere Richtung (bspws. Dietesheim – Maintal) sind von deutlich geringerer Bedeutung. Eine derartige Verschlechterung der Anschlüsse in Hanau ist nicht hinnehmbar.
2. Dein vorgeschlagener Hbf wäre deutlich schlechter an das Busnetz angeschlossen! Oder soll die wichtige Buslinie 566 jetzt irgendwelche sinnlosen Umwege fahren, oder den Kurt-Blaum-Platz auslassen? Der Freiheitsplatz wird weiterhin der größte Busknoten Hanaus bleiben.
3. Heute gibt es einen Fußgängertunnel, mit dem alle Gleise zugänglich sind, und zwar jeweils in Bahnsteigmitte. Dagegen wäre die Umsteigesituation innerhalb deines Bahnhofs eine massive Verschlechterung.
4. Aufgrund des Deutschlandtickets (und Google Maps) sind randseitig gelegene Hauptbahnhöfe kein großes Problem mehr, wenn sie gut per Bus an die Innenstadt angebunden sind.
5. Der heutige Hanauer Hbf ist aus Teilen Großauheims fußläufig erreichbar. Der Fußweg ist zwar ob der Lage und Länge nicht jedermanns Sache, wird aber durchaus angenommen. Hinter der Auheimer Straße gibt es durchaus interessante Orte für den Publikumsverkehr. Und in Richtung Stadt befinden sich mit Kurt-Blaum-Platz und Umgebung viele Hotels und Geschäfte. Dass sich Hanau Hbf im Niemandsland befindet, ist so nicht richtig.
6. Die Modernisierung der Bahnsteige mit dreistelligen Gleisnummern (für die Züge Richtung Großauheim/Klein-Auheim) ist doch nahezu abgeschlossen.
Halte ich leider nichts von. Der Hanauer Hbf ist eben auch für den Fern- und Güterverkehr ein wichtiger, nicht ganz unproblematischer Knoten. Mit einer Reduzierung der Durchfahrtsgleise und weniger flexible Nutzung der Bahnsteigsgleise sorgst du schnell für große Probleme im halben Rhein-Main-Gebiet.
Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn ich die Zeichnung richtig verstehe, verbleiben für nordmainische Züge gerade einmal zwei Bahnsteigkanten abzüglich der zwei für die S-Bahn reservierten Gleise. Das ist viel zu wenig, schon alleine für Überholungen. Zudem gibt es keine Wendemöglichkeiten mehr.
Wenn Hanau keinen Bahnhof hätte, wäre das ein guter Vorschlag, so sehe ich außer der besseren Lage aber nur Verschlimmbesserungen.