Beschreibung des Vorschlags
In der Tat braucht Gifhorn eigentlich keine Straßenbahn. Mit seinen 43.000 Einwohnern liegt es in einer Größenordnung mit Gotha oder Nordhausen, so dass eine Straßenbahn eher ein Nice-to-have wäre, doch wenn man auch hier eine Verkehrswende will, könnte man einmal darüber nachdenken.
Der Bahnhof liegt ganz am Stadtrand und ist stolze 3½ km vom Zentrum entfernt, wohlbemerkt in Luftlinie. Diese Distanz kann zum Teil zwar auch mit der Regionalbahn zum Bahnhof Gifhorn Stadt überwunden werden, doch diese hält auch nur an einer einzigen zentraleren Stelle, die immernoch einen Kilometer vom Zentrum entfernt liegt. Wer nicht gerade in das direkte Umfeld dieses Bahnhofs will muss dann weit laufen oder noch einmal umsteigen. Das ist nicht attraktiv.
Mit der von mir vorgeschlagenen Linie würde ein großer Teil Gifhorns mit dem Bahnhof, der Altstadt und weiteren wichtigen Zielen, wie Krankenhaus und Gewerbegebieten mit entsprechenden Arbeitsplätzen verbunden werden.
Genau wie sich auch in Nordhausen der 10-min-Takt bewährt hat, würde ich auch hier einen 10-min-Takt, zumindest tagsüber an Wochentagen, anstreben. Da der Bahnhof jedoch nur von wenigen Zügen angefahren wird, muss die Straßenbahn dorthin nicht so oft fahren, so dass im Süden eine Verzweigung möglich ist. Jeder Ast kpnnte dann im 20-min-Takt betrieben werden.
Eine zweite Linie könnte die Stadt vom Südosten zum Westen hin erschließen, wodurch dann eine Netzlänge von 10,7 km entstehen würde. Vielleicht mache ich das noch. Entsprechend einer Faustregel, nach der etwa 25 km auf 100.000 Einwohner für eine optimale Erschließung sorgen, wäre das bei 43.000 Einwohnern ein nahezu idealer Wert.

Nordhausen und Gotha haben aber bereits ein Straßenbahnnetz und betreiben es nur. Die Kosten für den kompletten Neubau eines Netzes liegen signifikant höher: In Aachen hätte das geplante 12km lange Netz mit ~230 Millionen Euro zu Buche geschlagen, während die jährlichen Betriebskosten nur 4-6 Millionen betragen würden.
Da ausschließlich der Fahrweg, nicht jedoch die Fahrzeuge, Betriebshöfe oder Planungskosten förderfähig sind, muss eine Stadt ungefähr die Hälfte der Kosten selbst stemmen können.
Bei einer Stadt mit 43.000 Einwohnern sind das selbst optimistisch gerechnet noch über 2000 Euro pro Person, für eine fünfköpfige Familie also schon über 10000 Euro.
Zudem sehe ich hier eine massive Verschlechterung des ÖPNV: In einer solch kleinen Stadt ist ein Parallelverkehr von Straßenbahn und Bus völlig unwirtschaftlich, folglich müssen alle Buslinien bereits an einer Haltestelle der Straßenbahn enden und können nicht mehr in die Innenstadt fahren.
Da durch den daraus folgenden Umsteigezwang die Fahrgastzahlen definitiv zurückgehen werden, kann man das regionale Busnetz praktisch komplett einstellen.
Und wofür das Ganze? Nur damit Innerstädtische Fahrten ein klein wenig komfortabler werden?
Mit Verlaub, das ist falsch.
Erstens muss auch ein vorhandenes Netz erneuert werden, wofür keine Bundeshilfen zur Verfügung stehen. Ob man nun Gleise ausbauen und erneuern muss oder nur neue verlegt, macht keinen so gewaltigen Unterschied.
Zweitens muss man nicht so teuer bauen, wie es offenbar in Aachen geplant war. Fast 20 Mio Euro pro Kilometer sind zu viel. In Gifhorn wären auch eingleisige Abschnitte denkbar.
Drittens ist deine Rechnung falsch, da die 2000 Euro pro Person natürlich nach dem GVFG mit 75 % zu unterstützen wären. Das Land Niedersachsen könnte auch etwas dazugeben, dann müssten, wie andernorts auch geschehen, die Bewohner der Stadt nur noch 200 Euro pro Person aufbringen. Auf zehn Jahre verteilt wären das 20 Euro pro Jahr, pro Monat 1,67 €. Es tut mir leid, wenn du dir solche Beträge nicht leisten kannst, aber ich denke, die meisten könnten das und würden das Fehlen dieses Geldes gar nicht bemerken!
Ich weiß natürlich nicht, welche Kosten exakt eingeflossen sind, aber normalerweise sind die Instandhaltungskosten in den Betriebskosten inkludiert.
Ich hab die förderfähigen Bestandteile bereits rausgerechnet: Förderfähig ist ausschließlich der Fahrweg, welcher aber knapp über die Hälfte der Kosten ausmacht. Wenn man die 10% Eigenbeteiligung des Fahrwegs dazurechnet, muss die Stadt also ungefähr die Hälfte der Kosten selbst tragen.
Auf dieses Beispiel bezogen sind es also ungefähr 100 Millionen, die Gifhorn selbst aufbringen muss (wohlgemerkt auf dein Gesamtnetz mit 10,7km). Wenn man auf 86 Millionen abrundet, kommt man auf 2000€ p.P. Es wären somit auf 10 Jahre verteilt schon 16,67€ pro Monat. Und diesen Betrag muss jeder aufbringen: Vom Säugling bis zum Rentner, unabhängig davon, ob man überhaupt im Einzugsgebiet der Straßenbahn wohnt, oder wenn ja, sie auch benutzt
Apropos Förderfähigkeit: Wie willst du eigentlich für die Förderfähigkeit einen eigenen Bahnkörper errichten? Ohne auf Satellitenbildern nachgeschaut zu haben, bezweifle ich es sehr stark, dass in einer Stadt mit 43.000 Einwohnern die Straßen mindestens vierspurig sind.
Fast 20 Mio Euro pro Kilometer sind zu viel.
Die Kosten für den Fahrweg ist ja nur ein wenig über der Hälfte, also 11-12 Mio Euro pro Kilometer.
In Gifhorn wären auch eingleisige Abschnitte denkbar.
Du planst auf dem gemeinsam bedienten Abschnitt einen T10, auf den Außenästen einen T20. Da ist nicht viel Eingleisigkeit möglich.
Und was du vor allem vergisst:
Die Einwohner haben alle bereits eine Art von Mobilität: Entweder ein Auto oder einen Bus. Sind diese immensen Kosten den kleinen Komfortunterschied vom Bus zur Straßenbahn wirklich wert? Für manche Leute bestimmt, aber für die Allgemeinheit nicht.