7 Kommentare zu “Berlin: Regionalverkehr am BER an Kritik anpassen

  1. Ich sehe drei Probleme mit dem Vorschlag. Erstens übersieht er, wie wichtig eine dichte Taktung für Flughafenzubringer ist, zweitens geht er nicht systematisch die Probleme der geplanten Anbindung an, und drittens werden Engpässe durch die Infrastruktur ignoriert.

    Der erste Punkt, Taktung: Bei einem Flug muss man unbedingt pünktlich sein. Wenn man den Anschluss verpasst, wartet man nicht einfach zwei Stunden auf den nächsten Flug, sondern im Zweifel einen ganzen Tag und muss dann auch noch hunderte Euro extra zahlen. Das heißt, man muss immer den Ausfall des Zuges mit einplanen und einen Zug früher nehmen. Von Gesundbrunnen mit der S-Bahn zum Potsdamer Platz und dann FEX ist daher besser als die heutige Situation, obwohl man vom Gesundbrunnen jetzt direkt zum BER kann.

    Zweiter Punkt: Die Probleme der zukünftigen BER Anbindung sind, soweit ich das beurteilen kann:

    • Anbindung aus Spandau: Die hochfrequente Verbindung (S-Bahn zum Hauptbahnhof, dann FEX) braucht sehr lange. Mit RE/RB zum Hauptbahnhof(tief) ist man zwar deutlich schneller, aber dann hat man wieder eine schlechte Taktung.
    • Anbindung aus Richtung Brandenburg(Havel)/Magdeburg: Der Umstieg zur RB22 ist schlecht (also, umsteigen in Potsdam Hbf ist kein Problem, aber die RB22 fährt von da aus halt erstmal die lange Schleife über Golm, und sie fährt halt auch nur alle Stunde).
    • Anbindung aus Ostkreuz: Es gibt zwar in Zukunft weiter einen 30-Minuten-Takt, aber wenn man bedenkt, dass der gesamte Berliner Osten hierüber angebunden ist, dann ist das ein zu dünner Takt.
    • Anbindung aus dem Berliner Süden: Der Süden ist zwar angebunden, aber irgendwie ist keine der Verbindungen wirklich gut: von Rudow und Umgebung muss man in den Bus umsteigen, von Lichtenrade und Umgebung muss man rückwärts über Südkreuz – über Blankenfelde ist keine gute Option wegen des Stundentaktes.

    Der Vorschlag geht zwar auf ein paar der Probleme ein, andere aber nicht, und löst dafür Probleme, die es gar nicht gibt (die Anbindung des BER aus dem Norden – der Norden ist nämlich über die S-Bahn zum Potsdamer Platz und dann FEX ganz gut angebunden).

    Und drittens: Die Infrastruktur.

    • Zu einem Regionalbahnhof an der Buckower Chaussee hat die Bahn schon angemerkt, dass das nichts wird, weil die Strecke dafür zu voll ist. Auf der freien Strecke kann man, wenn kein Zug hält, etwa 12 Trassen pro Stunde und Richtung stabil durchbringen. Verplant sind davon mindestens 8 (vier FEX, zwei RE8, ein RE20, ein IC/EC). Für jeden Zug der hält verliert man praktische eine Trasse (außer die anderen Züge halten auch). Halten zwei Züge pro Stunde, dann wird das noch gehen, aber dann müsste man sich entscheiden: RE 8 oder Flughafen. Interessant wäre es daher, am Glasower Damm einen S-Bahn-Halt plus einem Regionalbahnhalt am Außenring zu bauen – ab dann hätte man von Blankenfelde drei Züge pro Stunde zum BER. Allerdings wäre das auch nicht ganz so ohne Probleme, da es einen Zehn-Minuten-Takt der S2 nach Blankenfelde nicht gerade einfacher macht.
    • Eine Verlängerung des FEX in Richtung Gesundbrunnen hat die Infrago auch schon ausgeschlossen: Der FEX müsste dafür von den Außengleisen auf die Innengleise wechseln, was Kapazitäten im Nord-Süd-Tunnel frisst. Allerdings braucht man diese Verlängerung auch nicht: Gesundbrunnen ist über die S-Bahn ziemlich gut an den FEX angebunden (wer von weiter nördlich kommt, sitzt meist eh schon in der S-Bahn, um erstmal zum Gesundbrunnen zu kommen). Bernau ist über RE9 und RB32 auch im 30-Minuten-Takt an den BER angebunden (wobei Infrago dringend darum bittet, RE9 und RE20 zu kombinieren, um Kapazitäten im Nord-Süd-Tunnel zu schonen). Oranienburg ist jetzt nicht ganz so gut, hier gibt es nur einen 60-Minuten-Takt (wobei man alternativ ja auch am Hauptbahnhof in den FEX umsteigen kann), allerdings ist hier nicht nur der Nord-Süd-Tunnel ein Engpass (der oben erwähnte Gleiswechsel), sondern auch der Abzweig am Karower Kreuz.
    • Und über Spandau kann man auch erstmal nichts weiter schicken, der Bahnhof ist komplett voll.

    Tatsächlich interessant wäre es, einfach alle FEX bis nach Spandau zu verlängern, wenn denn die Strecken und der Bahnhof mal ausgebaut sind. Das würde im Nord-Süd-Tunnel keine Kapazitäten fressen und Spandau eine Express-Anbindung an die Innenstadt im 15-Minuten-Takt bringen – die Anbindung von Spandau an den BER wäre da sogar eher ein Nebeneffekt. Nachteil: Es ginge halt erst, wenn die Hamburger Bahn viergleisig ausgebaut ist.

    1. Deine Kritik irritiert mich stark. Viele davon habe ich doch beschrieben, weshalb ich nicht verstehe, wie du zu der Annahme kommst. Ich gehe darauf mal näher ein:

      1.

      Der jetzt vorgesehen Takt vom HBF zum BER ist 15 min. Hier soll zusätzlich der RE 20 alle Stunde fahren. Ich plane genau den gleichen Takt von HBF zum BER und nur der RE 20 entfällt. Das ist aber nicht tragisch, weil ich ja die Linie 1 diesen Part übernehmen lasse und diesen nur bis Nauen verlängere. Damit bleibt der Takt aus Richtung Cottbus auch unverändert. Also ist ein zu verlässlicher Takt gegeben und das im übrigen am HBF, am Potsdamer und am Südkreuz. Im Vergleich zur Planung kommt bei mir jetzt aber auch ein 30 min Takt ab Gesundbrunnen dazu. Wenn also wie bei dir beschrieben ein Zug ausfallen würde, könnte man immer noch mit der S-Bahn bis zum HBF (S15) oder Potsdamer fahren und dort in den 15 min später fahrenden Zug einsteigen. Ich verstehe deine Kritik daher nicht, da ich ja nur den Verkehr ausweite, aber nichts an der Taktung des FEX ändere.

      2.

      Was ist denn an einem 30 min Takt schlecht? Selbst wenn einer ausfällt, bin ich noch pünktlich am Flughafen. Und selbst dann kann ich immer noch zum HBF vorfahren und dort in eine der 3 anderen Linien einsteigen und verliere vermutlich nicht 30 min, sondern eher 15-20. Fällt die S9 im übrigen aus, muss ich auch 20 min warten. Ich verliere also gar nichts.
      Die Anbindung aus Potsdam ist in der Tat nicht ideal. Allerdings muss man auch sagen, leben dort nicht genug Menschen, dass ein 30 min Takt gerechtfertigt wäre. Daher ist es für alle die schon im RE 1 sitzen vermutlich besser zum HBF zu fahren und von dort zum BER, als in Potsdam umzusteigen. Daran ändert aber auch mein Vorschlag nichts im Vergleich zu dem was geplant ist.
      Es gibt einen 30 min Takt mit dem RB, welcher im übrigen genau so geplant ist. Hinzu kommt noch der 20 min Takt der S85, den du wohl vergessen hast. Das Ostkreuz bleibt weiterhin gut an den BER angebunden. Zudem halten beide RB Linien in Lichtenberg und Hohenschönhausen. Das ist doch gar nicht so schlecht. Nur der S3 Ast und der S5 Ast haben lange Wege. Das ist aber auch bei den heutigen Planungen so.

      3.

      Und warum ignorierst du jetzt, dass ich den RE 20 streichen will? Dann wird ja wieder ein Slot frei. Zudem habe ich doch geschrieben, dass von dort nur ein 30 min Takt gefahren werden soll. Damit wäre sogar ein Halt des RE 8 möglich. Daher verstehe ich die Kritik nicht.
      Der Engpass ist mir bewusst, aber er wird ja gerade durch die zusätzlichen Signale und Weichen behoben. Damit ist es jetzt wesentlich einfacher von außen nach innen und umgedreht zu kommen. Somit sehe ich das Problem nicht.
      Stimmt so ja auch nicht. Man könnte den RB 10 mit der Linie 1 verknüpfen und somit streichen. Es wird also keine Mehrbelegung in diesem Fall geben. Auch der RB 21 könnte Wustermark enden und mit der Linie gekoppelt werden, sodass kein umsteigen notwendig wird. Dann fährt der zwar nicht mehr nach Gesundbrunnen, aber auch der Slot wäre am Bahnhof Spandau nicht belegt. Zudem ist sowieso geplant den Bahnhof auszubauen. Also auch die Kritik ist merkwürdig.

      Ich finds schade, dass du keine Weiterentwicklung der Idee anstrebst und teilweise falsche Voraussetzungen nimmst, die ich gar nicht beschrieben habe.

      1. Die Anmerkung zum Takt war eine grundsätzliche Anmerkung – für einen Flughafenexpress ist eine dichte Taktung wichtiger als eine umsteigefreie Verbindung. Daher sind Vorschläge, die zu einer Aufsplittung führen, weniger geeignet.

        Ein Flughafenexpress hat auch in anderen Bereichen andere Anforderungen als eine Regionalbahn ins Umland:

        • Der FEX braucht Platz für Koffer; Sitzplätze sind wegen der kurzen Fahrtzeit weniger wichtig. Für Pendler mit einem kleinen Aktenkoffer und 30 Minuten Fahrtzeit ist es umgekehrt.
        • Der FEX muss für auswärtige Fahrgäste leicht zu verstehen sein. Im Idealfall immer vom selben Gleis mit der selben Route, so dass man große Schilder anbringen kann: „Hier zum FEX“.
        • Eine regelmäßige, dichte Taktung ist wichtig. Bei Verzweigungen lässt ist es schwieriger, einen regelmäßigen und stabilen Takt hinzubekommen.

        Dein Vorschlag macht aus dem relativ einfachen FEX Konzept (kurze, einfache Route, die nur als Flughafenzubringer dient) ein Hybrid aus FEX und Regionalbahn. Es würde deshalb auf Kompromisse hinauslaufen: Sind die Anschlüsse in Lübben und Cottbus wichtiger, oder der 15-Minuten-Takt des FEX? Ist Platz für Gepäck wichtiger oder Sitzplätze für Pendler?

        Wenn man für diese Kompromisse die größten Probleme der Flughafenanbindung lösen könnte, dann wäre das die genannten Kompromisse bestimmt wert. Aber wie erwähnt sehe ich bei deinem Vorschlag nicht, wie er die großen Probleme löst – die meisten lässt er ungeachtet liegen. (Die Anbindung von Ostberlin verschlechtert sich nicht – sie verbessert sich aber auch nicht. Aus Richtung Spandau wird es nur etwas besser, die Taktung ist weiterhin schlecht. Gleiches Problem im Süden, da wird man wegen der dichteren Taktung oft weiterhin über Südkreuz fahren.)

        1. Das sehe ich anders. Es fängt ja damit schon an, dass das Konzept alle 15 min vom HBF zum BER und umgedreht unangetastet bleibt. Damit werden die Züge ebenso genutzt wie geplant. Es kommt aber zu Verbesserungen im Umland. So bekommt Oranienburg und Bernau einen 30 min Takt zum BER anstatt alle 60 min. Spandau bekommt eine Fahrzeitverkürzung von 1:19 h S9 auf 33-35 min mit einem der 2 FEX Linien die dort halten. Hinzu kommt, dass sowohl Nauen, als auch Wustermark (bzw. noch weiter westlich) eine Direktanbindung alle 60 min erhalten. Das ist alles derzeit nicht vorgesehen. Auch bekommt Cottbus ja den direkten Weg zum Flughafen alle 60 min. Ich will das eben auch auf alle 30 min mit umsteigen verdichten. Was spricht denn gegen diese Angebotsausweitung? Es wird ja keiner umsteigen, der einfach nur zum HBF will, weil das macht der RE 2 ja auch und man kann sitzen bleiben. Auch die Pendler die aus Bernau/Oranienburg den Zug nehmen, werden ja Gesundbrunnen und HBF mehrheitlich aussteigen. Zudem sind es erstmal halb so viele, wie im jetzigen RE, weil ja ein Fahrgastaufwuchs nicht sofort geschieht. Aber selbst bei einem Aufwuchs von 20%, werden nur 60% der Auslastung der jetzigen Züge erreicht. Das ist doch händelbar mit dementsprechenden Zügen. Es ist ja nur der Cottbus Zug, der wirklich eine größere Strecke fahren soll. Der Rest kann mit mehr Platz für Gepäck gut umgehen.

          Aber auch Ostberlin verbessert sich. Ich will ja auch den RB 24 und 32 im nahezu 30 min Takt fahren lassen. Das ist derzeit so nicht vorgesehen. Daher ist meine Idee attraktiver.

          Auch im Süden ist das nicht das Problem. Denn Buckower Chaussee wäre nicht soweit weg vom Südkreuz. Sollte also warum auch immer etwas passieren, kann man noch dorthin fahren. Das müsste man vermutlich aber eh, da ja dann irgendwas mit der Strecke sein wird.

  2. Was ist denn an einem 30 min Takt schlecht? Selbst wenn einer ausfällt, bin ich noch pünktlich am Flughafen.

    Für Geschäftsreisende ist es durchaus üblich, erst eine Stunde vor Abflug am Flughafen zu sein. Da ist kein Puffer von einer halben Stunde vorhanden. Und auch für Wochenendtouristen macht es einen merklichen Unterschied, ob sie 30 Minuten mehr Puffer einplanen müssen – das ist 1% ihrer Urlaubszeit.

    1. Das stimmt soweit. Aber da ist auch ein 15 min Takt problematisch, denn die meisten Airlines schließen den Check-In 30 min vor Abflug oder sogar früher. Da ich aber ab HBF ja genau diesen Takt plane, ist das ja eher ein Zugewinn. Alleine die Spandaufahrt halbiere ich ja. Auch Bernau, Oranienburg oder auch Gesundbrunnen kriegen einen schnelleren Anschluss an der BER, haben aber immer ein Backup verfügbar.

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