Beschreibung des Vorschlags
Solange die Regeln für den Eurotunnel nicht entsprechend gelockert werden, besteht für direkte Züge aus Deutschland ins Vereinigte Königreich ein Bedarf an Terminals für die Gepäckkontrolle (und Ausweiskontrolle, wobei diese auch problemlos während der Fahrt in den Zügen durchgeführt werden kann). Als relevante Halte wurden in der Vergangenheit insbesondere Köln und Frankfurt benannt.
Am Frankfurter Hbf gibt es noch kein geeignetes Terminal und der Knoten ist bereits überlastet. Ein Terminal am Flughafen könnte die Zeit überbrücken, die es braucht, ein Terminal am Hbf zu errichten und danach als Zusatzhalt dienen. Denkbar wäre auch, dass der Hbf als reiner Ausstiegshalt in dieser Übergangszeit angefahren wird. Der Zug könnte dann am Hbf Kopf machen und sowohl dort im Gleisvorfeld als auf dem Weg zum Flughafen könnten notwendige Reinigungs- und Service-Arbeiten vor der nächsten Fahrt durchgeführt werden.
Der Regionalbahnhof des Frankfurter Flughafens wurde vor dem Bau des Fernbahnhofs häufiger von Fernverkehrszügen angefahren, als dies heute der Fall ist und verfügt über ein Überholgleis (Gleis 2) in Mittellage. Regulär werden Gleis 1 Richtung Frankfurt und Gleis 3 Richtung Kelsterbach angefahren. Nur vereinzelt wird Gleis 2 genutzt und die Zulaufstrecken sind zweigleisig. Gleis 2 und 3 teilen sich einen ca. 400m langen Mittelbahnsteig. Gleis 1 hat einen ca. 210 m langen Bahnsteig mit separaten Aufgängen. Dieser Bahnsteig ist baulich mit Trennwänden recht einfach vom restlichen Bahnhof separierbar und es bestehen Räumlichkeiten (im darüberliegenden Stockwerk), die für die Sicherheitskontrollen und Aufenthaltsräume (für die 540 Passagiere eines Zuges) umgenutzt werden könnten. Am schnellsten umzusetzen wäre wohl, direkt an den Rolltreppen und am Aufzug die Personen- und Gepäckkontrolle einzurichten, den auf dem Gleis 1 zum Boarding bereitstehenden Zug als Warteraum zu nutzen und ggf. die Ausweiskontrolle erst (flexibel) im Zug während der Fahrt Richtung Köln, spätestens aber vor Calais durchzuführen. Das wäre deutlich komfortabler und ohne lange Boardingzeiten wie in Brüssel oder London momentan, bedeutet aber auch, dass der Zug mindestens 30 Minuten, eher 60 Minuten am Gleis steht, was dann in dem Zeitraum nicht für Überholungen zur Verfügung steht.
Vorgeschlagen wird, den Bahnsteig am Gleis 1 so umzubauen, dass alle notwendigen Funktionen eines Eurotunnel-Terminals erfüllt werden für die Abfertigung von Einfachtraktionen, die z.B. in Köln mit einem weiteren Zugteil gekoppelt werden könnten. Die von Eurostar bestellten Doppelstockzüge passen in Einfachtraktion mit einer Länge von 200 m auch an den kürzeren Bahnsteig von Gleis 1. Der Regionalverkehr Richtung Frankfurt würde dann von Gleis 1 auf Gleis 2 verlegt. Das Gleis 1 stünde in den Zeiten, wo es nicht durch Züge nach/von London belegt ist, weiterhin für Überholungen, nicht jedoch für Halte zur Verfügung. Synergien mit der Kontrollinfrastruktur des Flughafenterminals könnten den Umbau zu einem Eurotunnel-Terminal erleichtern. Das Umsteigen zwischen Fernbahnhof zum Mittelbahnsteig (Gleis 2 und 3) ist mit dem direkten Aufzug schneller als zu Gleis 1, was dem Regionalverkehr zuträglich wäre. Im Rahmen z.B. der Regionaltangente West ist mit mehr Halten am Regionalbahnhof zu rechnen. Für flexiblere Halte an Gleis 2 und 3 könnten diese für das Halten zweier Züge hintereinander ausgerüstet werden. Regionalexpress-Linien könnten ggf. an den Fernbahnhof verlagert und somit gleichzeitig auch beschleunigt werden, falls im Fernbahnhof freie Kapazitäten vorhanden sind und im Regionalbahnhof Engpässe entstehen.

Da mit der Regionaltangente West in absehbarer Zeit die Auslastung des Regionalbahnhofes deutlich ansteigen wird sehe ich es skeptisch, eines der drei Gleise dauerhaft für den Eurotunnelverkehr zu blockieren. Gleichzeitige Halte in eine Richtung sind dann nicht mehr möglich.
Aber langfristig sehe ich, dass der Regionalbahnhof eine Kapazitätserweiterung braucht.
Da gibt es drei Dinge, die Du nicht berücksichtigt hast.
1. Der Eurostar wird nicht nur bis zum Flughafen Frankfurt geführt, sondern bis zum Frankfurter Hauptbahnhof. Warum soll er dann die letzten knapp 15 km auf einem S-Bahn-Gleis verbummeln. Nur damit Gäste schneller zum Flughafen kommen? Warum hat man dann nicht den ganzen Fernbahnhof schon als Tunnellösung in Nähe des Regionalbahnhofs gebaut?
2. Die RTW (Regionaltange West) wird ja auch noch kommen. Da wird als Anfahrpunkt wirklich auch das zweite Gleis als Bahnsteig beworben. Daher ist da kaum ein wirklicher Platz, um dort einen Fernzug wenden zu lassen. Aus Platzgünden wäre es auch kaum umsetzbar, dort eine Zwischenstation zu erstellen, die aus der Schnellfahrstrecke in den Bahnhof einen weiteren Fernbahnhof machen würde.
3. Ob eine wirkliche Kapazitätserweiterung notwendig ist, möchte ich nicht bezweifeln. Eine Erweiterung des Regionalbahnhofes ist im Rahmen der RTW nicht geplant, auch wenn ein 15-Minuten-Takt durch die beiden neuen Linien kommen soll. Sicherlich wäre ein Ausbau sinnvoll, um auch eine Engstelle im Fahrtplan zu beseitigen. Da aber die S-Bahnen durchaus ausreichen, wenn die Bahnsteige nur eine Länge von 210 m haben. Die 420 m langen Bahnsteige waren aus der Planung des Regionalbahnhofs halt für den Fernverkehr gedacht, der kurze Bahnsteig war aus der Zeit, wo die S-Bahn nur zwischen Hbf. Flughafen fuhr. Gerade wo heute schon zwei S-Bahn-Linien und zwei Regionalbahn-Linien am Bahnhof halten. Dazu kommen natürlich auch noch die beiden Regionalbahn-Linien, die am Fernbahnhof halten.
4. Der Eurostar wäre sicherlich ungeeignet, ihn als „Ergänzungs-S-Bahn“ auch am Regionalbahnhof halten zu lassen, nur weil es näher am Airport ist. Entweder sind Urlauber an Bord oder Geschäftsleute. Die erstgenannte Gruppe steigt in der Stadtmitte ein, auch wegen der Kosten für das Parken. Die Geschäftswelt würde wohl, wenn sie aus Brüssel, Köln oder London nach Frankfurt wollen, um dort umzusteigen, wohl den Flug wählen, um nach FFM zu kommen.
5. Viele Nutzer der IC/ICEs, die aus der Geschäftswelt am Fernbahnhof ankommen, wollen auch nicht nur in das Terminal wechseln. Das „The Squaire“ ist ein Arbeitsplatz für sehr viele Leute, die auch teils aus Köln, Stuttgart, usw. per Fernverkehr direkt zum Arbeitsplatz pendeln. Für die wäre es durchaus sinnvoller, dass der Eurostar auch am Fernbahnhof hält.
Zu 1.: Momentan wird der Eurostar gar nicht bis Frankfurt geführt, weil das Terminal fehlt. Die Fahrt auf dem S-Bahn-Gleis ist sicherlich nicht optimal, aber im Verhältnis zur gesamten Fahrzeit und den kontrollbedingten Wartezeiten marginal und wer nicht aus Frankfurt anreist kann sich ggf. einen Umweg über den Hbf sparen. Das Leute schneller zum Flughafen kommen, ist kein Grund für den Vorschlag. Der Flughafen ist aber auch wichtige Schnittstelle zwischen Fern- und Nahverkehr.
Zu 2.: Den Einwand verstehe ich nicht ganz. Das Foto zeigt Gleis 3 und auch Gleis 2 soll gar nicht vom Eurostar genutzt werden. Das Gleis 1 ist zwar von der Länge her nicht auf lange Fernzüge ausgelegt, aber die bestellten Doppelstockzüge passen da in Einfachtraktion hin und der Bahnsteig bietet die genannten baulichen Vorteile. Eine Vereinigung zur Doppeltraktion finde ich sinnvoller erst in Köln durchzuführen, damit jedes Terminal nur 540 Passagiere pro Zug stemmen muss und die Wartezeiten sich im Rahmen halten.
Zu 4.: Der Eurostar kann allein aufgrund der Sicherheitskontrollauflagen keine Ergänzungs-S-Bahn sein, dafür ist der auch von den langsamen Boardingzeiten gar nicht drauf ausgelegt. Der Regionalbahnhof ist vom Hbf aus hervorragend angebunden, mit dem Fernverkehr ist es auch nicht viel schneller zum Flughafen.
Zu 5.: The Squaire und der Fernbahnhof sind vom Regionalbahnhof aus gut fußläufig zu erreichen. Als Ausstiegshalte kämen auch der Fernbahnhof und der Hauptbahnhof infrage, wenn die Sicherheitsauflagen das zulassen. Und wer aus deutschen Großstädten zum The Squaire pendelt, will in erster Linie da hin und nicht nach London. Für innerdeutsche Verbindungen ist der Eurostar aufgrund der Sicherheitskontrollen ohnehin nicht attraktiv.