Beschreibung des Vorschlags
Dieser Vorschlag für eine oberirdische Niederflurstrecke hat vier Motivationen:
- Die Kölner Nord-Süd-Fahrt ist eine 8-spurige Straße durch das absolute Zentrum der Kölner Innenstadt. Sie ist ein Vermächtnis der Vision einer „autogerechten Stadt“ und erzeugt eine absolute Trennwirkung für alle, die nicht im Auto sitzen. Im neuen KFZ-Grundnetz der Stadt Köln ist sie nicht mehr enthalten, ich erwarte daher bald eine Debatte, wie dieser Raum zukünftig aufgeteilt werden soll. Es wäre fast schon fahrlässig, dort keine Straßenbahntrasse unterzubringen.
- Im Kölner Mediapark sind ca. 250 Firmen ansässig. Von der Haltestelle Christophstr./Mediapark zum zentralen Platz sind es jedoch ca. 500m Fußweg. Während eine direkte Anbindung des Platzes unrealistisch ist, soll dieser Vorschlag den Fußweg zur nächsten Haltestelle halbieren.
- Die Strecke der Linie 5 durch Neuehrenfeld ist ein Fremdkörper im Kölner Hochflur-Stadtbahnnetz: Sie ist die einzige, die straßenbündig trassiert ist auf Dauer nicht vollständig vom anderen Verkehr getrennt werden kann. Der Rest der zukünftigen Strecke der Linie 5 bis Meschenich ist dagegen vollständig als Tunnel ausgebaut oder als besonderer Bahnkörper vom KFZ-Verkehr getrennt und hat so komplett andere Charakteristiken. Im Niederflur-Netz sind sind straßenbündige Strecken deutlich häufiger zu finden, zum Beispiel auf den Ästen nach Zollstock und nach Sülz, und die Niederflurbahnsteige fügen sich dort deutlich besser ins Straßenbild ein. Aus meiner Sicht sollte man daher darüber nachdenken, die Strecke durch Neuehrenfeld ins Niederflurnetz zu integrieren.
- Laut den aktuellen politischen Beschlüssen soll es auf der Ost-West-Achse zukünftig eine oberirdische und eine unterirdische Strecke geben. Da die oberirdische Strecke bisher nur eine Anschlussstrecke nach Sülz und eine nach Porz hat, wäre es naheliegend, weitere Strecken an die oberirdische Strecke anzuschließen.
Umbau Butzweilerhof ↔ Gutenbergstraße
Der Neuehrenfelder Ast wird vollständig auf Niederflur-Bahnsteige umgebaut. In der Zeichnung beginnt die Strecke an einer neuen Haltestelle Butzweilerhof West, da der bestehende Streckenast nach Sparkasse Am Butzweilerhof von einer neuen, beschleunigten Hochflur-Linie übernommen wird. Sollte der verlinkte Vorschlag nicht parallel umgesetzt werden, kann die hier beschriebene Niederflurlinie natürlich auch an der Haltestelle Sparkasse Am Butzweilerhof beginnen. Falls er doch parallel umgesetzt wird, würde die neue Niederflurlinie vor allem der Feinerschließung dienen, daher könnte man auch darüber nachdenken die Haltestelle Iltisstraße durch zwei Haltestellen zu ersetzen – allerdings ist in diesem Bereich nicht viel Platz für Bahnsteige.
Neubaustrecke Gutenbergstraße ↔ Heumarkt
Hinter der Haltestelle Gutenbergstraße nutzt die neue Linie die bestehende Tunnelrampe. Unterirdisch wird dann ein höhengleicher Abzweig gebaut. Durch den kurzen Tunnel unterquert die neue Linie die komplizierte Kreuzung der Inneren Kanalstraße mit Autobahnausfahrt sowie den Bahndamm. Hinter dem Bahndamm endet der Tunnel in einer Rampe auf der heutigen Brachfläche. Der alte Abzweig zum Bf West bleibt als Betriebsstrecke erhalten. Solle der Tunnelabzweig technisch nicht möglich sein, wird die Bahn hinter der Haltestelle Gutenbergstraße straßenbündig an der Tunnelrampe vorbeigeführt.
In der Erftstraße wird die Strecke straßenbündig angelegt. Wegen der engen Straßenverhältnissen und der Kurvenradien müssen die Streckengleise im Bereich des Mediaparks getrennt werden. Es werden zwei Haltestellen zur besseren Anbindung des Mediaparks eingerichtet.
Die Adolf-Fischer-Straße wird für den MIV gesperrt. Danach muss die Strecke auf einem kurzen Stück durch den Klingelpützpark geführt werden, durch eine Trassierung möglichst nah an der Schule soll der Eingriff aber möglichst gering gehalten werden. In der Victoriastraße wird die Strecke im Mittelstreifen geführt, dort deckt die neue Haltestelle Klingelpütz ein bisher schwach versorgtes Gebiet der Innenstadt ab.
Nun biegt die Strecke auf die Nord-Süd-Fahrt ein. Hier möchte ich mir offen halten, ob…
- … die neue Strecke die bisherigen MIV-Tunnel nutzt.
- … der MIV nur noch durch die Tunnel geleitet wird und die oberirdischen Straßen für städtebauliche Entwicklung inkl. Straßenbahn freigegeben werden.
- … der nördliche Tunnel komplett zugeschüttet wird und damit ein komplett neu planbarer Straßenzug entsteht.
Die Lage der Haltestellen ist auf der Karte daher nur exemplarisch und hängt von der gewählten Variante ab.
Nun kommt der gewagteste Teil meines Vorschlags: Ich möchte vorschlagen, die beiden existierenden MIV-Verbindungstunnel zwischen der Nord-Süd-Fahrt und der Cäcilienstraße für den MIV zu sperren und für die Straßenbahn umzubauen. So würde die neue Linie am Heumarkt Anschluss an die Ost-West-Stadtbahn und die Nord-Süd-Stadtbahn erhalten. Auch alternative Varianten wie zum Beispiel hier sollen geprüft werden. Sollte eine Verbindung zur oberirdischen Ost-West-Achse absolut unmöglich sein, würde die neue Strecke in der Mitte der Neuköllner Straße weiter in Richtung Süden geführt werden (siehe hier).
Bedienkonzept
Ich schlage vor, die Linie 7 aus Porz kommend über die neue Strecke nach Butzweilerhof zu führen. Wie bisher werden 60m-Züge im 10-Minuten-Takt eingesetzt. Der bisherige Streckenast der Linie 7 nach Frechen wird in den neuen Ost-West-Tunnel geleitet und z.B. nach Ostheim, Neubrück oder Königsforst geführt.
Gesamtkonzept
Dieser Vorschlag ist Teil eines Netzkonzepts, das die heute noch verstreut verlaufenden straßenbündigen Abschnitte in Köln zu einem attraktiven, eigenständigen Niederflur-Straßenbahnnetz zusammenführt. Dieses Netz wäre konsequent auf Züge mit maximal 60 Metern Länge ausgelegt und primär für die Feinerschließung des Stadtgebiets konzipiert. Ziel ist ein klarer Strategiewechsel weg vom bisherigen Kölner “Flickenteppich”, bei dem einzelne Linienabschnitte stark voneinander abweichende Ausbaustandards aufweisen, hin zu einer klaren Trennung zwischen einem hochwertigen Straßenbahnnetz und vollständig vom Individualverkehr getrennten Metrolinien. Dabei sollen auch die Straßenbahnstrecken deutlich erweitert werden, um die spezifischen Stärken des Systems bestmöglich zur Geltung zu bringen.
| 6 | Butzweilerhof West ↔ Venloer Str./Gürtel ↔ Universität ↔ Pohligstr. ↔ Marktstr. (↔ Poll ↔ Kalk ↔ Mülheim) |
Vorschlag Erweiterung Mülheim |
| 7 | Butzweilerhof West ↔ Mediapark ↔ Heumarkt ↔ Porz Bf | dieser Vorschlag |
| 8 | Langel ↔ Porz ↔ Poll ↔ Bf. Deutz ↔ Deutz-Mülheimer-Str. ↔ Mülheim | ähnlich zu hier |
| 9 | Sülz ↔ Bf. Süd ↔ Neumarkt ↔ Heumarkt ↔ Bf. Deutz ↔ Deutz-Mülheimer-Str. ↔ Mülheim | |
| 10 | Marktstr. ↔ Ulreporte ↔ Severinstr. ↔ Mediapark ↔ Nippes S-Bahn ↔ Bilderstöckchen | Vorschlag |
| 11 | Zollstock Südfriedhof ↔ Pohligstr. ↔ Ulreporte ↔ Severinstr. ↔ Breslauer Platz/Hbf | Vorschlag |
| 12 | Zollstock Südfriedhof ↔ Pohligstr. ↔ Universität ↔ Venloer Str./Gürtel ↔ Nippes S-Bahn ↔ Lohsestr. | Vorschlag |
Ergänzt wird das Gesamtkonzept durch eine Neubaustrecke für die Linie 5 zwischen Akazienweg und Butzweilerhof.
Das Netzkonzept soll beispielhaft die das Potenzial der Grundidee eines eigenen Straßenbahnnetzes illustrieren. Alle Vorschläge sind grundsätzlich so ausgelegt, dass sie mit leichten Anpassungen auch einzeln realisiert werden können. In der Kombination entfalten sie jedoch erhebliche Synergien, da neue Streckenabschnitte von mehreren Vorschlägen gemeinsam genutzt werden.
Verwandte Vorschläge
Den Abschnitt über die Nord-Süd-Fahrt haben alex8055s und Jan_Lukas schonmal in ähnlicher Form vorgeschlagen.

In dem Bereich ist im Straßenraum insgesamt nicht sehr viel Platz. Daher würde ich es bei den jetzigen Haltestellen belassen, auch wenn hier eigentlich die Feinerschließung höher steht.
Die Stelle hier würde ich anders lösen. Bei der Kreuzung Maybachstraße/Am Kümpchenshof ist der Kurvenradius gerade so groß genug um die Stadtbahn aufzunehmen, daher würde ich hier beide Gleise ganz stumpf wie folgt führen: Erftstraße – Maybachstraße – Am Kümpchenshof – Kyotostraße. Wenn beide Gleise beieinander liegen macht es das ganze für Fahrgäste signifikant einfacher zu verstehen, außerdem können die umliegenden kleineren Straßen gleich bleiben.
Zu bemängeln sind hier natürlich die fehlenden Umsteigemöglichkeiten, sowie zu den Ringen als auch zum Innenstadttunnel. Daher habe ich überlegt, ob nicht vielleicht die Gladbacher Straße – Christophstraße – Gereonstraße mit enger Kurve an der Kreuzung zur Nord-Süd-Fahrt besser geeignet sind? Hier könnte man Umsteigehaltestellen an der (H) Christophstraße/Mediapark und nördlich des Zeughauses bauen. Der Umsteigeweg Appellhofplatz (Breite Straße) – Appellhofplatz (Zeughaus) ist ja heute schon nicht der kürzeste, den Weg weiter bis zur Gereonstraße muss man dann hier wohl in Kauf nehmen. Für diesen Gegenvorschlag müsste der genannte Straßenzug dann natürlich erneut komplett umgestaltet werden, für Radfahrer würde das wahrscheinlich den Verlust ihrer eigenen Spuren bedeuten. Daher bin ich mir auch selbst nicht sicher, ob nicht doch eine etwas nördlichere Führung die bessere ist.
Das war tatsächlich zuerst auch mein Plan – bei genauerer Betrachtung habe ich dann allerdings gemerkt dass die Kreuzung Maybachstraße/Am Kümpchenshof doch problematisch ist: Wenn man den aktuellen Spurverläufen der Straße folgt, sind die Kurvenradien zu eng. Eine MIV-Spur pro Richtung wäre ausgerechnet im Kreuzungsbereich wohl problematisch – hier ist relativ viel Verkehr zur A57-Auffahrt und dann würde auch die Straßenbahn im Stau stehen. Man könnte überlegen die Tiefgarageneinfahrt zu verlegen, ich wüsste aber nicht wohin und ich weiß auch nicht, wie viel das bringen würde.
Zwei Streckengleise durch die Bremer Straße habe ich wegen der Kurvenradien an der Kreuzung Bremer Str./Maybachstr. leider auch verworfen.
Grundsätzlich gebe ich dir Recht, dass eine Variante ohne Verzweigung einfacher zu verstehen wäre, ich habe aber leider keine geeignete gefunden.
Ja das habe ich auch überlegt und das sollte man definitiv als Variante untersuchen. Ich habe mich dann allerdings aus mehreren Gründen für die nördliche Variante entschieden: