Beschreibung des Vorschlags
Der öffentliche Personennahverkehr zeigt sich in Witten in Form eines historisch gewachsenen Netzes, welches in der Vergangenheit nur widerwillig und maximal in kleinen Aspekten geändert wurde. Wo dies früher aufgrund von weniger gravierenden finanziellen Problemen nicht so tragisch war, schaden die Missstände des Netzes den Bürgern der Stadt und den Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs heute sehr, weil Neuprojekte aufgrund des ausgegeben Geldes für Umsetzung und Betrieb nicht realisiert werden und bestehende Linien häufig dauerhaft unterversorgt (Stichwort: überfüllte Busse) bleiben. Demgegenüber existieren ironischerweise auf einzelnen Streckenabschnitten im Stadtgebiet Überkapazitäten (Stichwort: halb gefüllte Busse, die hintereinander fahren). Gerade der letzte Punkt ist kritisch zu betrachten, da Witten momentan auch zu den Städten gehört, die die Grenzwerte der EU bezüglich Luftbelastungen dauerhaft überschreiten.
Der ÖPNV in Witten müsste daher derart umgeändert werden, dass er – auch gegenüber dem motorisierten Individualverkehr – attraktiver wird, an überkapazitären Stellen auch Kosten einspart und diese Gelder für andere Strecken im Stadtgebiet frei macht.
Zur Realisierung meines Vorschlags gehört:
– Abbau von schädlichen Parallelverkehren gegenüber der Straßenbahn
– Abbau von Fahrten in überversorgten Streckenabschnitten, inkl. der kritischen halb leeren Pulkfahrten
– Beschleunigung des ÖPNVs durch Einsparung von Schlenkern im Linienverlauf
– Reaktivierung von stillgelegten Straßenbahnstrecken im Stadtgebiet
– Neue Schienenstrecken zur Stärkung der vorhandenen Straßenbahn
Phase 2 – Mittelfristig zu realisierende Maßnahmen: Teil 1
Verlängerung der bestehenden Straßenbahnlinie 310 über die derzeitige Endstelle Heven-Dorf hinaus zum Kemnader See
Schaffung einer komfortablen Umsteigehaltestelle zu dem für Phase 1 vorgeschlagenen Bus Niedersprockhövel/Kämpen – Herbede – Bochum-Querenburg
Im ersten Schritt der mittelfristigen Phase zur Umgestaltung des Nahverkehrs in Witten empfiehlt sich eine Schienenanbindung des Kemnader Sees durch Verlängerung der bestehenden Linie 310 um eine Haltestelle.
Begründung:
Die derzeitige Endstelle der Straßenbahn, Heven-Dorf, verfügt über keinerlei wichtige Ziele in ihrer Umgebung. Aus diesem Grund sind die Bahnen regelmäßig wenig gefüllt bis leer, wenn sie an der Haltestelle Heven-Dorf ankommen oder abfahren.
Die Anbindung des touristisch wie freizeitmäßig wichtigen Ziels Kemnader See erfolgt dagegen momentan ausschließlich mit Bussen. Zu Zeiten des Zeltfestival Ruhr sind die Busse überlastet. An Sommer-Sonntagen existieren zwar 4 Fahrten je Stunde und Richtung. Es fahren dabei jedoch je zwei Busse unterschiedlicher Linie im Pulk hintereinander. Einer der beiden Standardbusse ist dabei in der Regel fast leer. Der Linienweg beider Busse ist lang und unattraktiv. Die Kosten für die Überkapazität (2 Fahrzeuge, 2 Fahrer) sind untragbar, der 30-Minuten-Takt und der Fahrkomfort über einen längeren Zeitraum sehr unattraktiv. Die Anfahrt von Freizeitinteressenten erfolgt dementsprechend momentan im großen Stil im motorisierten Individualverkehr.
In einem weiteren Beitrag habe ich vorgeschlagen, den Busparallelverkehr auf der Relation Hauptbahnhof – Heven-Dorf durch Einstellung des Busses 320 im Bereich Heven zu beenden. Um die vorgeschlagene Ersatzmaßnahme, einen Bus zwischen der Ruhr-Universität und Sprockhövel bzw. Kämpen über Herbede umsteigetechnisch attraktiv zu gestalten, ist eine komfortable Umstiegsstelle zur Straßenbahn von und nach Witten-Mitte unumgänglich.
Da die derzeitige Straßenbahn-Endstelle als dauerhafte Schienen-Endstelle – wegen fehlenden Zielen, wie erwähnt – keinen Sinn macht, sollte die neue dauerhafte Umstiegsstelle am Kemnader See angelegt werden. Der genannte Bus könnte sodann zukünftig über Hafen-Heveney geführt werden, da dort mehr Fahrgastpotential existiert als über den sonst erforderlichen Weg via Kleinherbeder Straße. Dies brächte eine weitere Einsparung von Bus-Kilometern, da eine Anbindung der Busstrecke Hafen-Heveney – Botanischer Garten – Gesundheitscampus generell erforderlich ist. Ohne die hier genannte Straßenbahnverlängerung müsste also zusätzlich der in Phase 1 vorgeschlagene Bus zur Ruhr-Universität dauerhaft über die Kleinherbeder Straße verkehren, bildete dabei einen Parallelverkehr zu dem Bus via Hafen-Heveney und sorgte damit seinerseits für eine fehlende Einsparmöglichkeit.
Vorgeschlagener Takt:
Aufgrund der Wichtigkeit des Ziels Kemnader See und in Anpassung an den zukünftigen S-Bahn-Takt im Ruhrgebiet empfiehlt sich der 15-Minuten-Takt für die gesamte Straßenbahnlinie.
Begründung:
Die vorgeschlagene Verlängerung besteht nur aus einer zusätzlichen Haltestelle mit vermutlich deutlich höherem Fahrgastpotenzial als die bisherigen letzten drei Haltestellen zusammen. Derzeit wird montags bis freitags ein 20-Minuten-Takt, samstags ein 15-Minuten-Takt und sonntags ein 30-Minuten-Takt bis Heven-Dorf gefahren. Ein zeitweises Linienende in Heven-Dorf oder noch vorher und der damit vermutlich einhergehende 30-Minuten-Takt zum Kemnader See brächte kaum Einsparungen, würde aber zu einer deutlichen Verschlechterung des Nahverkehrs in dem Bereich führen.
Ein seltenerer Takt als 4 Fahrten je Stunde und Richtung ist für eine modernisierte oder neu gebaute Straßenbahnstrecke eher ungewöhnlich, wenn auch bei Endabschnitten zuweilen vertretbar. In diesem Fall brächte dies eine Verschlechterung der Anbindung des Kemnader Sees, was nicht das Ziel der Verkehrsplanung sein sollte.

Gerade auch, um die Schadstoffbelastung zu reduzieren, würde mir ein Straßenbahnausbau in dieser Art besser gefallen. Es könnten mehr Busse ersetzt und vor allem auch Autofahrer in den Schienenverkehr gelockt werden. Mit Bussen kann man Autofahrer nicht locken, egal ob sie elektrisch oder mit Diesel fahren.
Die Führung zum Kemndaer See halte ich für ungünstig, da dort außerhalb des Ausflugsverkehrs vermutlich nur wenig Fahrgäste zu erwarten wären.
Dies ist ja auch als mittelfristige Idee anzusehen. Ich würde behaupten, dass sie der Straßenbahn in Witten und dem Kemnader See einen enormen Aufschwung bereiten würde.
Das momentane Ende der Schienenstrecke ist keinesfalls einer Straßenbahn würdig und einen größeren zentralen Knotenpunkt würde ich mir lieber am Kemnader See wünschen, denn Heven-Dorf. Am Kemnader See soll ja auch ein Hotel entstehen. Vielleicht bringt die Bahn auch ein weiteres, dann gut angebundenes Wohnviertel oder kann in Kombination mit einem Pendlerparkplatz die Abgas- und Verkehrsprobleme in Witten entschärfen (der Autobahnanschluss ist ja direkt nebenan).
Langfristig kann die Reaktivierung der Straßenbahn in Herbede in Angriff genommen werden. Vorher braucht man dazu jedoch eine stärkere Brücke über die Ruhr und politischen Rückenwind. Beides scheint langsam aufzukommen. Die Brückenplanungen laufen (ich hoffe auf eine Parallellösung, damit die denkmalgeschützte und einzigartige Omegabrücke erhalten bleibt); der Klimawandel und Fridays for Future begünstigen so langsam auch teureren ÖPNV-Ausbau.
Doch wie man es dreht und wendet. Herbede wird noch Jahre auf die Schienenreaktivierung warten – und ist auch selbst schuld, da sie die Straßenbahn einst weghaben wollten!