Beschreibung des Vorschlags
Palma de Mallorca (400.000 EW) wird überwiegend durch den Busverkehr erschlossen, seit 2007 existiert mit der Metro de Palma aber ein innerstädtisches Schienenverkehrsmittel. Neben städtischen Bussen kommen auch zahlreiche regionale Buslinien hinzu, die die Inselhauptstadt Palma mit der gesamten Insel verbinden. Es gibt aber zu einigen Orten auch Zugverbindungen ab Palma. Hauptknotenpunkt der Busse und Bahnen ist der Hauptbahnhof (Estació Intermodal de Palma) an der Placa Espanya, im folgenden einfach als Palma Hbf bezeichnet. Vorplatz des Hauptbahnhofs ist die Placa Espanya, auf der sich auch die Bushaltestelle kommunaler Busse befindet. Der eigentliche Hauptbahnhof liegt unterirdisch neben der Placa Espanya und besteht aus einem zehngleisigen Kopfbahnhof für die Metro Palma und die Regionalzüge sowie einem unterirdischen Busbahnhof für die Überlandbusse; ursprünglich war er ein oberirdische Kopfbahnhof, der zwei Ebenen tiefer gelegt und über dem ein Park angelegt wurde.
Wie bereits erwähnt, existiert mit der Metro Palma ein innerstädtisches Schienenverkehrsmittel. Allerdings besteht diese seit 2022 nur noch aus einer Linie (M1) und diese verkehrt seit ihrem Bau nur nördlich des Hauptbahnhofs. Sie wurde 2007 errichtet, um die etwas außerhalb gelegene Universität der Balnearen besser an Palma anzuschließen. Erweitert wurde die M1 bisher auch nur in Richtung Norden. Leider beschränkt sich so ihr verkehrlicher Nutzen aber auch nur auf einen Universitätszubringer. Es ist nämlich so, dass die Innenstadt Palmas südlich des Hauptbahnhofs liegt. Ebenso liegen südlich des Hauptbahnhofs auch der Hafen mit Kreuzfahrterminal und die ganzen Strände, welche sicherlich als Touristen-Hotspots auch Verkehrs-Hotspots sind. Auch ist der Flughafen der Insel bisher nur mit Bussen erreichbar. Es lässt sich also durchaus feststellen, dass genug Potential besteht, die Metro Palma über den Hauptbahnhof hinaus nach Süden zu verlängern.
Die Metro Palma wird als Voll-U-Bahn betrieben. Jedoch werden auf der Metro Palma Hochflurbahnen mit Oberleitung eingesetzt, sodass ihr Wagen-Material mit Hochflur-Stadtbahnen vergleichbar ist. Deswegen ist ein Ausbau der Metro Palma auch als Hochflur-Stadtbahn und nicht zwingend als Voll-U-Bahn möglich. Das sollte auch ausgenutzt werden, da bereits Mallorca selbst festgestellt hat, dass eine Voll-U-Bahn für die Inselhauptstadt bei 400.000 EW doch ein wenig zu groß ist; tatsächlich wurde dann öffentlich eine Straßenbahn statt einer U-Bahn vom Hauptbahnhof zum Flughafen geplant. Diese Idee greife ich hier im Vorschlag auf und verlängere die Metro-Linie M1 als Hochflur-Stadtbahn-Linie. Eine Stadtbahn ist ein Mittelding zwischen Straßenbahn und Voll-U-Bahn. Sie verkehrt sowohl wie eine Voll-U-Bahn durch großzügige Tunnel und Hochbahnstrecken als auch wie eine Straßenbahn ebenerdig, dann aber oft mit größeren Radien und viel besonderem Bahnkörper. So ist eine Stadtbahn hochwertiger als eine Straßenbahn, aber ähnlich qualitativ wie eine U-Bahn, jedoch preiswerter als diese.
Die Stadtbahnlinie folgt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen etwa der geplanten Straßenbahnlinie. Sie unterscheidet sich jedoch darin, dass sie manche oberirdisch vorgeschlagene Abschnitte durch Tunnel bedient oder statt entlang der Straße über Felder neben der Straße trassiert wird. Zum besseren Vergleich habe ich die geplante Straßenbahnlinie in grau nachgezeichnet. Neben dem Korridort Hauptbahnhof – Flughafen beinhaltet der Vorschlag auch eine Verlängerung vom Flughafen über den Ballermann nach Arenal. Dort befinden sich die Touristen-Hotspots, die so sicherlich gut von der schnelleren Bahn in Richtung Palma-Stadt und zum Flughafen profitieren.
Die Stadtbahnstrecke ist 15,72 km lang.
Umbau Hauptbahnhof:
Der U-Bahnhof am Hauptbahnhof muss für die Verlängerung der Metro natürlich umgebaut werden. Hier ergibt sich aber das Problem, dass der Hauptbahnhof mit einem Querbahnsteig errichtet wurde. Dieser muss natürlich im Bereich des U-Bahnhofs entfernt werden. Leider ist der Querbahnsteig der einzige Zugang zu allen Bahnsteigen. Deswegen sollen zwei der 10 Gleise (genauer gesagt die beiden nordöstlichsten Gleise 1 und 2) zurückgebaut werden, sodass zwei der Mittelbahnsteige zu einem großen Mittelbahnsteig zusammen gebaut werden können; Gleis 1 wird vollständig zurückgebaut, Gleis 2 nur zu einem Zungenbahnsteig verkürzt. Dieser ist dann breit genug, um in seiner Mitte eine Treppe mit Rolltreppenpaar sowie Aufzüge aufzunehmen, mit denen er dann unabhängig von den übrigen Bahnsteigen an die Verteilerebene angeschlossen wird. Anschließend wird nordöstlich dieses großen Bahnsteiges das neue Bahnsteiggleis 1n konstruiert. Die Gleise 1n und 3 werden dann nach Rückbau des Querbahnsteigs in ihrem Bereich nach Süden verlängert und tangieren dabei unterirdisch das Hostal Terminus. Während Gleis 1n in offener Bauweise errichtet werden kann, muss für die Verlängerung von Gleis 3 unter dem Bahnhof gegraben werden.
Hauptbahnhof – Placa Major (Innenstadtunnel):
Der Innenstadttunnel ermöglicht eine bessere Erschließung der Innenstadt, das die Stadbahn den Hauptplatz (Placa Major) direkt bedient. Der U-Bahnhof unter ihm passt nur gerade unter den Platz, weshalb die Treppen, Fahrtreppen und Aufzüge allesamt über dem Bahnsteig liegen. Die Treppen und Rolltreppen verlaufen dabei so, dass sich ihre unteren Enden an den Bahnsteigenden befinden.
Man kann sich ide Frage stellen, warum die Placa Major nicht in Ost-West-Richtung untertunnelt wird. Nun es ist ebenso sinnvoll die Metro in Richtung Südwesten zu erweitern, da sich dort der Hafen befindet; ebenso ist eine Erweiterung in südwestlicher Richtung nach Peguera möglich. Somit ist es sinnvoll südlich der Placa Major zu verzweigen und diese Verzweigung ist mit einer Nord-Süd-Untertunnellung der Placa Major sinnvoller, da eine nach Südwesten abzweigende Linie sonst einen u-förmigen Bogen unter der Altstadt fahren müsste.
Hauptbahnhof – Es Molinar:
Die Stadtbahn bekommt hier einen längeren Tunnel, der auch die geplante Straßenbahntrasse in der Avinguda de Mexic (Nou Llevant) unterquert. Ein höhenfreie Querung der Ma-19 ist sowohl bei der Straßenbahn als auch der Stadtbahn notwendig, weswegen hier gleich der längere Tunnel gewählt wird, da der Tunnel zwar länger wird, die Strecke aber insgesamt kürzer als die offiziell oberirdisch geplante Strecke ist. Ab Es Molina verkehrt die Stadtbahn zunächst parallel zur Calle Llucamajor statt wie die Straßenbahn auf der Callee Llucamajor.
Flughafen:
Ein wichtiger Unterschied liegt in der Erschließung des Flughafens, denn die Stadtbahn erschließt ihn nicht mit der für die Straßenbahn vorgeschlagene Hochbahntrasse, sondern im Tunnel, jedoch folgt die Stadtbahn der geplanten Straßenbahntrasse. Die Erschließung im Tunnel ist notwendig, da die Stadtbahn zwischen dem Einkaufszentrum FAN Mallorca Shopping + Großmarkt Mercapalma und dem Flughafen dessen Rollfeld überqueren muss und die Überquerung einer Start- und Landebahn ist nur im Tunnel möglich, da startende und landende Flugzeuge eine Durchfahrtshöhe von Unendlich haben und somit keine Brücke über sich erlauben.
Flughafen – Arenal:
Vom Flughafen aus folgt die Stadtbahn der vorgesehenen Straßenbahntrasse bis zur (H) Can Pastilla und biegt dann auf den Ballermann ab. Aus Platzgründen muss die Kurve etwas S-förmig verlaufen und kann nur mit R = 50 m trassiert werden. Eine Kurve mit R = 100 m hätte zur Folge, dass die Eisdiele mit Burger-Laden und Spar abgerissen und somit verlegt werden müsste (optimalerweise auf den nahegelenen Strand) und eine Kurve mit R = 180 m schneidet zusätzlich noch das Hotel El Cid an. Zum Glück haben Straßenbahnen einen Mindestkurvenradius von nur R = 25 m und R = 50 m ist somit auch in Ordnung, wenngleich er nur eine Kurvenfahrt mit 36 km/h erlaubt. Schließlich folgt die Stadtbahn dem Ballermann bis Arenal. Hier muss die Stradtbahn teilweise auf der Straße und evtl. teilweise auf der Promenade fahren. Wenn es bezüglich dessen Bedenken gibt, kann jedoch leicht der Querschnitt der Straße entlang der Promande um die notwendige Breite für den Bahnkörper erweitert werden, da man ja die Strandlokale (Balnearos) und die Promenade weiter in Richtung Strand verschieben kann und diesen durch Sandvorspülung künstlich in Richtung Meer vergrößern kann. Entlang des Strandes von Mallorca (Ballermann) liegen alle wichtigen Ziele des Tourismus, wie die Schinkenstraße, das Oberbayern, etc., sodass die Bahn hier durchaus ihre Berechtigung hat. Die relevante Haltestelle zur Erschließung dieser Ziele ist Ballermann 6.
Gewisse Vorteile bietet die Stadtbahn gegenüber der geplanten Straßenbahn.
Vorteile:
- Es wird nur eine Linie für den gesamten Korridor benötigt. Bei einer Straßenbahn hingegen wird ein Dreiecksnetz notwenig, wenn sie von Can Pastilla nach Arenal verlängert wird. Das macht dann 3 Straßenbahnlinien (Palma Hbf – Can Pastilla – Flughafen; Palma Hbf – Can Pastilla – Arenal; Flughafen – Can Pastilla – Arenal) und eine Metrolinie (Palma Hbf – Universität)
- Die eine lange Linie Palma Universität – Arenal erlaubt viele Direktverbindungen
- Die Stadtbahnlinie erschließt die Innenstadt von Palma besser
- Der Abschnitt Palma Hbf – Es Molinar ist schneller befahrbar, sodass die Gesamtreisezeit gegenüber der Straßenbahn kürzer ist.
- Das Einkaufszentrum Fan Mallorca Shopping und der Gr0ßmarkt Mercapalma werden besser erschlossen.
- Es muss kein weiteres Schienensystem in Palma eingeführt werden.
Nachteile:
- Höhere Investitionskosten durch den Umbau des Hauptbahnhofs, des längeren Tunnels in der Altstadt sowie die vielen Kunstbauwerke im Bereich FAN Mallorca Shopping/Mercapalma & Tunnel statt Hochbahn im Flughafen.
- evtl. städtebaulische Schwierigkeiten mit Hochbahnsteigen am Ballermann. Diese können natürlich vermieden werden, wenn die Stadtbahn als Niederflurstadtbahn gebaut wird. Das hätte aber zur Folge, dass die M1 auch nördlich des Hauptbahnhofs von Hoch- auf Niederflur umgebaut werden muss.
- Can Pastilla wird nur durch eine Haltestelle erschlossen.
Einen ähnlichen Vorschlag gibt es von CC. Im Gegensatz zu seinem Vorschlag werden jedoch die Orte entlang der Küste sowie das FAN Mallorca Shopping und der benachbarte Großmarkt besser erschlossen.
