Beschreibung des Vorschlags
Obwohl im Saarland derzeit die Umwandlung weiter Teile des Regionalbahnnetzes in ein S-Bahn-Netz vonstatten geht, wird hierbei bis heute nicht der französische Teil der Agglomeration Saarbrücken mitgedacht, obwohl hier stark ausgeprägte Siedlungsachsen mit vorhandener Bahninfrastruktur bestehen, ebenso wie ausgeprägte grenzüberschreitende Pendlerströme aus Frankreich nach Saarbrücken (vgl. Pendleratlas Deutschland – Statistische Ämter der Länder).
Das wäre kein Problem, wären diese Bereiche durch den ÖPNV gut erschlossen, dies ist jedoch nicht der Fall. Allein der RE18 verkehrt von Saarbrücken stündlich über die französische Grenze, wobei er gemäß Regelfahrplan alle Male bis auf zwei nur bis Forbach Bahnhof fährt (vgl. Saarbrücken Hbf 25/26 Ab – DIN A4 Hoch Online). Weiterhin besteht ein stündlicher Busverkehr von Saarbrücken Hbf. nach Forbach. In beiden Fällen ist jedoch ein Umstieg in den französischen Zugverkehr erforderlich, wenn man andere französische Ziele erreichen will, was die Attraktivität des ÖPNVs über die Grenze hinweg deutlich schmälert. Hier erfolgt dann lediglich eine Bedienung der Verbindung nach Metz Ville grob im Stundentakt, wobei in der morgendlichen Spitzenverkehrszeit auf einen Halbstundentakt verdichtet wird, jedoch vormittags teils Züge im Abstand von 1 1/2 bis 2 Stunden fahren. Eine Bedienung der Bahnstrecken in Richtung Saargemünd und Diedenhofen, die am Bahnhof Beningen ein- bzw. ausfädeln, findet gegenwärtig gar nicht statt, was bedeutet, dass relativ große Ortschaften wie Freimengen-Merlenbach, Kreuzwald und Spittel gar nicht im SPNV bedient werden. Gerade hier besteht auch sonst keine Anbindung an Saarbrücken im ÖSPV. Das bedeutet, dass gegenwärtig kaum eine Verknüpfung im ÖPNV zwischen dem deutschen Teil und dem französischen Teil der Agglomeration Saarbrücken besteht, obwohl besagte Stadt für beide Teile als primäres Oberzentrum fungiert. Diese Situation ist in meinen Augen in Anbetracht der klimatischen und stadtplanerischen Herausforderungen und Zielsetzungen nicht hinnehmbar.
Neben der „Zerstückeltkeit“ der Linien und der Frequenz ist auch die Stationsdichte ein Problem. Der Agglomeration Forbach mit insgesamt mehr als 75.000 Einwohnern dient heute allein der Bahnhof in Forbach, während die Communauté de Communes Freyming-Merlebach mit 31.000 EW über zwei Bahnhöfe verfügt, von denen einer jedoch fernab der Siedlungsschwerpunkte liegt.
Es besteht somit Handlungsbedarf bei der Taktung, der Stationsdichte und der Freiheit von Umstiegen. Daher ist eine Einbindung der grenznahen Bereiche in das geplante S-Bahnnetz naheliegend. Doch wie soll dies vonstatten gehen?
Der Vorschlag sieht vor, dass die Linien S13, S14 und S15 der S-Bahn Saarland anders als nach Bahnstreckenreaktivierungsstudie des Saarlandes vorgesehen (siehe hier) NICHT auf die Rosseltal- und Bisttalbahn verlängert werden, sondern stattdessen südwärts über die Grenze fahren und bis Beningen einen 20-Minutentakt fahren. Hier teilen sich die drei Linien auf drei unterschiedliche Äste auf, die durch die S-Bahn Saarland stündlich bedient werden würden. Das sollte in Anbetracht der gegenwärtig geringen Auslastung durch Personenverkehr durchaus möglich sein.
Der infrastrukturelle Aufwand hierfür dürfte gering sein, da es sich ausschließlich um Bestandsstrecken handelt, die aktuell auch entweder im Güterverkehr (Beningen – Busendorf, Beningen – Saargemünd) oder Güterverkehr, SPNV und Fernverkehr (Saarbrücken – Falkenberg) genutzt werden. Ebenfalls ist bereits der überwiegende Teil der zu nutzenden Strecken elektrifiziert, lediglich Beningen – Saargemünd müsste noch, sofern man nicht auf Akku-, H2- oder Dieselbetrieb setzen will. Erforderlich wäre jedoch die Anschaffung von Triebwagen, die in der Lage sind, sowohl bei den französischen 25 kV 50 Hz Wechselstrom und den deutschen 15 kV 16.7 Hz Wechselstrom zu fahren. Als eine Option zur Beschleunigung der Verkehre wäre möglich zu untersuchen, ob eine Verbindungskurve von Kochern auf die Strecke nach Saargemünd sinnhaft ist, damit Züge nicht im Bahnhof Beningen wenden müssen, um diese zu befahren.
Im Rahmen des Vorschlags würden sämtliche Bahnhöfe entlang der Strecken Beningen – Saargemünd und Beningen – Busendorf reaktiviert. Es werden allerdings auch 4 komplett neue Stationen vorgesehen, die da sind:
- Saarbrücken Malstatt: liegt im Bereich zwischen Breite Straße und Wiesenstraße im Distrikt Unteres Malstatt und dient dort einerseits der Erschließung naher Gewerbeflächen, sowie der Veranstaltungsfläche Saarterrassen, aber auch der Erschließung naher Wohnviertel, um die S-Bahn-Abdeckungslücke zwischen Burbach Bahnhof und Saarbrücken Hauptbahnhof zu schließen.
- Morsbach: Der neue Halt Morsbach bedient die französische Gemeinde Morsbach mit etwa 2600 EW. zwischen Forbach und Freimengen-Merlenbach. Er soll an der Rue Nationale liegen, damit, sollte die Saarbahnlinie Saarbrücken Johanneskirche – Forbach Bahnhof gemäß VEP ÖPNV des Saarlandes bzw. VEP 2030 der Stadt Saarbrücken jemals realisiert werden, bei einer weiteren Erweiterung dieser Straßenbahnlinie südwärts hier ein komfortabler Umstieg in die S-Bahn möglich wäre.
- Spittel West: Der Bahnhof Spittel lag seinerzeit weit östlich im Gemeindegebiet und erschließt die Gemeinde daher nicht optimal. Spittel West soll den Westen Spittels und den Süden des benachbarten Karlingens besser erschließen.
- Oberhomburg Niederhomburg: Zwar verfügt Oberhomburg bereits über einen Bahnhof, der liegt jedoch weit südlich im Gemeindegebiet und erschließt den Ortsteil Niederhomburg und die Cité Riviera eher mäßig gut. Der neue Haltepunkt soll dies beheben.
Eine Sonderrolle nimmt Kochern ein: Hier soll der Bahnhof reaktiviert und weiter nach Norden verlegt werden, damit die Station für die Bewohner der Cité Belle-Roche besser erreichbar ist.
Hinsichtlich der Machbarkeit der relativ dichten Taktung auf dem Abschnitt Saarbrücken-Beningen kann ich keine Angabe machen, da ich nicht weiß, wie viel Güterverkehr auf dieser Strecke verkehrt, angesichts des bisher geringen Auslastung dieser zweigleisigen Strecke im Personenverkehr gehe ich jedoch davon aus, dass sie möglich sein sollte.
Dies ist, um das klarzustellen, definitiv keine Absage an eine Reaktivierung der Rosseltal- und Bisttalbahnen. Stattdessen sollen diese durch die Saarbahn bedient werden, und zwar nach der Vorzugsvariante im VEP ÖPNV des Saarlandes. Das ist trotz der Tatsache, das Saarbahnvarianten in der bereits erwähnten Machbarkeitsstudie einen Kosten-Nutzen-Wert von <1.0 erzielten insofern realistisch, dass die Vorzugsvariante des VEP ÖPNV darin aus unerfindlichen Gründen gar nicht erst untersucht wurde. Eine Innenstadtstrecke durch Alt-Saarbrücken würde Schätzungen des VEP ÖPNV nach ca. 8.000 neue Fahrgäste gewinnen, müsste nicht die eingleisige Strecke von der Ludwigsstraße aufs DB-Netz nutzen, würde ebenfalls nicht mit dem Zugverkehr auf der Strecke Saarbrücken – Forbach interagieren und würde, da es sich um völlig neue Linien handeln würde, die die aktuelle Innenstadtstrecke nicht befahren, so auch nicht zu Angebotskürzungen führen und somit alle Probleme der Studien-Saarbahnvarianten lösen und zusätzlichen Nutzen durch Neuerschließung entfalten. Im Gegenteil sollte in dem Fall, dass die S-Bahn Saarland jemals in Frankreich fährt, eine Verlängerung dieser Linien ebenfalls über die französische Grenze erwogen werden.

Was sollen denn die ganzen deutschen Namen?
Das sind die deutschen Ortsnamen der entsprechenden Orte. Ich denke mir, dass das eventuell gerade in der Diskussion für Leute, die nicht französisch sprechen, einfacher ist (zumal ich persönlich auch schlichtweg Spaß an Geschichte habe und es ein interessantes Detail finde)
Interessante Idee. Die sog. S-Bahn nach Frankreich zu verlängern ist auf jeden Fall sinnvoll, ebenso die Rosseltal- und Bisttalbahn als Saarbahn zu betreiben.
Grundsätzlich eine gute Idee, den grenzüberschreitenden Nahverkehr in der Region zu stärken. Es ist echt ein Unding, dass heutzutage immer noch so ein mangelhaftes Bedienungsangebot in diesem grenzüberschreitenden Agglomerationsraum gibt. Allein eine Direktverbindung Saarbrücken – Metz ist überfällig.
Im konkreten: Du sprichst von dem dichtbesiedelten Agglomerationsraum und starken Pendlerbeziehungen, aber zeigst nicht genauer auf, wie diese durch die angedachten Linien genau erreicht werden (können). So erreicht die Linie nach Faulqemont noch überwiegend dicht besiedelte Gebiete, gleiches gilt bis Creutzwald, weiter bis Bouzonville wird es aber schon dünn. Und zwischen Béning und Saargemünd liegen kaum Potenziale, die reaktivierten Halte liegen leider eher siedlungsfern und Saargemünd selbst hat ja schon eine schnellere Direktverbindung nach Saarbrücken. Daher sehe ich deinen angedachten Linien nur teilweise als weiter verfolgenswert an.
Ja, sehe ich.
Vielleicht als Erklärung: Wie gesagt, die Saarbahn hätte ich gerne grenzüberschreitend bis mindestens Falk, d.h. da wollte ich den Umstieg mitnehmen. Die RB auf der Niedtalbahn hätte ich auch gerne wieder bis Busendorf, wie das auch karfreitags der Fall ist, was auch schon seit Ewigkeiten immer wieder von der Plattform Mobilität SaarLorLux gefordert wird (Aktuelles) d.h. auch hier gibt es einen mitzunehmenden Umstieg.
Ein anderer Hintergedanke war aber auch ein möglicher RE von Saarbrücken bis Luxemburg. Zwar scheint das Land gegenwärtig für das Fahren dieses REs über Konz zu plädieren, Luxemburg für über Metz, ich finde allerdings beide Varianten ehrlich gesagt etwas missraten, da sie beide recht umwegig sind, bzw. für über Konz die kurvige, entsprechend langsame Saarstrecke genutzt werden muss. Die Bisttalbahn, die immer wieder von Verbänden wie etwa der Plattform Mobilität SaarLorLux dafür ins Gespräch gebracht wird, wäre der direkteste Weg und könnte meines Erachtens auch durchaus für Geschwindigkeiten über 100 km/h fitgemacht werden, und ich gebe es zu, ich bin da auch etwas dem Wunschtraum nachgekommen, die Politik kommt dem bezüglich zur Vernunft und lässt ihn über Thionville fahren.
Der Punkt ist aber, dass es für so einen RE verschiedene Möglichkeiten gibt. Frankreich plädiert natürlich für über Forbach (Moselle-Est. Réouverture de la ligne ferroviaire entre Forbach et Luxembourg : des questions en suspens), auf deutscher Seite plädiert insbesondere die Plattform Mobilität SaarLorLux für über Saarlouis und das Niedtal auf die Bisttalbahn. Die obige Variante wäre dafür geeignet, die Agglomeration Forbach und Freimengen-Merlenbach mit dem RE zu verbinden, sollte er über die Nied- oder den deutschen Teil der Bisttalbahn geführt werden.
Den Zweig zwischen Beningen und Saargemünd dachte ich mir funktional vor allem als Anbindung Saargemünds an Forbach und das Val de Rosselle (und den RE nach Luxemburg, wenn er über Forbach fährt) und Forbachs und des Val de Rosselle an den Zugverkehr nach Straßburg – dass das primär als Anbindung an Saarbrücken nicht konkurrenzfähig ist, ist durch den umwegigen Laufweg quasi gesetzt. Das wäre wohl das französische Pendant zu den heutigen RBs/künftigen S-Bahnen von Homburg über Neunkirchen nach Saarbrücken, die man ja auch nie nehmen würde, um von SB nach HOM und umgekehrt zu fahren (außer der RE1 ist mal wieder eine stündliche Linie, außer wenn er’s nicht ist). Hinsichtlich des Potentials der angrenzenden Orte stimme ich dir teilweise zu, würde aber >14.000 EW bei einer intakten, im Güterverkehr genutzten Strecke jetzt nicht als so gering sehen, dass sich das partout nicht lohnt, Saargemünd selbst nicht eingerechnet. Das ist in meinem Empfinden eher eine Frage von „Wie viele Halte lohnen sich?“, es kann aber natürlich auch sein, dass ich schlichtweg die Relevanz vom Val de Rosselle und der neugeschaffenen Verbindungen überschätze. Sowas wie den Pendleratlas habe ich bisher noch nicht für Frankreich gefunden.