Beschreibung des Vorschlags
Eine Fahrt zwischen Kassel und Siegen und weiter nach Köln ist derzeit mit großen Umwegen verbunden, da eine direkt verbindende Bahnstrecke fehlt. Die schnellste Strecke von Kassel nach Köln führt aktuell tatsächlich über Frankfurt.
Dieser Vorschlag sieht eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn vor, die für Neigetechnik ausgerüstet ist, und mit dieser mit maximal 160, meist aber mit 130-140 km/h, befahren werden kann.
Im selben Zuge soll die bereits bestehende Bahnstrecke zwischen Siegen und Siegburg/Bonn ebenfalls für Neigetechnik ausgerüstet werden. So entsteht eine attraktive Verbindung von Kassel über Siegen nach Köln. Zudem soll das infrastrukturell schlecht versorgte Edertal so besser erschlossen werden.
Die Strecke orientiert sich möglichst gut an Flusstälern, was aber nicht verhindern kann, dass einige Tunnel von Nöten sind. Diese sind in der Karte eingezeichnet. Es sind auch bestehende Nebenbahnen miteinbezogen, die zu diesem Zweck zweigleisig ausgebaut, elektrifiziert und begradigt werden, ebenso wie alte stillgelegte oder bereits abgebaute Strecken.
Mit der für Neigetechnik ausgerüsteten Strecke Siegburg/Bonn – Siegen ist eine ICE-Fahrzeit Köln – Siegen von etwa 50 Minuten möglich, mit dieser Strecke hier eine ICE-Fahrzeit Siegen – Kassel von etwa 1:10 Stunden, somit liegt die Gesamtfahrzeit Kassel – Köln bei etwa 2 Stunden. Das ist 50 Minuten schneller als die schnellsten Verbindungen im aktuellen Fahrplan, welcher einen 15-minütigen Umstieg in Frankfurt vorsehen, somit 35 Minuten schneller als eine Direktverbindung über Frankfurt heute und 25 Minuten schneller als eine Direktverbindung über Frankfurt mit der SFS Hanau-Fulda. Vor allem aber viel kürzer.
Zugverkehr könnte in etwa so aussehen:
- Stündliche RB/RT: Kassel – Bad Wildungen mit allen Zwischenhalten
- Stündliche RB: Siegen – Bad Wildungen mit allen Zwischenhalten
- Stündlicher RE: Köln – (…) – Siegen – Feudingen – Frankenberg – Edertal – Fritzlar – Wabern – Kassel-Wilhelmshöhe – Kassel Hbf. Möglichst mit aktiver Neigetechnik.
- Zweistündlicher ICE, mit aktiver Neigetechnik: Köln Hbf – Siegburg/Bonn – Siegen – Kassel-Wilhelmshöhe – Göttingen – Hildesheim Hbf – Braunschweig Hbf – Wolfsburg Hbf – Berlin-Spandau – Berlin Hbf
Dazu diverser Güterverkehr in Ost-West Richtung, etwa von Köln/Belgien über die Halle-Kasseler Bahn in Richtung Mitteldeutschland und Polen.

Ein kühner Plan
Ich würde sowas ja nur allzu gerne unterstützen, wenn es dann nicht doch so sehr illusorisch klingen würde.
Bevor man hier die Verbindung ausbaut/neubaut sollte lieber die MDV westlich von Eisenach und östlich von Paderborn ausgebaut werden. Da gibt es wahrscheinlich einen größeren Bedarf und definitiv einen höheren Nutzen.
1,2 Ideen gefallen mir aber insgesamt ganz gut. Generell fände ich es interessant Kassel – Siegen zu beschleunigen und ohne Umstieg anzubieten. Hatte dazu ja auch schon einen Vorschlag gemacht. Wenn man jetzt z.B die Aar – Salzbödebahn reaktiviert könnte man Kassel – Marburg – Siegen anbieten.
Auch Kassel – Frankenberg fände ich als Direktverbindung ganz interessant, könnte aber unglaublich teuer werden in dem Terrain.
Für das große Ganze, wie hier angepriesen, kannst du mich aber nicht begeistern. Das ist zu sehr an den Strömen vorbei und dann doch eine Nummer zu groß.
Ein interessanter Vorschlag, der mir durchaus gefällt. Ist nochmal ein anderer Ansatz einer MDV, zu der es auf dieser Seite schon einige Infrastruktur- wie auch Streckenvorschläge gibt.
Als größten Knackpunkt sehe ich hier die Kosten, die durch den relativ hohen Tunnelanteil (mal über den Daumen gepeilt: 25-30 km von etwa 110 km Streckenlänge) schon einer handfesten NBS entsprechen. Hier müsste man auch überlegen, inwiefern eine HGV-NBS mit einer Vmax von 250-300 km/h bei – mal aus der Luft gegriffen – 30% höheren Baukosten nicht sogar mehr Nutzen bringt…
Als auch ein wenig problematisch sehe ich den Aspekt, eine NBS (ich würde sagen man kann diesen Vorschlag als eine solche bezeichnen) zu bauen, die für eine Nutzung mit Neigetechnik ausgelegt ist. Normalerweise stehen solche Strecken ja eher als Alternative zu dieser Technik. So würde man ja mit der Strecke den Gebrauch der Technik über Jahrzehnte mehr oder weniger festschreiben, sofern man nicht mit geringeren Fahrzeiten zurecht kommen will.
Apropos Fahrzeiten, schauen wir uns die auch noch einmal genauer an:
Als letzten Punkt möchte ich noch zwei Vorschläge von mir aufführen, die zwar etwas andere Verbindungen darstellen, insgesamt aber auch eine ähnliche Relation bedienen könnten:
Beide weisen einen geringeren Aufwand auf, dürften aber wohl zu Fahrzeitverkürzungen führen, die der Relation Kassel – Köln nutzen. Soll jetzt aber kein „Wettbewerb“ der Vorschläge darstellen.
Also Gesamtfazit: Der Vorschlag ist echt interessant, bietet einiges an Potential und ist auch schön ausgearbeitet. Allerdings sehe ich zu wenig Anlass für durchgängigen Fernverkehr auf der Strecke, Köln – Kassel geht über Frankfurt schnell genug (selbst wenn es 10 min langsamer wären) Köln – Berlin ist über Hannover m.E. schnell genug verbunden. Und die Strecke für den FV herzurichten führt einfach zu zu hohen Kosten. Daher würde ich den Umfang insbesondere der Tunnel deutlich reduzieren und das Hauptaugenmerk auf den Nahverkehr legen. Vielleicht auch auf den Abschnitt Bad Wildungen – Frankenberg verzichten und nur eine Strecke zwischen Bad Laasphe und Siegen errichten?
Die Idee ist gar nicht schlecht. Leider wäre jedoch eine Finanzierbarkeit kaum denkbar, da viel zu viele Tunnel dargestellt sind. Dabei wären die gar nicht nötig. Moderne Züge können durchaus erheblich stärkere Steigungen überwinden, als auf den meisten Altstrecken, die für schwerfälligen Dampfbetrieb gebaut wurden, üblich sind. Rechne mit 40-Promille-Rampen, dann brauchst du schon weitaus weniger Tunnels. Oberirdische Strecken sind schließlich durchaus auch abseits von Talgründen möglich.
Fangen wir mal am westlichen Ende an: Du folgst dem Tal der Sieg und bleibst am Talgrund, ohne die Strecke an seinen Hängen hinauf zu führen. Warum? Der folgende Tunnel von Feuersbach nach Deuz wäre bei anderer Trassierung nicht nötig. Deuz selbst wäre auch einfacher auf einer hohen Brücke über dem Gewerbegebiet zu queren, als am Talgrund im Zuge einer eingleisigen Altstrecke, die teils auf einer Straße verläuft. Wie willst du denn daraus eine zweigleisige Hauptbahn machen? Das wird da nicht passen.
Im weiteren Verlauf bemühst du dich wieder nicht um Höhengewinnung. Du bleibst am Talgrund, und beim ersten Dorf, das keinen Platz rechts und links lässt, weichst du in einen Berg aus. So wird der Bau garantiert zu teuer. Okay, ganz ohne Tunnels wird es nicht gehen, aber es braucht keine kilometerlangen. Auch nicht beim Wechsel vom Sieg- zum Lahntal. Warum folgst du nicht einfach dem Tal des Sindernbachs? Bei rechtzeitiger Gewinnung an Höhe könnte man da ein gutes Stück hinauf kommen und wäre schon recht nah am Lahntal, an dessen Hängen es dann wieder hinab gehen könnte.
Ich habe jetzt nicht die Zeit die Strecke komplett zu überprüfen, habe aber das Gefühl, dass du die Möglichkeiten, die topografische Karten bieten, nicht voll ausgeschöpft hast. Einfach an den Talgründen zu bleiben und jedem Hindernis in Tunnels auszuweichen, ist zu einfach. Eine optimale Lösung erfordert mehr Aufwand, andere Lösungen haben aber auch keine Chance.
Bedenke doch auch, ob es nicht genügen würde, ab Frankenberg die Altstrecke entlang der Eder bis Erndtebrück auszubauen und weitgehend mit vorhandenen Strecken auszukommen. Zwischen Erndtebrück und Siegen hatten wir bereits Vorschläge für Begradigungen gesammelt, wie z. B. diese.
Hat schon seinen Grund, dass es im Zielgebiet nur Nebenbahnen gibt: Das Gelände ist schwierig, am östlichen Ende ist kein irrsinnig großer Ballungsraum, an der Strecke selbst ist die Besiedlung dünn bis sehr dünn, Güterverkehr hat es über Altenbeken oder ganz obenrum über Hannover deutlich leichter.
Für eine zweigleisige Strecke seh ich daher keinen Bedarf; bestenfalls, allerbestenfalls was eingleisiges ohne Fahrdraht und ne stündliche Verbindung Kassel – Siegen mit Anschluss nach Köln.
Alternativ kann man es auch erstmal auf Bestand probieren, einen RE oder Hecken-IC über Gießen schicken und zunächst nach dem Interesse gucken. Fürchte aber insgesamt, dass die Hauptfahrgastströme schlicht woanders hingehen.