Beschreibung des Vorschlags
Kurzbeschreibung
Die Linie 12 wird ab Merkenich nach Norden über eine Führung an Rheinkassel und Langel vorbei und nach Blumenberg mit Umstieg an der S-Bahn Köln-Blumenberg verlängert und weiter in den neuen Stadtteil Kreuzfeld und perspektivisch bis zum S-Bahn-Halt Köln-Worringen ausgebaut. Ein ca. 300 m langer Tunnelabschnitt in Blumenberg schließt einen Engpass, zusätzlich ist eine Unterführung der Mercatorstraße und Blumenbergsweg erforderlich. So entsteht eine leistungsfähige ÖPNV-Achse für die Stadtentwicklung Kreuzfeld und große Veranstaltungsverkehre.
Städtebauliches Konzept von Kreuzfeld
© ADEPT ApS + Karres en Brands
Ausführliche Begründung
1) Ausgangslage und Ziel
Mit dem neuen Stadtteil Kreuzfeld entsteht im Kölner Norden ein großer zusätzlicher Wohn- und Bürostandort. Gleichzeitig wird Kreuzfeld in aktuellen Überlegungen als Standort für ein olympisches Dorf sowie ein (temporäres) Olympiastadion diskutiert, das später in eine gemischt genutzte Quartiersentwicklung überführt werden kann. Diese Kombination erzeugt:
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dauerhafte Alltagsnachfrage (Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung)
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Spitzenlast im Veranstaltungsfall (Stadion/Olympia, Großevents)
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den Bedarf an einer hochleistungsfähigen, schienenbasierten Anbindung, die den Autoverkehr begrenzt und zuverlässig funktioniert.
Ziel des Vorschlags ist daher, Kreuzfeld nicht nur irgendwie mit „autonomen“ Bussen zu bedienen, sondern frühzeitig ein Schienenrückgrat zu schaffen, das langfristig tragfähig ist.
2) Warum die Verlängerung der Linie 12 die passende Lösung ist
Die Linie 12 ist als Stadtbahnlinie besonders geeignet, weil sie:
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eine direkte, schnelle Verbindung in die Innenstadt bietet (keine Umstiege)
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bei Bedarf hohe Kapazitäten aufnehmen kann (Verstärkerfahrten, Taktverdichtung)
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für die Quartiersentwicklung Kreuzfeld als städtebauliches Rückgrat wirkt (weniger Autodruck, bessere Standortqualität)
Zentral ist dabei die Netzlogik: Die Verlängerung schafft nicht nur neue Halte, sondern verknüpft Schienenachsen und stärkt das Gesamtsystem.
3) Kernidee der Trassenführung
Die Linie 12 wird so geführt, dass vier Dinge gleichzeitig erreicht werden:
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Umstieg an der S-Bahn Köln-Blumenberg/Kreuzfeld
Blumenberg wird zum echten Schienenknoten (S-Bahn ↔ Stadtbahn). Das ist ein massiver Qualitätsgewinn: Fahrgäste aus dem Umland bzw. aus anderen S-Bahn-Relationen erhalten einen kurzen, barrierefreien Umstieg in die Stadtbahn und umgekehrt. -
Direkte Erschließung des neuen Stadtteils Kreuzfeld
Im Kreuzfeld ist mindestens eine zentrale Haltestelle vorgesehen (idealerweise „Kreuzfeld Mitte“) und je nach Quartiersstruktur wäre eine zwei Haltestelle zur Flächenerschließung möglich. Damit wird Kreuzfeld nicht nur tangiert, sondern wirklich als Stadtteil mit kurzen Wegen an die Stadtbahn angebunden. -
Perspektivische Durchbindung bis Köln-Worringen (S-Bahn)
Der Endpunkt an der S-Bahn Köln-Worringen schafft einen zweiten starken Umsteigeknoten und erhöht die Netzwirkung deutlich. Gleichzeitig kann betrieblich flexibel gearbeitet werden: Im Alltag kann ein Teil der Fahrten in Kreuzfeld/Blumenberg enden, während zu Spitzenzeiten/bei Events mehr Fahrten bis Worringen durchgebunden werden. - Anbindung von Rheinkassel und Langel an die Linie 12
Durch die Verlängerung der Linie 12 über die freigehaltenen Trasse bis nach Langel werden zwei nördliche Stadtteile ans Stadtbahnnetz angeschlossen. Dies schafft auch Anreize, diese Stadtteile nach zu verdichten. Auch das Gewerbegebiet Feldkassel profitiert von der direkten Erschließung durch die Stadtbahn.
4) Warum der Tunnelabschnitt (≈300 m) vertretbar ist
Ein häufiger Einwand bei Stadtbahnprojekten sind Tunnelkosten. Hier liegt jedoch eine besondere Situation vor:
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Der Tunnelabschnitt ist mit ca. 300 m sehr kurz und dient der Unterfahrung der Wohnbebauung, weil in Blumenberg keine durchgängig offene Trasse verfügbar ist.
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Zusätzlich ist eine Unterführung unter der Mercatorstraße erforderlich, um Konflikte im Straßenraum und betriebliche Störungen zu minimieren.
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Die S-Bahn Köln-Blumenberg liegt bereits in Tieflage, und die Gleisanlagen sind im Umfeld ohnehin in einem abgesenkten Verlauf/Tunnelbereich vorgesehen – dadurch kann die Verknüpfung technisch und räumlich kompakter gedacht werden (kurze Wege, gute Barrierefreiheit).
Damit ist der Tunnel nicht „Selbstzweck“, sondern eine gezielte Engpasslösung, um eine hochwertige Schienenverknüpfung zu ermöglichen.
5) Nutzen für Alltag und Großveranstaltungen (Stadion/Olympia)
Alltag:
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Attraktive, schnelle ÖPNV-Verbindung für Bewohner*innen und Beschäftigte im Kreuzfeld
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Entlastung des Straßennetzes im Kölner Norden
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Bessere Erreichbarkeit von Blumenberg und Anbindung an das städtische Netz
Event-/Olympiafall:
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Stadtbahn + S-Bahn bilden zusammen eine hochkapazitive Doppelachse
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Verstärkerkonzepte sind möglich: z. B. Kurzläufer zwischen Innenstadt ↔ Kreuzfeld/Stadion ↔ Blumenberg, plus Umstiegsströme aus der S-Bahn
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Durch eine geeignete Wende-/Kehrmöglichkeit im Kreuzfeld kann die Kapazität bei Events stark erhöht werden, ohne den gesamten Ast bis Worringen zwangsläufig voll zu befahren.
Wichtig ist: Die Lösung liefert nicht nur einen „Olympia-Effekt“, sondern auch eine dauerhafte Nachnutzung für das Quartier und für den Bezirk Chorweiler.
6) Betrachtete Alternativen und warum sie nicht die beste Gesamtwirkung haben
Im Zuge der Planung habe ich mir vorab zwei Alternativen angeschaut:
Alternative 1: Trasse nördlich von Kreuzfeld und Blumenberg (Blumenbergsweg)
- Führung konsequent über die freigehaltene Trasse / außen vorbei (ohne durch Blumenberg)
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Vorteil: sehr gut umsetzbar, schnell, wenig Konflikte
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Nachteil: weniger Netzverknüpfung, da der direkte Umstieg an der S-Bahn Köln-Blumenberg nicht optimal erreicht wird; Kreuzfeld wird tendenziell eher am Rand erschlossen.
Alternative 2: Bogen/Schleife um Blumenberg
- Führung in einem Bogen um Blumenberg und über die Bruchstraße durch Kreuzfeld
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Vorteil: gute Flächenerschließung im Norden von Chorweiler/Blumenberg
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Nachteil: Schleifen verlängern die Reisezeit und sind betrieblich anfälliger
Alternative 3: Linie 15 mit Bogen durch Chorweiler

- Führung in einem Bogen durch Chorweiler auf die Mercatorstraße und über die Bruchstraße durch Kreuzfeld
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Vorteil: gute Flächenerschließung im Norden von Chorweiler/Weiler
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Nachteil: Anbindung an Endhaltestelle mit neuem Tunnel bis zur Mercatorstraße
Ergebnis:
Die dargestellte Variante vereint die Vorteile (Netzverknüpfung + Kreuzfeld zentral + perspektivisch Worringen) mit einem Tunnelbauwerk, das durch die kurze Länge und die vorhandene Tieflage im Umfeld besser umsetzbar ist als ein klassisches Tunnelprojekt.
7) Weitere Vorschläge
Auf LiniePlus gibt es derzeit keinen vergleichbaren Vorschlag, der den neuen Stadtteil Kreuzfeld zusammen mit einem leistungsfähigen Schienenknoten (S-Bahn Blumenberg) und einer perspektivischen Anbindung an Worringen als Gesamtsystem denkt. Dieser Vorschlag soll deshalb eine konkrete, realistisch Grundlage liefern, wie Kreuzfeld von Beginn an mit einer nachhaltigen Mobilitätsstruktur wachsen kann.

Interessantes und aktuelles Thema, auch im Kontext der potentiellen Olympiabewerbung.
Was ich mich aber frage: Wenn du schon einen kurzen Tunnel planst, wäre dann nicht eine Verlängerung der Linie 15 ab Chorweiler geeigneter? Ich stelle mir das ungefähr so vor: Kurzer Tunnel ab der heutigen Endhaltestelle Chorweiler zur Kreuzung Mercatorstraße/Merianstraße und zu einer (oberirdischen) Haltestelle „Weiler“. Nördlich von Weiler wird dann von der Mercatorstraße ausgeschwenkt ungefähr auf den Dresenhofweg. Dann nach Kreuzfeld mit zwei Haltestellen „Kreuzfeld Süd“ und „Kreuzfeld Nord“, letztere wie bei dir.
Das hätte folgende Vorteile:
Danke dir für den konkreten Gegenvorschlag. Der ist tatsächlich sehr plausibel, vor allem was Reisezeit und die Anbindung ans Bezirkszentrum Chorweiler angeht.
Du triffst einen wichtigen Punkt: Wenn das Ziel primär ist, Kreuzfeld möglichst schnell an die Innenstadt anzubinden, hat eine Verlängerung der Linie 15 ab Chorweiler klare Vorteile (und die von dir genannten Zeitunterschiede wirken in der Praxis stark auf die Attraktivität). Auch die Idee mit „Weiler“ und zwei Haltestellen „Kreuzfeld Süd/Nord“ ist aus Erschließungssicht schlüssig.
Warum ich ursprünglich die Linie 12 gewählt habe, ist vor allem die Netzlogik im Norden:
Mit meiner Variante entsteht ein Schienenknoten an der S-Bahn Köln-Blumenberg (S-Bahn ↔ Stadtbahn). Das ist für Alltagsverkehr und besonders für Veranstaltungs-/Olympia-Spitzenlast extrem wertvoll, weil sich Fahrgastströme auf zwei Systeme verteilen können.
Außerdem ist die Durchbindung Richtung Worringen (S-Bahn) als zweiter starker Umsteigepunkt attraktiv, weil das Netz dadurch robuster wird (und man betrieblich ja nicht jede Fahrt bis Worringen führen muss).
Zusätzlich hat die Linie 12 noch mehr Fahrgastkapazitäten als die Linie 15.
Dein Vorschlag zeigt aber sehr gut: Erschließung & Reisezeit sprechen stark für die 15. Deshalb finde ich eine Kombination/Arbeitsteilung sogar am überzeugendsten:
Linie 15 als „Kreuzfeld-Rückgrat“ (Kreuzfeld Süd – Kreuzfeld Nord) mit direkter Chorweiler-Anbindung. Ich habe deinen Vorschlag als Alternative in die Beschreibung aufgenommen.
Linie 12 perspektivisch Richtung Langel/Worringen über die freigehaltene Trasse, dann aber wirklich mit besserer Erreichbarkeit von Langel über den Kreuzweg.
Ich nehme deinen Input auf jeden Fall in die Begründung mit auf und überlege, ob ich daraus ggf. sogar einen eigenen ergänzenden Vorschlag (Linie 15) mache oder den Betrieb als gestuftes Konzept darstelle (Alltag bis Kreuzfeld/Blumenberg, Eventbetrieb/Spitzenzeiten weiter).
Die Frage, die ich mir stelle, ist welche Ziele die Fahrgäste erreichen wollen, die in Kreuzfeld in die Stadtbahn einsteigen. Nach Langel, Merkenich oder Niehl Nord hätte man wahrscheinlich schon Mühe, einen Bus vollzubekommen. Die Anbindung an die ganzen Gewerbegebiete entlang der 12 wäre wohl nur für Mitarbeiter interessant, die dann zufällig in Kreuzfeld wohnen.
Wahrscheinlich würden die meisten Kreuzfelder, wenn sie in die Stadtbahn einsteigen, nach Nippes, zum Ebertplatz oder bis zu den Ringen durchfahren, weil man dort nicht umsteigefrei mit der S-Bahn hinkommt. Daher kam der Gedanke, lieber die deutlich schnellere 15 zu verlängern. Die Doppelstrukturen zwischen Chorweiler und Kreuzfeld wirken sich aber wohl leider negativ auf die Förderfähigkeit aus…
Deine Alternativtrasse sieht gut aus, ungefähr so hatte ich mir das vorgestellt.
Eine Verlängerung der 15 würde doch wirklich nur parallel zur S-Bahn verkehren, während die hier vorgeschlagene Verlängerung der 12 eine leicht andere Verbindung ermöglicht.
Danke, genau das ist ein wichtiger Unterschied:
Eine Verlängerung der Linie 15 ab Chorweiler wäre zwar sehr schnell Richtung Innenstadt und würde Kreuzfeld gut erschließen, läge aber in Teilen näher auch an einer Parallelführung zur S-Bahn. Die Verlängerung der Linie 12 schafft dagegen eine andere, ergänzende Verbindung im Kölner Norden und vor allem mit Köln-Blumenberg (S-Bahn) einen neuen Schienenknoten mit kurzen Umstiegen (S-Bahn ↔ Stadtbahn) und perspektivisch mit Köln-Worringen einen zweiten starken Umsteigepunkt. Dadurch entsteht nicht nur „mehr vom Gleichen“, sondern eine zusätzliche Netzverknüpfung mit hoher Alltags- und Eventtauglichkeit.