Beschreibung des Vorschlags
LEGENGE ZUR KARTE
Grau: Bestehende Infrastruktur
Braun: Neu zu bauende Infrastruktur
Die S-Bahn-Infrastruktur bleibt unverändert und ist zur besseren Übersicht nicht eingezeichnet.
MOTIVATION
Zwischen den beiden Abzweigen an der Militärringstraße und Innere Kanalstraße verläuft die Bahnstrecke durch Köln-Ehrenfeld 6-gleisig. Dabei werden die Gleise im Linienbetrieb befahren: Das nördliche Gleispaar (Im Bahnhof Ehrenfeld Gleise 5 und 6) wird vom Güterverkehr befahren, das mittlere Gleispaar (Gleise 3 und 4) dient dem Regional- und Fernverkehr und das südliche Gleispaar wird von der S-Bahn benutzt. Die Auslastung der Gütergleise und der S-Bahn-Gleise ist unkritisch. Allerdings ist das mittlere Gleispaar Teil der hoch belasteten Strecke Aachen ↔ Köln, die zwischen Aachen und Stolberg bereits offiziell als überlastet deklariert. Auf dem Rest der Strecke ist die Auslastung auch nur knapp weniger. Das zeigt sich am geplanten RE29 zwischen Brüssel und Köln: Hier konnte noch gerade so eine Trasse gefunden werden, aber auch nur für 200km/h-Züge und nur ohne Halt in Aachen-Rothe Erde, Eschweiler, Langerwehe, Horrem und Köln-Ehrenfeld.
Im Bereich Köln-Ehrenfeld ergeben sich drei Konfliktpunkte, bei dieser hochbelasteten Strecke dafür sorgen, dass sich Verspätungen von einem Zug auf andere übetragen:
- Der Güterverkehr der Relation Aachen ↔ Köln muss an der Inneren Kanalstraße höhengleich auf die nördlichen Gütergleise wechseln und erzeugt dabei Konflikte mit den Zügen der Gegenrichtung.
- Der Regionalverkehr der Relation Mönchengladbach ↔ Köln muss zwischen der Inneren Kanalstraße und Köln Hbf das selbe Gleispaar wie die Regional- und Fernzüge der Relation Aachen ↔ Köln benutzen.
- Am Bahnhof Köln-Ehrenfeld gibt es keine Möglichkeit für den Fernverkehr, den Regionalverkehr zu überholen.
Die Trennung nach Verkehrsarten hilft nicht wirklich, da nur ein Bahnhof auf dem Streckenabschnitt liegt und die Personen- und Güterzüge sich auf den westlichen Anschlussstrecken ohnehin die Gleise teilen müssen.
LÖSUNG
Zur Stabilisierung des Betriebs schlage ich einen Umbau des nördlichen und mittleren Gleispaars auf Richtungsbetrieb vor: Das nördliche Gleispaar soll dem Fern-, Regional-, und Güterverkehr in Fahrtrichtung Westen dienen, das mittlere Gleispaar der Fahrtrichtung Osten. Die S-Bahn bleibt unverändert.
Am Bahnhof Köln-Ehrenfeld ist dazu ein neuer Bahnsteig an den Gleisen 5/6 nötig.
Westlich des Bahnhofs sollen die Gleise nach Anschlussstrecken sortiert genutzt werden:
- Gleis 6 nach Mönchengladbach
- Gleis 5 nach Aachen
- Gleis 4 aus Aachen
- Gleis 3 aus Mönchengladbach
Östlich des Bahnhofs sollen die Gleise flexibel genutzt werden. Folgende Gleisbelegungen sind gleichzeitig möglich:
- Gleis 6 Güter, Gleis 5 Regional-/Fernverkehr: möglich
- Gleis 6 Regional-/Fernverkehr, Gleis 5 Güter: möglich, wenn gleichzeitig kein Zug vom Hbf nach Neuss fährt (siehe „Synergien“)
- Gleis 6 Regional-/Fernverkehr, Gleis 5 Regional-/Fernverkehr: möglich, wenn gleichzeitig kein Zug vom Hbf nach Neuss fährt (siehe „Synergien“)
- Gleis 4 Güter, Gleis 3 Regional-/Fernverkehr: möglich
- Gleis 4 Regional-/Fernverkehr, Gleis 3 Güter: möglich
- Gleis 4 Regional-/Fernverkehr, Gleis 3 Regional-/Fernverkehr: möglich, wenn gleichzeitig kein Zug von Neuss zum Hbf fährt
NÖTIGE UMBAUMASSNAHMEN
- Abzweig Militärringstraße: Hier besteht bereits eine höhenfreie Abzweigung zur Strecke nach Mönchengladbach. Hier müssen nur die Gleise der Strecke von/nach Aachen auf die beiden mittleren Gleise verschwenkt werden. Die einzigen Züge, die hier in Zukunft noch eine höhengleiche Kreuzung haben, sind Güterzüge aus Richtung Aachen, die in den Güterbahnhof einfahren wollen. Das sollte aber nur sehr wenige Züge betreffen.
- Zwischen Militärringstraße und Bahnhof Köln-Ehrenfeld: Hier müssen die bisherigen Gütergleise auf die Höchstgeschwindigkeit der mittleren Gleise angeglichen werden. Das solle unproblematisch sein, da die Kurvenradien quasi identisch sind. Außerdem entsteht hier eine Möglichkeit zum Gleiswechsel zwischen allen vier Gleisen.
- Bahnhof Köln-Ehrenfeld: Hier entsteht ein neuer Mittelbahnsteig. Dazu wird Gleis 6 nach außen verschwenkt. Die nötige Fläche ist vorhanden.
- Zwischen Bahnhof Köln-Ehrenfeld und Innere Kanalstraße: Auch hier muss die Höchstgeschwindigkeit der bisherigen Gütergleise auf die Höchstgeschwindigkeit der mittleren Gleise angeglichen werden.
- Abzweig Innere Kanalstraße: Hier gibt es ein dreistöckiges Kreuzungsbauwerk. Die oberste Ebene (S-Bahn) bleibt unverändert, die beiden unteren Ebenen sowie die Zulaufgleise müssen aber deutlich umgebaut werden. Nur das bisherige Gleis des Regional- und Fernverkehrs Köln-Ehrenfeld → Köln Hbf bleibt unverändert. Außerdem entstehen zwei neue Bypass-Verbindungen auf die Streckengleise Neuss ↔ Köln Hbf.
SYNERGIEN
Dieser Vorschlag hat große Synergien mit dem Vorschlag von Schueggel, das Streckengleis von Köln Hbf in Richtung Neuss westlichen Vorfeld des Hauptbahnhofs mittig einzubinden. Damit würde das bisherige Streckengleis nicht mehr genutzt und könnte so dem neuen Bypass-Gleis dienen. Die beiden Fahrtmöglichkeiten, die oben mit „(siehe Synergien)“ markiert sind, würden so ohne Einschränkungen möglich. So könnten drei Züge gleichzeitig aus dem Hauptbahnhof ausfahren und sich dann im westlichen Gleisvorfeld auf fünf Anschlussgleise (2x Aachen/Mönchengladbach, Neuss, Köln Süd, Abstellbahnhof) aufteilen.
FAZIT
Mit dieser kleinen bis mittleren Maßnahme werden höhengleiche Kreuzungen reduziert sowie neue Fahrtmöglichkeiten geschaffen, die insbesondere im Verspätungsfall attraktiv sind. Damit sollte der Bahnknoten Köln deutlich robuster werden.
VERWANDTER VORSCHLÄGE
- alex8055 beschäftigt sich hier mit der Frage, wie sich die geplante S-Bahn nach Mönchengladbach höhenfrei aus der Bestandsstrecke ausfädeln lässt.
- Dieser Vorschlag zielt vor allem auf Robustheit ab, nicht auf signifikant höhere theoretische Streckenkapazität. Für letzteres ist mein Vorschlag zur Nachnutzung der Hambachbahn interessanter.
