Beschreibung des Vorschlags
Zwar dreht sich diese Plattform hauptsächlich um den deutschsprachigen Raum, jedoch könnte man den Gardasee mit seinen zahlreichen deutschen Touristen schon fast dazuzählen. – Spaß beiseite, mit diesem eher konzeptionell gedachten Vorschlag möchte ich den Denkanstoß anregen, ob Straßenbahnen nicht auch in sehr stark touristischen Gebieten fernab der Großstädte sinnvoll sein könnten.
Der Gardasee entwickelt sich immer mehr zu einem Ort des Massentourismus. Die Übernachtungszahlen steigen rasant an, die Hauptstraße rund um den See gerät immer stärker ans Limit und auch Einheimische leiden unter den negativen Folgen. Der ÖPNV wird nur mit Bussen abgewickelt, welche aber teilweise nur ein paar mal am Tag verkehren oder aber nicht im Taktverkehr, sodass die nächste Abfahrt Glückssache ist, wenn man sich nicht vorher genauestens informiert hat.
Ich möchte zur besseren Vorstellung der Situation aus einem der zahlreichen Artikel zitieren, welche den Tourismusboom des Gardasees kritisch beobachten: „Während anderswo billige Flüge Touristen herbeischaufeln, ist der Gardasee immer noch ein typisches Autofahrerziel: mit dem Zug nicht leicht zu erreichen, Buslinien vor Ort schlecht ausgebaut. Im Juli ist ein 17-jähriger Niederländer tödlich verunglückt, weil er hinter der Leitplanke lief, wo es keinen Gehweg gibt, er war mit seinen Eltern in Lazise im Urlaub. 7000 Einwohner, 3,5 Millionen Übernachtungen jährlich, 1346 Autos pro Stunde. […] Den Verkehr merkt man auch an der CO₂-Belastung, in Lazise gilt sie als kritisch. Und auf dem Wasser.“
Die Krone setzt dem ganzen allerdings der Touri-Hot-Spot Sirmione auf. Die Halbinsel ist bereits in der Nebensaison an guten Tagen stark überlaufen, ein Hotel reiht sich ans andere, Parkplätze für die tausenden Tagestouristen sind Mangelware. Zwar gibt es in Sirmione einen Shuttle-Bus, dieser verkehrt jedoch nur alle 15 – 20 Minuten und wird kaum beworben.
Durch eine Straßenbahn, welche das durchgehende Siedlungsband des Südufers erschließt inkl. eines Abzweigs nach Sirmione, könnte ein Großteil des Autoverkehrs von der Straße auf die Schiene verlagert werden, was für Touristen und Einheimische gleichermaßen eine norme Entlastung bedeuten würde. Nicht zu vergessen sind die beiden großen Freizeitparks nördlich von Pesciera – hier muss man sich einfach nur mal die Größe der Parkplätze ansehen, um die Besucherzahlen abschätzen zu können.
Mein Konzept beinhaltet 3 Linien welche im 20-Minuten-Takt (in der Nebensaison auch weniger) verkehren:
Linie A: Garda – Pesciera – Desenzano
Linie B: Garda – Pesciera – Sirmione
Linie C: Sirmione – Desenzano
2 Linien verlaufen immer parallel und ergänzen sich zu einem durchgehenden 10-Minuten-Takt.
Zwar würde eine Straßenbahn wie hier eine riesige Investition bedeuten – mindestens genauso riesig wäre jedoch in meinen Augen der Gewinn für Mensch und Umwelt, besonders wenn die Touristenzahlen weiter steigen wie bisher.

Das hört sich echt interessant an, Lorwo. Jedoch bitte bedenke, dass Du hier im Strassenverkehr mitschwimmen würdest. Gerade die Strecke nach Garda (meine ich) ist ziemlich schwierig zu errichten, da man hier die enge Strasse deutlich einschränken müsste (was für Anreisende eher suboptimal ist). Ausserdem würde ich hier eindeutig Zweirichtungsfahrzeuge verwenden, um so eine höhere betriebliche Flexibilität zu erreichen.
Weiters hast Du halt wirklich nur eine touristische Wirkung und wenn Du die Strassenbahn dann wirklich attraktiv machen willst musst Du sie fast kostenfrei anbieten und ob das im finanzschwachen Italien wirklich ne Lösung ist… Da würde ich es eher sinnvoll finden wenn man in Rom die Strassenbahn weiter ausbaut und attraktiviert.
Hallo Julian!
Ich habe mich mit den Gegebenheiten schon etwas vor Ort und viel auch durch Satellitenkarten und Streetview beschäftigt. Schätzungsweise 50% der Strecke könnte man auf eigenem Bahnkörper unabhängig der Straße errichten. Nach Garda würde ich auch von Bardolino aus nur eine eingleisige Strecke im T20 vorsehen. Diese könnte man entweder parallel zum breiten Ufer-Fußweg oder oberhalb der Straße errichten. Da letzteres aber eine lange Brücke benötigen würde, bevorzuge ich in diesem Abschnitt die Führung am Gehweg.
Nichtsdestotrotz hast du natürlich recht mit deiner Anmerkung, dass die Straßenbahn oft auf der Hauptstraße im Verkehr mitschwimmen muss. Das ist neben der nur saisonal hohen Auslastung auch einer der beiden größeren Negativ-Aspekte die ich sehe.
Die Frage nach Einrichtungs- oder Zweirichtungsfahrzeugen ist schon berechtigt, beides hat ja seine Vorteile. Da aber bei Einrichtungsbetrieb die Fahrzeuge günstiger sind und mehr Sitzplätze bieten habe ich mich erst einmal dafür entschieden.
Um die Kosten mache ich mir dahingegen keine Gedanken. So stark wie der Tourismus am Gardasee boomt könnte über Abgaben und Steuern die benötigte Summe schon zusammenkommen. Übernachtungsgäste würden dann – wie es andernorts auch üblich ist – eine Karte erhalten, mit welcher sie für die Dauer ihres Aufenthalts die Tram umsonst nutzen können. Dadurch würden aus meiner Sicht schon viele auf die Straßenbahn für Tagesausflüge etc. umsteigen. Tagestouristen tun die paar zusätzlichen Euro auch nicht weh, wenn man bedenkt, dass das Parken ohnehin in den meisten Orten überall kostenpflichtig ist.
Hallo Lorwo,
danke für die Antwort. Naja bei 50% auf eigenem Bahnkörper ist das ganze dann eh schon recht gut trassiert und ein weniger grosses Problem. Danke für die Auskunft wegen Garda, das wäre so natürlich deutlich einfacher zu trassieren und auch deutlich realistischer. Mit dem Mehr an Kapazität hast Du natürlich auf jeden Fall ein Argument pro Einrichtungsfahrzeug. Im Endeffekt ist das aber sowieso nur eine Nebensache. Bezüglich Kosten magst Du auch wieder recht haben, der Tourismus boomt da unten tatsächlich. Wenn man das in die Kur- und Ortstaxe miteinbezieht und für den Tagespendler genügend alternative Stellplätze anbietet kann das bestimmt ein gutes Alternativangebot sein – vor allem, wenn man zum Beispiel in Sirmione die Parkplätze auch noch reduziert und die ZTL (zona traffico limitato) ein wenig erweitert… Der Stadt würde es gut tun und damit den Menschen.
Die Parkplätze reichen heute schon in vielen Orten – besonders in Sirmione – hinten und vorne nicht aus, da muss man gar nicht mehr viel reduzieren. Was dem Ort neben der Straßenbahn gut tun würde wäre ein großer kostenloser P+R Parkplatz südlich des Ortes neben meinem Gleisdreieck. Dort könnten dann die Tagesausflügler direkt von der Bundesstraße auf den Parkplatz fahren und die Tram nehmen – das spart sowohl den Einheimischen als auch den Touristen viel Zeit, Stress und Drängelei auf der übervollen Halbinsel.
Das muss ich Dir jetzt einfach mal glauben – Ich kenn Sirmione jetzt nur ausserhalb der Haupturlauberreisezeiten. Der P&R-Platz wäre jedoch bestimmt sinnvoll und ein gutes Angebot für Tagestouristen.