Beschreibung des Vorschlags
Auf der Laufertalbahn (Süßen – Weißenstein) fuhren noch bis 1980 Personenzüge von und nach Süßen. Seitdem mussten die 11.000 Einwohner von Donzdorf ohne einen Bahnanschluss auskommen, stattdessen muss man mit Auto oder Bus erst nach Süßen fahren, um Zugang zum Schienenverkehr zu haben. Ich war einigermaßen erstaunt, dass ich gar keine offiziellen Bestrebungen oder wenigstens Forderungen irgendwelcher Lokalpolitiker für einen Wiederaufbau der Strecke gefunden habe. Ursachen dürften zwei Sachen sein: Zum einen ist ein kleiner Teil der Trasse im Westen Donzdorfs überbaut worden, zum anderen ist die Strecke laut Wikipedia entwidmet. Ich beschränke mich hier nur auf Donzdorf, da das Gebiet dahinter nur äußerst dünn besiedelt ist und ein Bahnbetrieb hier unrealistisch erscheint.
Nichtsdestotrotz sehe ich für Donzdorf durchaus Potential, da die neuzubauende Strecke lediglich etwa 4 km lang wäre und das Stadtgebiet sehr gut direkt angebunden werden kann. Mit meinem Betriebskonzept würden auch kaum Mehrkosten im Betrieb entstehen. Offiziellen Planungen zufolge soll die Filstalbahn (Plochingen – Ulm) an das S-Bahn-System angebunden werden. Da langfristig eine Linie bis Geislingen vorgesehen ist, und dieser Vorschlag ohnehin einer für die fernere Zukunft sein dürfte, kann man diesen Fall als gegeben annehmen. Die S-Bahnen verkehren standardmäßig mit Langzügen (Dreifachtraktionen). Wenn wir davon ausgehen, dass auf dem Abschnitt Süßen – Geislingen Vollzüge (Doppeltraktionen) ausreichen, könnte man ja den hinteren Zugteil in Süßen abtrennen und nach Donzdorf schicken, während die vorderen beiden normal nach Geislingen verkehren. Auf diese Weise braucht man keine zusätzlichen Fahrzeuge, lediglich einen weiteren Fahrer. In Stuttgart ist das Kuppeln von S-Bahnen im Fahrgastbetrieb gängige Praxis (Renningen, Marbach), das sollte also unproblematisch sein.
Auf die Strecke werde ich nicht im Detail eingehen, weil sie im Großen und Ganzen der alten Trasse folgt. Wo die Strecke zweigleisig ausgebaut werden würde, muss natürlich im Detail untersucht werden, innerhalb von Donzdorf sollte ein Gleis aber definitiv reichen. Beim Gewerbegebiet ist die alte Trasse leider überbaut, weshalb man um einen ca. 350m langen Tunnel nicht herumkommt. Dieser kann vollständig in Deckelbauweise gebaut werden.
In Donzdorf habe ich mich bewusst für 2 Haltepunkte entschieden: Donzdorf West liegt 200 Meter westlich vom alten Bahnhof. Hier ist die Verknüpfung mit dem Busverkehr (Linien 970-972) möglich, zudem werden das Gewerbegebiet und die westlichen Teile der Stadt angebunden. Der Haltepunkt Donzdorf liegt näher am Stadtzentrum und bindet die östlichen Teile an.
Ideal wäre ein 30′-Takt mit einem S-Bahn-Kurzzug. In Schwachverkehrszeiten wäre auch ein Pendelbetrieb zwischen Donzdorf und Süßen (oder Göppingen?) denkbar.
Vorgeschlagen wurde hier bereits ein Modell mit Zweisystemfahrzeugen. Ich denke allerdings, dass die Einbindung in ein bestehendes Verkehrssystem insbesondere wegen dem wegfallenden Umsteigezwang nach Göppingen und Stuttgart einen höheren Nutzen erzielen kann.

Wenn schon denn schon. Warum nicht im Osten 2 Haltepunkte?
Was genau meinst du?
Neben dem Haltepunkt westlich des alten Bahnhofs einen in der Friedhofstr und einen in der Bergstraße um den Ort besser zu erschließen.
Darüber kann man diskutieren, allerdings reichen die zwei Haltepunkte bereits um 80-90% der Stadt anzubinden, und das ist immer noch ne S-Bahn
Sind eigentlich noch Trassen Richtung Stuttgart frei? Denn das Flügeln in Süßen wird durch kleinste Verspätungen zum Lotteriespiel. Zumal man doch einen eigenen Fahrer braucht.
In Süßen gibt es 4 Gleise, der Regionalverkehr kann also überholen, wenn das Kuppeln zu lange dauert oder die S-Bahn verspätet ist. Für das S-Bahn-System selbst ist das natürlich ein Risiko, allerdings wird das ja bei der S6/S60 bereits heute ganz ähnlich praktiziert. Eine zusätzliche Trasse braucht man ja nicht wenn man die selbe nutzt wie die Linie nach Geislingen.
Die Idee ist nachvollziehbar, allerdings schätze ich den Effekt als eher begrenzt ein. Das „Problem“ ist die geringe Entfernung zwischen Donzdorf und Süßen. Dadurch hat man keine so großen Fahrzeitgewinne oder Nutzen, wie bei anderen Streckenreaktivierungen. Gleichzeitig ist der betriebliche Aufwand (zusätzlicher Fahrzeugführer, Kuppelvorgänge,…) dafür recht hoch. Als alternierende Bedienung zu Geislingen wäre es vielleicht eher denkbar.
Ansonsten weiß ich nicht, wie viel Zustimmung die Reaktivierung bei den Bewohnern von Donzdorf erfahren wird, einige sind sicher nicht so begeistert von der Bahnstrecke vor ihren Fenstern und durch den Schlossgarten.
Problematisch ist auch der notwendige Tunnel sowie die kreuzenden Straßen im Stadtgebiet. Ich fürchte hier wäre ein Haltepunkt am Ortsrand realistischer – allerdings ist er dann nur noch begrenzt fußläufig erreichbar, sodass der Vorteil gegenüber der selbstständigen Anreise nach Süßen nur noch minimal ist.
Tja, ich denke das sind so in etwa auch die Gründe, warum eine Reaktivierung nicht von offizieller Seite aus verfolgt wird. Vielleicht schafft man es aber eines Tages mal die Donzdorfer zu versammeln und für eine Reaktivierung zu kämpfen, dann gäbe es eine Chance für das Projekt.
Ich stimme dir insofern zu, dass die Trassierung durch den Ort eine Herausforderung wäre. Wenn die Donzdorfer nicht wollen wird es nicht gehen. Ein Haltestelle am Ortsrand würde da auch nix bringen, dann kann gleich nach Süßen fahren. Der Tunnel ist ärgerlich, aber in offener Bauweise baubar und nur eingleisig, deshalb sollte der nicht zu einer Kostenexplosion führen. Man könnte auch die Daimlerstraße ganz aufgeben und den Verkehr durch die Parallelstraßen, dann müsste man aber ein paar Grundstücke kaufen die sonst vom Straßennetz abgeschnitten wären.
Nichtsdestotrotz sehe ich hier definitiv einen Nutzen gegeben. Die Fahrt nach bspw Göppingen dauert heute mit Bus + MEX rund 25 min bei ca 8 min Umsteigezeit in Süßen. Die S-Bahn bräuchte sagen wir 4 min nach Süßen, 6 min Kuppeln (wie in Renningen) und 8 min Fahrt nach Göppingen, macht dann 18 min statt 25 min, ohne Umstieg, ohne Bus.
Der betriebliche Aufwand wäre vermutlich sogar geringer als bei einer eigenen Linie, weil es nur einen Fahrer benötigt, kein zusätzliches Fahrzeug. Das Kuppeln wird ja bereits auf anderen Linien praktiziert, und bei einer Verlängerung der S1 ins ähnlich große Weilheim und etwas größere Lenninger Tal wird ein ähnliches Konzept erwogen. Eine alternierende Bedienung halte ich nicht für sinnvoll, da die Strecke bis Geislingen schon klar bedeutender ist und Langzüge in Donzdorf extrem überdimensioniert wären.
Du könntest das Gleis weiter südlich ausfädeln, und einen Halt Donzdorf in der Grünschneise südlich des Schlossparks errichten. Der Fahrzeit würde sich etws verlängern, aber man hätte einen Halt der relativ inmitten Donzdorfs liegt. Dadurch könnte man sich Straßenkreuzungen sowie den Tunnel sparen.
Südlich von Donzdorf steigt das Gelände extrem an, da würde man auch nicht um Tunnel herumkommen, und unter der Straße wäre dann vermutlich billiger als durch einen Berg