Beschreibung des Vorschlags
Das Warum?
In Braunschweig läuft gerade das Projekt Stadt.Bahn.Plus., bei dem das Straßenbahnnetz bis 2030 um fast die Hälfte vergrößert werden soll. Ich möchte mich in den kommenden Wochen auf dieser Website mit über das Konzept hinausgehenden Streckenausbauten beschäftigen, um für alle, die wie ich interessierte Laien sind, den heutigen Stand eventuell weiterer Ausbauten festzuhalten. Das hier ist der erste Vorschlag in diesem Rahmen.
Weil die Deadline 2030, da der Bau noch nichtmal im Teilprojekt 1 von 3 begonnen hat (in der Beschlussvorlage hatte man sich als Baubeginn das Jahr 2020 als Ziel gesetzt), mittlerweile nicht mehr als realistisch erreichbar erscheint, betrachte ich bei der Realisierung meiner Vorschlägen einen Zeitraum zwischen 2040 und 2050.
Laut der Beschlussvorlage wurde damals als die Strecken für das Stadtbahnausbauprojekt zusammen mit einer Neubaustrecke zum Kanzlerfeld auch ein Streckenast nach Lamme geprüft. Während sich Ersterer nach Durchführung der standardisierten Bewertung als förderfähig erwies, war das beim Ast nach Lamme nicht der Fall.
Damals geprüft wurde eine Trasse, die nördlich der Lehndorfer Siedlung aus der Strecke zum Kanzlerfeld ausfädelt und sich dann der Strecke in meinem Vorschlag annhähert. Trotzdem glaube ich, dass nach Realisierung des Teilprojekts 3 (westliche Innenstadt und Lehndorf/Kanzlerfeld), eine Prüfung vom Streckenast nach Lamme noch einmal Sinn ergibt.
Die Strecke
Die genaue Trassierung der Neubaustrecke müsste von einem Ingenieurbüro, nach Machbarkeitsstudien, Bürgerbeteiligungen und so weiter festgelegt werden. In meinem Vorschlag nehme ich grob die Trassierung aus diesem Dokument (S. 9-11), das die Mitglieder des Braunschweiger Forums und von MoVeBS 2014 als Reaktion auf den Ratsbeschluss einmal verfasst hatten.
Die in dem Dokument vorgeschlagene Haltestelle Merziger Straße habe ich nicht mit aufgezeichnet. Sie müsste aufgrund der Enge der Neunkirchener Straße weit nach Westen abgerückt werden, wäre nur etwas über 300 Meter von der Haltestelle Neunkirchener Straße entfernt und würde deswegen nur einen kleinen Teil des Lehndorfer Wohngebietes erschließen.
Weitere mögliche Streckenvarianten wären beispielsweise die ursprünglich untersuchte, die vollständig auf besonderem Gleiskörper liegt, und nördlich der Haltestelle Saarbrückener Straße aus der Strecke zum Kanzlerfeld ausfädelt, die hier aufgeführte über die Neunkirchener Straße oder die nördlich der Hildesheimer Straße ausfädelnde über die Hannoversche Straße.
Die Variante über die Neunkirchener Straße ist ungefähr 3,4 Kilometer lang und endet am Hohkamp. Es bestünde auch die Möglichkeit, sie 800 Meter weiter östlich an der Haltestelle Lammer Heide enden zu lassen. Platz für die Wendeschleife wäre vorhanden. In Lamme wird die Trasse für die Stadtbahn freigehalten. Fast der gesamte 7.000-Einwohner-Ortsteil liegt innerhalb einer 500-Meter-Radius um die Stadtbahnhaltestellen. Der Ort wird mit den vier aufgezeichneten Halten beinahe ideal erschlossen.
Bedienung
Die Bedienung gestaltet sich relativ einfach. Statt der im Zielnetz 2030 als Verstärkerlinie 12 verkehrt eine Hauptlinie — ich gebe ihr einfach mal die Nummer 6 — von Lamme über Radeklint, Hagenmarkt, Schloss und J.-F.-Kennedyplatz im 15 Minutentakt zum Hauptbahnhof. Damit wird außerdem der 7,5-Minuten-Takt bis zum Saarplatz gefahren und nicht nur bis zur Hildesheimer Straße. Vermutlich wären zwei neue Stadtbahnfahrzeuge notwendig. Im folgenden einmal die Veränderungen im Busverkehr, bezogen auf den oben verlinkten Zielfahrplan.
Die Buslinie 422 in Lehndorf könnte um eine Haltestelle gekürzt werden, die im Stundentakt geplante Buslinie 461 mit der Linie 418 oder 428 vereinigt werden. Dadurch ergibt sich eine Buslinie Bevenrode/Riddagshausen – Stadt – Madamenweg – Raffturm – Lamme/Lammer Heide – Kanzlerfeld – Völkenrode. Die nicht mit der 461 vereinigte Buslinie kann stündlich über Neudammstraße und Rodedamm zum Hohkamp verkehren. Ob dadurch Fahrzeuge eingespart werden können, vermag ich nicht zu sagen, trotzdem wäre dadurch der Busverkehr in Lamme ebenfalls attraktiver gemacht und das obwohl insgesamt weniger Buskilometer gefahren werden.
Fahrzeiten
Es ergibt sich eine Distanz von ungefähr 6 Kilometern vom Hohkamp zum Radeklint. Eben so weit ist es von der Lammer Heide zum Altstadtmarkt. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern ergibt sich eine Fahrzeit von circa 12 Minuten. Das ist im Vergleich zum Bus über den Madamenweg (14 Minuten) nicht sonderlich viel schneller. Das war wohl auch einer der Hauptgründe, warum die Strecke bei der Prüfung 2014 nicht förderfähig war.
Die Fahrzeitvorteile kommen allerdings besonders bei Fahrten zum Tragen, die nicht in der westlichen Innenstadt enden. Besonders der Ausbau des Saarplatzes zum Stadtteilzentrum könnte durch die Strecke begünstigt werden.
Im Gegensatz zu den heute 13 Minuten Fahrzeit mit dem Bus von der Lammer Heide sind es mit der Bahn in Zukunft drei bis vier Minuten. Aus dem Lammer Westen sind die Ersparnisse noch größer. Aus Lamme zur Hildesheimer Straße (zur ehemaligen Lehndorfer Mühle oder weiter zum Rudolfplatz) sind es statt heute 16 Minuten um die sechs. Außerdem fahren mit der neuen Strecke Bahnen direkt von Lamme zum Hauptbahnhof oder sogar darüber hinaus, sollte die Linie irgendwann verlängert werden.
Weitere Vorteile
Wenn man durch den Ausbau täglich auch nur einige Pendelfahrten in die Stadt vom Auto in die Bahn verlagert werden die Hannoversche und Hildesheimer Straße merklich entlastet, auch am Rudolfplatz und nördlichen Ring würden sich positive Effekte bemerkbar machen.
An der Haltestelle Ottweilstraße ist das Hoffmann-von-Fallersleben so direkt mit Lamme verbunden. Auch die Schulen in der Stadt (besonders das Gymnasium Kleine Burg und Wilhelmgymnasium) sind für Lammer Schüler schneller und komfortabler zu erreichen. Mit Umstieg am Rudolfplatz können Studenten aus Lamme zur Uni kommen.
Die Sportplätze Lamme und Lehndorf liegen außerdem im Einzugsgebiet, genau so die Grundschule Lehndorf am Saarplatz und die Grundschule Lamme am Backhausweg. Außerdem könnten die Busstraße und die drei Bus-Wendehammer in Lamme durch das optisch deutlich ansprechendere Rasengleis der Stadtbahn ersetzt werden.
Ebenfalls auf der Karte eingezeichnet habe ich derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen, die zu Wohngebieten gemacht werden könnten. Wenn man betrachtet, dass im Wohngebiet Neue Lammer Mitte 68 Wohneinheiten entstanden sind, könnten auf diesen Flächen sicherlich noch einmal 150 Mehrfamilienhauswohnungen bebaut werden. Insgesamt könnten also noch einmal 300-500 mehr Menschen in nächster Nähe zur Straßenbahn wohnen.
Außerdem könnte die geplante Wendeschleife an der viel befahrenen Kreuzung der Hildesheimer Straße mit der Hannoverschen Straße entfallen.
Probleme
Besonders die Neunkirchener Straße stellt ein Nadelöhr dar. Mit ihren 12 Meter blieben bei einem Abstand der Gleismitten von 4 Metern, 2,65 Meter breiten Fahrzeugen und einem halben Meter Sicherheitsabstand auf beiden Seiten der Straße 2 Meter für den Fuß- und Radverkehr. Bahn und Autos würden gemischt verkehren und die Parkplätze entfielen. Im anfangs erwähnten Dokument wird vorgeschlagen, zu prüfen, die Strecke eingleisig und die Haltestellen als Kreuzunghaltestellen auszuführen. Bis auf einen einige Meter kurzen Abschnitt auf der Hagenbrücke wäre das bis dato einmalig im Braunschweiger Netz.
Auch die eingangs erwähnte negativ ausgefallene Prüfung der Förderfähigkeit ist ein Problem. Ganz besonders ärgerlich ist es, dass der Bund derzeit Straßenbündige Bahnkörper nicht fördert. Solange die Rahmenbedingungen so bleiben wie sie sind heißt das auch, dass Land und Stadt (vermutlich hauptsächlich die Stadt) eine Straßenbahn über die Neunkirchener Straße größtenteils selbst finanzieren müssten.
