Ausbau Bonn Hbf für S-Bahn und Zielnetz 2040

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Beschreibung des Vorschlags

Der Bonner Hauptbahnhof ist mit nur 5 Bahnsteiggleisen gemessen am Reisendenaufkommen bereits heute relativ klein. Von den 5 Gleisen werden drei regelmäßig von den wendenden Linien S23, RB30, RB48 und den ICE-Sprintern aus Berlin genutzt. So stehen nur Gleis 1 und Gleis 3 vollständig für den Betrieb der Fernbahn zur Verfügung. Der Erweiterungsspielraum ist durch die enge Bebauung rund um den Hauptbahnhof stark beschränkt.

 

Offizielle Planungen

Das Zielnetz NRW sieht eine deutliche Ausweitung der Verkehre vor:

  • Die S23 wird im 20-Minuten-Takt nach Bonn-Mehlem verlängert, Verstärker aus Rheinbach sollen am Hbf enden
  • Eine neue S17 aus Köln endet im 20-Minuten-Takt am Hbf und ersetzt die Verstärker der RB48 (bisher 60-min-Takt)
  • Die RB26 wird im Abschnitt Köln-Remagen durch eine RRX-Linie ersetzt
  • Die bisher in Bonn-Mehlem endenden Fahrten der RB48 verschmelzen mit der RB30 und fahren bis Ahrbrück

Die linke Rheinstrecke soll dazu sowohl zwischen Hürth-Kalscheuren und Bonn Hbf als auch zwischen Bonn Hbf und Bonn-Mehlem auf 3-4 Gleise ausgebaut werden, um die zusätzlichen S-Bahnen aufnehmen zu können. Eine genauere Planung zum Verlauf der zusätzlichen Gleise liegt meiner Kenntnis nach nicht vor.

 

Die Probleme

Naheliegend wäre es auf den ersten Blick, den S-Bahn-Verkehr über die Gleise 4 und 5 abzuwickeln und den Fahrplan wie im Zielnetz geplant umzusetzen. Das hätte allerdings einige entscheidende Nachteile:

  • 6 wendende S-Bahn-Züge pro Stunde blockieren die durchgängigen S-Bahn-Züge auf den Gleisen 4 und 5.
  • Wird die S-Bahn-Strecke im Linienbetrieb südlich der Fernbahn gebaut, schränkt das die Kapazität der S-Bahn-Strecke deutlich ein, da in manchen Abschnitten südlich von Hbf nur ein zusätzliches Gleis neu gebaut werden kann (z.B. direkt hinter der Südunterführung). Deutlich besser wäre ein Richtungsbetrieb mit den S-Bahn-Gleisen in der Mitte: Wenn es hier im Verspätungsfall zu einer außerplanmäßigen Begegnung zweier S-Bahnen im eingleisigen Abschnitt käme, könnte eine S-Bahn einfacher auf die Fernbahn ausweichen, falls diese gerade frei ist.
  • Der S-Bahn-Westring Köln wird bereits im Richtungsbetrieb mit der S-Bahn in der Mitte geplant, daher wäre es naheliegend, auch bei der Erweiterung der linken Rheinstrecke bis Bonn-Mehlem diese Gleisanordnung zu wählen.
  • Das heutige bereits überlastete Angebot zwischen Köln und Bonn wird nur moderat von 4 auf 6 Züge pro Stunde ausgebaut. Davon sind allerdings 3 Züge S-Bahnen mit zusäztlichen Halten und damit langsamer als die heutigen Regionalbahnen. Ich sehe daher zukünftig einen Bedarf von weiterhin 4 schnellen Regionalverkehrszügen zusätzlich zur neuen S-Bahn.
  • Wenn nur noch drei Bahnsteiggleise am Hbf für die Fernbahn zur Verfügung stehen und die ICEs weiterhin auf Gleis 2 wenden, sind keine weiteren endenden Züge am Bonner Hbf mehr möglich.
  • Die Durchbindung der RB48 nach Ahrbrück würde dazu führen, dass entweder deutlich überdimensionierte ins Ahrtal fahren müssen oder dass in Remagen gestärkt und geschwächt werden müsste. Außerdem ist die RB48 eine relativ unzuverlässige Linie, das verträgt sich nicht gut mit den eingleisigen Abschnitten der Ahrtalbahn.
  • Eine Abbindung der S17 am Hbf führt dazu, dass man von den kleineren Stationen (Hürth-Kalscheuren, Sechtem, Roisdorf) nicht mehr zum UN-Campus fahren kann, welcher das Ziel vieler Pendler ist.

 

Mein Vorschlag

Ich beschreibe in diesem Vorschlag einen deutlichen, aber kosteneffektiven Ausbau des Hauptbahnhofs. Dabei wird ein Richtungsbetrieb  mit den S-Bahnen in der Mitte zugrunde gelegt, ihnen werden am Hauptbahnhof die bisherigen Gleise 2, 3 und 4 zugeschlagen. Die Fernbahn wird über die bisherigen Gleise 1 und 5 abgewickelt, zusätzlich werden drei neue Kopfgleise für endende Züge gebaut. Die neuen Kopfgleise werden direkt anschließend an das Bahnhofsgebäude gebaut und liegen damit im Vergleich zum bestehenden Bahnhof in Richtung Nord-Westen verschoben. Aufgrund des Denkmalschutzes kann das Bahnhofsgebäude nicht an anderer Stelle neu gebaut werden.

Außerdem erhält der Hauptbahnhof eine neue Querpassage mit Anbindung an die U-Bahn und die Straßenbahn an der Thomas-Mann-Straße.

Ich nehme folgende Änderungen am Zielnetz 2040 vor:

  • Die S17 wird bis Bonn-Mehlem durchgebunden.
  • Zwei stündliche Fahrten der S23 werden über Bonn-Mehlem hinaus bis Ahrbrück verlängert. So erhält das Ahrtal zwar keine Direktanbindung nach Köln, dafür aber zwei Verbindungen pro Stunde nach Bonn. Die RB48 entfällt südlich von Bonn Hbf.
  • Bei der in Remagen endenden RRX-Linie entfallen die Halte Bonn-Mehlem und Rolandseck. Damit bekommt die Linie das gleiche Halteschema wie die andere RRX-Linie.
  • Der RRX wird zwischen Köln und Bonn Hbf durch zwei weitere Züge pro Stunde auf einen ungefähren 15-Minuten-Takt verstärkt. Diese Züge enden in Bonn Hbf und halten im Vergleich zum RRX zusätzlich in Bornheim-Roisdorf. Das könnten die RB48 oder auch andere Linien wie der RE7 oder der geplante RE2 sein.

Im neuen Hauptbahnhof ergibt sich folgende Gleisbelegung:

  • Gleise 1 und 3 (Kopfgleise, Nutzlänge 210m): Beginnende/endende Regios nach/aus Köln und Wuppertal (2x pro Stunde), einzelne beginnende/endende RRX und S-Bahnen
  • Gleis 2 (Kopfgleis , Nutzlänge 350m): Beginnender/endender Fernverkehr nach/aus Köln und Berlin (aktuell 3 Zugpaare pro Tag). Hier können Züge bis zur Länge eines 12-teiligen ICE 4 halten.
  • Gleis 4 (bisher Gleis 1, Nutzlänge 425m): RRX in Richtung Köln/Düsseldorf (2x pro Stunde), Fernverkehr in Richtung Köln/Düsseldorf/Wuppertal (1-2x pro Stunde)
  • Gleis 5 (bisher Gleis 2, Nutzlänge 210m): S-Bahnen in Richtung Euskirchen und Köln, (selten Ausweichgleis RRX bei Überholung)
  • Gleis 6 (bisher Gleis 3, Nutzlänge 210m): Beginnende/endende S-Bahnen, Ausweichgleis S-Bahn. Wird so umgestaltet, dass die Türen auf beiden Seiten geöffnet werden können.
  • Gleis 7 (bisher Gleis 4, Nutzlänge 210m): S-Bahnen in Richtung Bonn-Mehlem und Ahrbrück, (selten Ausweichgleis RRX bei Überholung)
  • Gleis 8 (bisher Gleis 5, Nutzlänge 410m): RRX in Richtung Remagen/Koblenz (2x pro Stunde), Fernverkehr in Richtung Koblenz/Frankfurt/Mannheim (1-2x pro Stunde)

 

Wegfallende Gebäude

Wegen der engen Bebauung kommt dieser Vorschlag nicht komplett ohne den Abriss von Gebäuden und einer Straßenunterführung aus. Ich habe mich bemüht, die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Folgendes muss abgerissen werden:

  • Die Bundespolizei und die Bahnhofsmission direkt im Anschluss an das Bahnhofsgebäude: Die Bausubstanz dieser Gebäude wirkt von außen bereits relativ marode. Ich kann mir vorstellen, dass man einem Ersatzneubau positiv eingestellt wäre, solange er direkt am Bahnhof entsteht, zum Beispiel auf der eingezeichneten Fläche.
  • Bürogebäude „Design Offices“ (Coworking-Space, wahrscheinlich ohne feste Mieter): Hier wird ein neuer Standort in Innenstadtlage gesucht.
  • Das Parkhaus direkt am Hauptbahnhof: Entfällt – eventuell können neue Stellplätze als Tiefgarage errichtet werden. Das Parkhaus gehört wohl bereits der Deutschen Bahn.
  • Der Südflügel des Gebäudes der Deutschen Rentenversicherung: Hier muss ein neuer Standort gesucht werden.
  • Die Unterführung Herwarthstraße: Wird verfüllt, da sie der neuen Querpassage sowie der Bahnsteigverlängerung am neuen Gleis 8 im Weg ist. Die Linienbusse fahren stattdessen über die für die Westbahn geplante neue Querung, durch die Südunterführung, oder die zurückgestellte Straßenverbindung vom Kreisverkehr Rabinstraße bis hoch zur Guido-Westerwelle-Brücke wird doch noch gebaut. Parallel zur neuen Querpassage könnte eine neue Unterführung für Radfahrer gebaut werden.

 

Maßnahmen nord-westlich des Hauptbahnhofs:

Nord-westlich des Hauptbahnhofs werden nur Flächen in Anspruch genommen, die bereits als Bahnflächen gewidmet sein sollten.

Zentral für diesen Vorschlag ist ein neues y-förmiges Überwerfungsbauwerk auf der Westseite des Hbf, das eine komplett höhenfreie Führung aller Verkehre außer der S-Bahn-Verzweigung ermöglicht. Das Überwerfungsbauwerk führt die aus Köln kommenden Züge der Fernbahn entweder geradeaus über die Gleise der einfädelnden S23 oder quer über alle Gleise zu den neuen Kopfgleisen des Hauptbahnhofs.

In diesem Bereich gibt es bisher ein Güterüberholgleis des 740m-Netz. Damit zu überholende Züge nicht die S-Bahn-Gleise kreuzen müssen, wird in diesem Vorschlag ein zweites 740m-Güterüberholgleis für die Gegenrichtung gebaut. Das südliche Gleis kann auch von Güterzügen genutzt werden um das Überwerfungsbauwerk zu umfahren, falls es ihnen zu steil ist.

Ich habe optional eine zusätzliche S-Bahnstation Tannenbusch Süd mit kurzen Umstiegswegen zur Stadtbahn eingeplant.

 

Maßnahmen süd-östlich des Hauptbahnhofs:

Auf dem ersten Teilstück kann die Strecke aufgrund der engen Bebauung voraussichtlich nur auf drei Gleise ausgebaut werden. Hier wird das Gleisplenum des ehemaligen „Trajektgleises“ benutzt. Spätestens südlich der Lessingstraße sollten vier Gleise möglich sein, so beschränkt sich der dreigleisige Abschnitt auf knapp 1km.

Da Überholungen des RRX durch den Fernverkehr am Hauptbahnhof und in Bad Godesberg nach Bau der S-Bahn wohl nur eingeschränkt möglich sein werden, wird eine solche Überholmöglichkeit am Bahnhof Bonn UN-Campus geschaffen. Dieser Bahnhof erhält damit sechs Gleise, vier davon mit Bahnsteig.

Metadaten zu diesem Vorschlag

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5 Kommentare zu “Ausbau Bonn Hbf für S-Bahn und Zielnetz 2040

  1. Gleis 2 (Kopfgleis , Nutzlänge 330m): Beginnender/endender Fernverkehr nach/aus Köln und Berlin (aktuell 3 Zugpaare pro Tag)

    Dann hoffen wir Mal dass dieser Fernverkehr nie in Doppeltraktion fährt, was er angesichts der ganzen Engstellen die durchquert werden allerdings besser sollte, auch wenn der Zug sich natürlich erst in Köln auf dieses Level füllt. ICEs kuppeln in Köln ist keine gute Idee, daher müsste der volle ICE auch bis nach Bonn fahren, wo er dann auf einem der 400m langen Durchgangsgleise wenden müsste.

    Ansonsten gefällt mir nicht wie viele Gebäude entfallen müssten, aber ich befürchte dass man da so einfach nichts dran ändern kann.  Man muss dann aber in ähnlich guter Lage neue Grundstücke für die betroffenen Firmen finden, da diese das sonst wohl nicht akzeptieren würden. Eventuell kann man sogar direkt über den neuen Bahnsteigen ein Gebäude errichten?

    1. Dann hoffen wir Mal dass dieser Fernverkehr nie in Doppeltraktion fährt, was er angesichts der ganzen Engstellen die durchquert werden allerdings besser sollte, auch wenn der Zug sich natürlich erst in Köln auf dieses Level füllt. ICEs kuppeln in Köln ist keine gute Idee, daher müsste der volle ICE auch bis nach Bonn fahren, wo er dann auf einem der 400m langen Durchgangsgleise wenden müsste.

      Einen 400m-Bahnsteig habe ich an dieser Stelle leider nicht unterbekommen, ohne dass weitere Gebäude abgerissen werden müssten. Aktuell enden in Bonn Hbf die Sprinterzüge aus Berlin, die zwischen Köln und Berlin ohne Halt unterwegs sind. Dort wird aktuell ein 7-teiliger ICE 4 eingesetzt, dafür würde auch ein 210m-Bahnsteig reichen.

      Für die Zukunftsfähigkeit habe ich den Bahnsteig trotzdem länger geplant. Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft auch weiterhin mittellange Fernverkehrszüge um die 300m (zwischen ca. 200m-Einzeltraktionen und ca. 400m-Doppeltraktionen) geben wird. Aktuell nehmen diese Rolle die 9-teiligen ICE 1 und Doppeltraktionen 411+415 ein (letztere werden gerade leider abgestellt), bald kommen die ICE L dazu. Diese Züge könnten alle das Gleis 2 benutzen. Vielleicht schafft man es in der weiteren Planung auch noch, zumindest das Gleis auf 346m Nutzlänge zu verlängern, dann könnte auch ein 12-teiliger ICE 4 dort halten, notfalls mit verschlossener letzter Tür.

      400m-Züge müssen tatsächlich die Durchgangsgleise verwenden. Nur dürften sie auf keinen Fall dort wenden, sondern müssten entweder in Richtung Koblenz durchgebunden werden oder im weiteren Verlauf der Strecke wenden (vielleicht in Bonn Neuer Weg).

      Ansonsten gefällt mir nicht wie viele Gebäude entfallen müssten, aber ich befürchte dass man da so einfach nichts dran ändern kann.  Man muss dann aber in ähnlich guter Lage neue Grundstücke für die betroffenen Firmen finden, da diese das sonst wohl nicht akzeptieren würden. Eventuell kann man sogar direkt über den neuen Bahnsteigen ein Gebäude errichten?

      Man hat hier halt leider in den letzten Jahren viel rund um den Hauptbahnhof neu gebaut, ohne an Flächenfreihaltungen zu denken… Das Parkhaus – das ich hier abreißen möchte – ist sogar erst 2020 eröffnet worden, obwohl es damals schon Pläne zum S-Bahn-Ausbau gab. Für die Design Offices könnte ein Neubau über den Gleisen wirklich eine guter Ansatz sein!

      Am problematischsten ist wohl das Gebäude der Deutschen Rentenversicherung. Da nur eine Ecke des Gebäudes durch die Verlegung der Rabinstraße in Anspruch genommen wird, könnte man sich vielleicht auf einen Neubau mit verkleinertem Grundriss, aber dafür höher, einigen. Aber dann bräuchte es Interimsgebäude. Eine schmalere Straße geht an der Stelle leider nicht, da hier die Westbahn fahren soll.

      1. Vielleicht schafft man es in der weiteren Planung auch noch, zumindest das Gleis auf 346m Nutzlänge zu verlängern, dann könnte auch ein 12-teiliger ICE 4 dort halten, notfalls mit verschlossener letzter Tür.

        Ich habe den Bahnsteig in der Karte jetzt auf 350m verlängert, das sollte gerade so passen.

        1. Ich habe gerade nochmal nachgeschaut: das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz. Da das Gebäude der DB gehört hätte man dieses sonst recht einfach opfern können, bei Denkmalschutz geht das aber natürlich nicht. Außer man schafft es irgendwie die Fassade beizubehalten während man die neuen Bahnsteige innerhalb des Gebäudes verlängert…

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