Beschreibung des Vorschlags
Hallo, ich bin neu in diesem Forum und dies ist mein erster Vorschlag, den ich erstellt habe. Musste mich mit der Karte erstmal vertraut machen. Ich hoffe man kann trotzdem alles soweit nachvollziehen.
Ich bin in Dessau-Roßlau geboren und aufgewachsen, aber wohne und arbeite inzwischen woanders. Da ich beruflich im ÖPNV tätig bin, glaube ich, den ÖPNV in Dessau sowohl aus der Perspektive des Einwohners, als auch als Außenstehender mit Vergleich zu anderen Städten gut einschätzen zu können.
Kleines Vorwort:
Dessau-Roßlau ist eines von drei Oberzentren im Land Sachsen-Anhalt. Mit knapp 245 km² ist sie zwar die flächenmäßig größte Stadt Sachsen-Anhalts, aber mit ca. 75.000 Einwohnern im Jahr 2024 lediglich die drittgrößte nach der Einwohnerzahl. Die damit einhergehende geringe Bevölkerungsdichte stellt für den Betrieb von ÖPNV eine große Hürde dar. Laut aktuellem Nahverkehrsplan lag der Modal Split für den ÖPNV in Dessau-Roßlau im Jahr 2013 bei 6 bis 7%. Dies deckt sich mit meinen Beobachtungen von teils komplett leeren Bussen im Stadtgebiet. Meiner Meinung nach liegt das Hauptproblem darin, dass vorhandene Potenziale nicht ausgeschöpft werden. Die Linien decken den größten Teil der Stadtfläche ab. Aber Linien, die teilweise unter der Woche nur im Stundentakt verkehren, laden nicht unbedingt zum Mitfahren ein. Wer ÖPNV nutzen muss, tut es. Wer andere Alternativen hat, tut alles, um nicht vom ÖPNV in Dessau abhängig zu sein. Ein politischer Wille, an diesem Zustand etwas zu ändern, fehlt mir gänzlich. Stattdessen versucht man mit einem Minimum an Angebot möglichst effizient den A*sch an die Wand zu bekommen, um halbwegs den Zweck der Daseinsvorsorge zu erfüllen. (Nicht falsch verstehen, die DVG können auch nur das leisten, was vom Aufgabenträger bestellt wird, daher geht meine Kritik ganz klar an die Stadt). Da der Nahverkehrsplan im Jahr 2026 ausläuft, ist dies Grund genug, über diverse Anpassungen des Angebots nachzudenken.
Ist-Zustand:
Die DVG betreibt zwei Straßenbahnlinien, sowie zehn Stadtbuslinien im Tagesverkehr und sechs Nachtbuslinien, welche von ca. 4 Uhr bis ca. 21 Uhr unterwegs sind (Die letzte Straßenbahn rückt ungefähr 21 Uhr ein, daher kann man eigentlich schon von 20 Uhr Betriebsschluss reden). Ab 21 Uhr bis 24 Uhr übernehmen die Nachtbuslinien. In der HVZ gilt im Straßenbahnbereich ein 15 min-Grundtakt, sowie ein 30 min-Takt in der NVZ. Im Busbereich gilt in der HVZ ein 30 bzw. 60 min-Grundtakt, sowie in der NVZ ein 60/120 min-Takt bzw. Linienbedarfsverkehr in Form von Rufbussen.
Auch wenn sich viele einen Ausbau des Straßenbahnnetzes wünschen (ich auch), halte ich dieses Vorhaben in einer immer weiter schrumpfenden Stadt nicht für realistisch. Daher beziehen sich meine Vorhaben größtenteils auf den Busverkehr.
Meine Vorschläge:
Für einen attraktiveren ÖPNV sind folgende drei Kernpunkte umzusetzen:
1. Längere Bedienung des Tagesliniennetzes und Erhöhung des Taktes,
2. Teilweise Neuordnung der Buslinien mit besserer Erschließung der Bahnhöfe und neuen Haltestellen,
3. Einführung von Flächenbedarfsverkehr in dünn besiedelten Stadtteilen.
1. Längere Bedienung des Tagesliniennetzes und Erhöhung des Taktes:
Aktuell fährt man in Dessau-Roßlau entweder ganz oder gar nicht. In meinem Vorschlag gibt es mindestens einen 30 min-Takt auf allen Buslinien in der HVZ, welche sich teilweise durch Linienüberschneidungen zu einem 15 min-Takt ergänzen. Ab 20 Uhr soll der 30 min-Takt zwar beibehalten werden, jedoch werden manche Linien kurzgeführt, um Linienüberschneidungen zu vermeiden und die Wirtschaftlichkeit beizubehalten. Bis 24 Uhr ist man so mit einem Tagesnetz unterwegs und kann von 24 Uhr bis 4 Uhr das bisher bekannte Nachtnetz fahren. (Vielleicht reicht auch 22 Uhr als Grenze zum Nachtnetz…auf jeden Fall ist alles besser als das bisherige Ende um 20/21 Uhr).
2. Teilweise Neuordnung der Buslinien mit besserer Erschließung der Bahnhöfe und neuen Haltestellen:
In einem anderen Vorschlag las ich etwas von einem zusätzlichen Haltepunkt „Dessau, Altener Straße“ der S-Bahn S2 und S8 an einem neu zu errichtenden Bahnsteig unter der Brauereibrücke. Diese Idee fand ich sehr interessant und übernehme sie daher in mein Konzept. Das wäre wahrscheinlich die kostspieligste Maßnahme in meinem Vorschlag, da hierfür die Straßenbahnhaltestelle Altener Straße verlegt werden müsste. Ich schlage daher eine neue Haltestelle direkt am Triftweg und eine Straßenbahnhaltestelle am künftig neuen S-Bahnhof Altener Straße vor. Das wären auch die einzigen Maßnahmen im Straßenbahnbereich.
Die weiteren Maßnahmen erläutere ich im Folgenden linienweise:
Linie 10: Keine Änderung, fährt wie bisher.
Linie 11:
wird auf 30 min-Takt erhöht, sodass mit der 12 zwischen Tempelhofer Straße und Puschkinallee/Tierpark ein 15 min-Takt herrscht.
Außerdem folgende Änderungen im Linienverlauf:
a)Wird im Süden von der Tempelhofer Straße aus bis zum S-Bf Dessau Süd verlängert, um dort einen Umstieg von S-Bahn zum ÖPNV zu ermöglichen. Aktuell läuft man ca. 300 m bis zur Straßenbahnhaltestelle Peterholzstr. Eine richtige Anbindung an die Viertel Haideburg und Törten gibt es somit nicht. Dies würde sich hiermit ändern. Alternativ kann man auch die 12 verlängern…oder beide, aber das wäre vllt. zu viel des Guten;)…Knackpunkt an der Verlängerung ist der Platzmangel. Die Busse müssten über den Mitarbeiterparkplatz vom DB Instandhaltungswerk wenden.
b) Stichfahrten zur Hagenbreite entfallen, dafür Einführung des Flächenbedarfsverkehrs (siehe Punkt 3)
Linie 12:
Takt siehe Linie 11.
In der NVZ nur zwischen Hbf und Ebertallee unterwegs, damit bietet Linie 11 zwischen Hbf und Dessau Süd alleine einen 30 min-Takt an.
Außerdem folgende Änderungen im Linienverlauf:
a) Evtl. Verlängerung zum S-Bf Dessau-Süd anstatt der Linie 11…je nachdem, was fahrplantechnisch Sinn macht.
b) Stichfahrten zur Hagenbreite entfallen ebenfalls
c) Stichfahrten zur Haltestelle Bergens Busch und Burgrainaer Str. bleiben entweder bestehen oder alternativ könnte man auch hier über Flächenbedarfsverkehr nachdenken.
Linie 13:
30 min-Takt bleibt bestehen.
Außerdem folgende Änderungen im Linienverlauf:
a) Wird als Durchmesserlinie verlängert bis S-Bf Dessau-Süd und verkehrt ab Hbf weiter über Haltestellen Kühnauer Str., Bauhausplatz, Gropiusallee, Fischereiweg (neue Haltestelle und damit bessere Anbindung an den Stadtteil Siedlung), Ziebigker Str., BSZ, Kleine Schaftrift, Kochstedter Kreisstraße (Übergang Linie 16), Seelmannstraße, DVG zum S-Bf Dessau Süd.
b) In der NVZ verkehrt die 13 wie aktuell nur zwischen Hbf und Waldersee
Anmerkung: Hiermit wäre eine gute Verbindung für die Berufsschüler zwischen S-Bf Dessau Süd, Azubiwohnheim in der Seelmannstraße und dem BSZ gewährleistet. Außerdem eine Tangentialverbindung von der Kleinen Schaftrift über das Gewerbegebiet Mitte nach Süd.
Linie 14:
Verkehrt im 30 min-Takt und bietet mit der 13 einen 15 min-Takt zwischen Brücke des Friedens/Krötenhof und BSZ.
Änderungen im Linienverlauf siehe Linie 13, bzw. ab BSZ im Zuge der heutigen 17 mit Anbindung des Bf Dessau-Alten. Dies ist überfällig, da aktuell die Berufsschüler eine regelrechte Völkerwanderung vom Bf zum BSZ hinlegen müssen.
Anmerkungen: Die Haltestelle Ziebigker Str. soll zukünftig als Umsteigehaltestelle zwischen 12 und 13/14 dienen. Ob das verkehrstechnisch nach aktuellem Stand so umsetzbar ist, glaube ich jedoch leider nicht. Außerdem bietet die Verlängerung der 13 und 14 eine bessere Anbindung an die Haltestelle Kühnauer Straße, wo perspektivisch das Städtische Klinikum expandieren will.
Linie 15:
entfällt. Dafür Einrichtung des Flächenbedarfsverkehrs Südost (siehe Punkt 3)
Linie 16:
Erhöhung des Taktes auf 15 min zwischen Roßlau, Ölpfuhlallee und Schloss Mosigkau.
Außerdem folgende Änderungen im Linienverlauf:
a) Anbindung Bf Dessau Mosigkau
b) Jeder zweite Bus endet eingekürzt als 16E am Karoliusplatz (somit nur 30min-Takt zwischen Mosigkau und Junkerspark). Evtl. auch Einkürzung in Roßlau denkbar, sodass 16E am Bf Roßlau endet und jede zweite 16 im 30 min-Takt bis Ölpfuhlallee fährt.
c) zusätzliche Haltestelle Große Schaftrift/Argenteuiler Straße. Diese liegt zwar mitten im Nirgendwo, dient aber ausschließlich als Umsteigehaltestelle zwischen Bus 14 und 16
d) Die Haltestelle Zunftstraße entfällt.
e) Die Fahrten nach Meinsdorf übernimmt künftig Bus 21
Linie 17:
entfällt und wird durch Takterhöhung der 11 und 12 sowie durch Verlängerung der 13 und 14 ersetzt.
Linie 21:
verkehrt im 30 min-Takt in der HVZ
Da aktueller Linienverlauf sehr verwirrend ist, wird dieser vereinfacht und verkürzt. Alle Fahrten beginnen und enden an den Haltestellen Wäldchen und Meinsdorf, Schwimmbad. Neue Haltepunkte sind Bf Rodleben und Bf Meinsdorf. Genauer Linienverlauf kann der Karte entnommen werden, da ich in der Region oberhalb der Elbe nicht ganz so ortskundig bin 😉
Linie 22:
entfällt.
Die Orte Rietzmeck, Brambach, Neeken, Mühlstedt, Thießen, Natho und Streetz werden künftig nicht mehr von den Linien 21 und 22, sondern vom Flächenbedarfsverkehr bedient. Einzelne Schülerfahrten werden wohl aber mit Bussen im Verlauf der heutigen 21 und 22 durchgeführt werden müssen.
Ergänzungen für den Stadtverkehr in Dessau:
Meiner Meinung nach gibt es noch Erschließungslücken zwischen Hbf und Askanischer Straße. Hierfür hatte ich eine Umverlegung der 11/12 entweder über die Bitterfelder Straße und Amalienstraße oder über Theater und Willy-Lohmann-Straße im Kopf. Allerdings entfiele dann der Umstieg am Bauhausmuseum. Das hätte zu viel Potenzial verschenkt. Daher bleibt nur noch die Einführung einer neuen Linie übrig. Jedoch wüsste ich nicht, wie ich diese legen sollte, ohne Parallelverkehr zur Straßenbahn zu haben.
3. Einführung von Flächenbedarfsverkehr in dünn besiedelten Stadtteilen
In vielen Regionen hat sich Flächenbedarfsverkehr schon bewährt. So ist das in Leipzig betriebene On Demand Angebot „Flexa“ sehr erfolgreich. Ein ähnliches Konzept stand vor Jahren auch mal in Dessau zur Debatte. Leider verlief diese Idee im Sande. Dabei bietet Dessau meiner Meinung nach beste Voraussetzungen für solche Vorhaben. Mit der Einführung eines solchen Angebots in den oben markierten Bereichen könnte man unwirtschaftliche Netzabschnitte stilllegen, ohne die Bevölkerung vom ÖPNV abzukapseln. In diesen Bereichen wären die Anwohner flexibler und Personalgewinnung wäre nicht so schwierig, da hierfür nur ein Führerschein der Klasse B erforderlich wäre.
Fazit:
Die meisten Vorhaben sind meiner Meinung nach gut umsetzbar. Auch wenn an diversen Bahnhöfen nicht nur neue Haltestellen, sondern ganze Wendeanlagen für die Busse gebaut werden müssten. Am kritischsten sehe ich jedoch die Taktverdichtung, diese wäre zwar für eine Stadt dieser Größe durchaus angemessen, aber ob das Angebot auch wirklich so gut angenommen werden würde, glaube ich eher nicht.

Dem Konzept, Busrouten zu begradigen und zu verdichten (dem Takt der Straßenbahn anzugleichen), stimme ich grundsätzlich zu. Zwecks Finanzierung würde ich die Routen stärker einkürzen: Das Industriegebiet Mannheimer Str. wäre mit 2 Linien überversorgt. Lieber die 16 verändern über Kabelweg – Kochstedter – Zunftstr. zum BSZ, dann über Köthener zum Junkerspark und wie gehabt nach Mosigkau. Die neue 17 startet am Hbf über Ziebigker Str. zum BSZ, dann geradlinig über Schaftrift nach Kochstedt.
Der Halt am Bahnhof Altena klingt sinnvoll, man müsste hierfür eine Wendeschleife südlich des Bahnsteigs bauen. Falls das zu teuer käme, genügt vielleicht auch eine Haltestelle an der Kreuzung Köthener/Hünefeldstr.
Vielen Dank für dein Feedback. Das Problem mit dem Industriegebiet Mannheimer Str. ist tatsächlich ein Dilemma und die übermäßige Bedienung mit zwei Linien ist am Ende eigentlich nur Mittel zum Zweck. Mir war die Tangentialverbindung vom Bf Süd über Azubiwohnheim zum BSZ wichtig. Die Linie würde ja in meinen Plänen sowieso nur in der HVZ verkehren und ansonsten nur bis HBF fahren. Außerdem müsste man keine neuen Haltestellen einrichten, da vor ein paar Jahren die 16 dort schon einmal langfuhr.
Deine Idee mit der Umverlegung der 16 klingt auch ganz nett, jedoch fehlt mir dann sowohl eine Querverbindung zwischen Mosigkau und Kochstedt (leicht gelöst durch Verlängerung einer der beiden Linien) als auch die Anbindung von Kochstedt zum Klinikum (eher schwer zu lösen, da eine weitere Linie wieder eine übermäßige Bedienung von diversen Stadtgebieten bedeuten würde. Bei dem Gebiet Mosigkau-Kochstedt-Junkerspark/Alten tat ich mich generell schwer, eine gute und vor allem halbwegs finanzierbare Lösung zu finden. Es gibt immer das Problem von entweder zu vielen Linien bzw. Sinnlos-Linien oder von fehlenden Querverbindungen.
Generell birgt mein Plan die Gefahr, dass durch die zusätzlichen bzw. dichter getakteten Tangentialverbindungen die Attraktivität auf diesen Verbindungen durch die verkürzte Reisezeit so sehr steigt, dass die Straßenbahn-Fahrgastzahlen einbrechen.
Bitte beachten: Grundsätzlich sind auf LiniePlus keine Netz- oder Sammelvorschläge zugelassen, insbesondere wenn diese dann sehr umfangreich werden, wie es hier leider der Fall ist. Man kann nicht immer alle Linien getrennt voneinander darstellen, da ja auch Wechselwirkungen untereinander bestehen, aber dann bitte zumindest an geeigneter Stelle (z.B. Dessau und Rosslau und Linien- und On-Demand-Verkehre) als eigene Vorschläge erstellen.
Die Vorschläge können dann ja gerne untereinander verlinkt werden und ggf. auch ein Forenbeitrag (oder möglichst im Nachgang ein Gesamtvorschlag) erstellt werden, wo es um allgemeine Themen (z.B. Finanzierung) oder eine Übersicht (z.B. Gesamtzielkonzept) geht.