Beschreibung des Vorschlags
Als Fortsetzung des Korridors 5 Prag-Liberec, dessen möglichen Verlauf über Turnov hier von mir vorgeschlagen wurde, möchte ich eine Trasse zwischen Liberec und Legnica ins Spiel bringen, welche das Riesengebirge untergräbt und so auf möglichst direktem Weg in das polnische Tiefland geführt wird. Gemeinsam bilden diese beiden Neubaustrecken dann die Grundlage für eine Expressverbindung Prag-Warschau, die dann beliebig nach Norden auf der Rail Baltica oder nach Süden in Richtung Wien und München verlängert werden könnte.
Gestartet wird dabei im Hauptbahnhof Liberec, nördlich der Ausfädelung der NBS nach Prag. Durch zwei Tunnel geht es über die Neiße nach Jablonec, wo auf der Bestandsstrecke gefahren wird. Diese ist daher entsprechend auszubauen. Östlich von Jablonec fädelt die Trasse wieder aus und läuft nahezu gerade auf Tanvald zu, wo ebenfalls für einen kurzen Abschnitt die Bestandsstrecke genutzt werden soll. In beiden Fällen dient dies dazu, diese Städte an den Fernverkehr anzubinden – Jablonec schon wegen seiner Größe, Tanvald wegen seiner Rolle als Hauptbahnknoten des Riesengebirges. Von Tanvald aus geht es ebenso gerade nach Harrachov, wo in der Wintersaison in einem Tiefbahnhof gehalten werden kann. Dies erlaubt eine erheblich bessere Anbindung des Wintersportzentrums, da der bestehende Bahnhof absolut peripher gelegen ist und so keine wirklich attraktive Anreise ermöglicht. Ab hier geht es dann in einem Basistunnel unter dem Hauptkamm des Riesengebirges hindurch, um nördlich von Piechowice wieder aufzutauchen. In Jelenia Gora, wo auch Anschlüsse in Richtung Görlitz und Walbrzych bestehen, wird noch einmal gehalten, bevor es dann durch das Riesengebirgsvorland nach Legnica geht.
Trassiert werden sollte die Strecke für 200 Km/h, um Mischverkehr zu erlauben und die Baukosten, die durch die Topographie und Tunnellastigkeit schon hoch genug sein werden, nicht noch weiter zu vergrößern. Alternativ wäre auch ein Korridor über Frydtland möglich, was eine Wende in Liberec überflüssig macht, jedoch auf den Anschluss des Riesengebirges verzichtet. Die Abschnitte auf Bestandsstrecken sind entsprechend aufzuwerten und zu erweitern, damit hier keine Engpässe entstehen.
Zusammen mit der NBS Prag-Liberec bildet dieses Projekt einen Gegenvorschlag zu Vladimir42’s Fernverkehr Praha-Dresden-Wroclaw. Beiden kommt durch die Funktion als Zugang des RegioNetzes Oberlausitz-Nordböhmen zum osteuropäischen Fernverkehr auch eine zentrale Erschließungsfunktion zu, wodurch sich trotz hoher Baukosten die Wirtschaftlichkeitsrechnung positiv entwicklen sollte.
Warum nicht über Bunzlau, Görlitz und Zittau nach Reichenberg fahren? Da werden mehr Leute angeschlossen und schon ausgebaute Strecken wie Breslau-Kohlfurt-Görlitz Moys mitgenutzt…
Da keine der Bestandsstrecken in dem Gebiet für 200Km/h (oder mehr) ausgebaut ist, müsste das auch bei einer Führung über Görlitz und Zittau erfolgen – die Kostenersparnis hält sich dahingehend also in Grenzen und durch den erheblich längeren Laufweg würde sich auch die Fahrtzeit maßgeblich erhöhen. Außerdem müsste man, so man bestandsnah bleiben wollte, in Zittau und Görlitz die Fahrtrichtung wechseln, was betriebstechnisch noch ungünstiger ist als die Wende in Liberec, wo dies auch wegen der Platzverhältnisse besser darstellbar ist. Weiterhin ist gerade in Zittau nicht wirklich Platz für den Fall, das längere Güterzüge mal dort warten müssen.
Eine Neubaustrecke in Deutschland ist, u.a. durch die ewig langen Planungszeiträume (Stichwort Brennernordzulauf und feste Fehmarnbeltquerung), nahezu ausgeschlossen, zumal diese dann zwischen Liberec und Görlitz fast genauso tunnelreich sein müsste wie die hier vorgeschlagene Variante.
Zu guter letzt ist die Zahl der angeschlossenen Einwohner – Zittau ~25.500, Görlitz ~56.500+31.000, Boleslawiec 39.200 – im Vergleich mit Jablonec ~46.000, Tanvald ~6.300, Harrachov ~1.400 und Jelenia Gora ~80.500 gar nicht so viel größer. Aber alle 3 Städte von dir genannten Städte wären über andere Vorschläge bereits an den Fernverkehr angebunden und man opfert den Fernverkehrszugang von Jelenia Gora und des Riesengebirges – welches v.a. im Winter, aber auch im Sommer, DIE Touristenhochburg im Norden Tschechiens ist, aber bahntechnisch nur suboptimal angesteuert wird, also gerne mal im Stau erstickt (das ist wegen der örtlich zusätzlichen Belastung durch alte Kohleheizungen gerade im Winter durchaus wörtlich zu nehmen).